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Sondersendung: Macron und Le Pen im Finale um Präsidentschaft
Aus Echo der Zeit vom 10.04.2022. Bild: Keystone-SDA
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Wahl in Frankreich Frankreichs Stichwahl unter anderen Vorzeichen

Marine Le Pen gegen Emmanuel Macron – so war die Konstellation schon 2017. Doch die Ausgangslage hat sich verändert. Vor fünf Jahren hätte Macron bereits am Abend des ersten Wahlgangs den Champagner öffnen können. Der Sieg war ihm praktisch sicher. Er erhielt im zweiten Wahlgang denn auch eine komfortable Zweidrittels-Mehrheit. Diesmal sieht es anders aus.

Macron ist nicht mehr der Neue, der versprechen kann, dass alles neu und besser wird. Er ist seit fünf Jahren Präsident und hat eine durchzogene Bilanz. Auf dem internationalen Parkett macht Frankreichs Präsident zwar eine gute Figur. Frankreich hat unter ihm auch in der Europäischen Union mehr Gewicht und Einfluss gewonnen. Manche EU-Projekte wie das Investitionsprogramm zum Wiederaufschwung nach der Pandemie sind auf Frankreichs Initiative hin entstanden. 

Macron polarisiert – Le Pen hat Image poliert

Der Aussenpolitiker Macron glänzt – der Innenpolitiker Macron dagegen polarisiert. Mit den Wirtschaftsreformen in den beiden ersten Jahren hat er einiges erreicht: Die Arbeitslosigkeit ist gesunken, Frankreichs Wirtschaft wächst und zieht wieder Investitionen aus dem Ausland an.

Den Ruf als «Präsident der Reichen», den Macron die Abschaffung der Reichtumssteuer eingebracht hat, ist er jedoch nicht losgeworden. Weder durch die sozialen Massnahmen, mit denen seine Regierung die wirtschaftlichen Folgen der Pandemie abgefedert hat, noch durch die staatlichen Eingriffe, mit der Frankreich die Folgen der Preissteigerungen bei Energie und Rohstoffen mildern möchte.

Marine Le Pen auf der anderen Seite hat ihr Image erfolgreich poliert. Die «Entdiabolisierung», an der sie seit elf Jahren arbeitet, ist deutlich weiter vorgeschritten. Sie ist inzwischen auch für eine breitere Schicht wählbar, weil sie auf der Oberfläche weniger extrem wirkt als früher.

Diesen Part hat ihr der rechts-extreme Konkurrent Éric Zemmour abgenommen, der sich für den zweiten Wahlgang hinter Le Pen stellt. Damit wären die beiden Lager, Macrons Mitte und Le Pens extreme Rechte, in etwa gleich stark. Die Frage ist, wer von den beiden Finalisten mehr Potenzial an Wählerinnen und Wählern mobilisieren kann.

Traditionelle Parteien am Boden

Die meisten geschlagenen Kandidatinnen und Kandidaten des ersten Wahlgangs haben sich zwar hinter Macron gestellt. Aber namentlich die traditionellen Parteien links und rechts haben eine schwere Niederlage erlitten: Die Sozialisten sind schon vor fünf Jahren auf rund sechs Prozent abgerutscht. Inzwischen sind sie mit rund zwei Prozent praktisch bedeutungslos.

Den konservativen «Les Républicains» geht es nur wenig besser. Auch sie wurden zwischen Macrons Mitte und der neuen Partei von Éric Zemmour praktisch aufgerieben. Die Unterstützung der Geschlagenen dürfte Macron also wenig bringen.

Am meisten Potenzial hätte die Basis des Drittplatzierten Jean-Luc Mélenchon. Er hat mit 20 Prozent der Stimmen einen Überraschungserfolg errungen – der ihm allerdings nicht für den Einzug in die Stichwahl reicht.

Mélenchon sagte nur: Keine Stimme für die extreme Rechte – eine Wahlempfehlung für Macron ist dies aber nicht. Mehr könnte Mélenchon seiner Wählerschaft auch kaum zumuten. Denn Präsident Macron ist links aussen derart verhasst, dass Mélenchons Anhängerinnen und Anhänger eher Stimmenthaltung üben, als Macron wählen, sagen Demoskopen. Oder allenfalls ihre Stimme gar Le Pen geben, wenn dies hilft, den ungeliebten Präsidenten loszuwerden.

Daniel Voll

Frankreich- und Maghreb-Korrespondent

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Daniel Voll ist seit 2018 Frankreich-Korrespondent von Radio SRF mit Sitz in Paris. Der Maghreb gehört ebenfalls zu seinem Berichtsgebiet. Zuvor war er unter anderem als EU-Korrespondent in Brüssel und als Auslandredaktor für SRF tätig.

SRF News Spezial, 10.4.22, 19:55 Uhr

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