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Wahldesaster in Hessen CDU trotz Sieg schwer gebeutelt

Legende: Audio Peter Voegeli: «Grüne und AfD sind langfristig überbewertet» abspielen. Laufzeit 02:45 Minuten.
02:45 min, aus HeuteMorgen vom 29.10.2018.
  • Bei der mit Spannung erwarteten Landtagswahl in Hessen müssen CDU und SPD herbe Verluste hinnehmen.
  • Nach dem vorläufigen amtlichen Endergebnis kommt die CDU auf 27,0 Prozent, SPD auf 19,8; Grüne auf 19,8; die AfD auf 13,1; die FDP auf 7,5 und die Linke auf 6,3 Prozent.
  • Schwarz-Grün hat die Chance auf eine Fortsetzung der Regierungskoalition, aber auch andere Konstellationen sind denkbar.
ZDF
Legende: ZDF

Erst Bayern, jetzt Hessen – die Wähler haben die zerstrittenen Parteien der grossen Koalition erneut abgestraft. Bei der Landtagswahl in Hessen erlitten CDU wie SPD am Sonntag zweistellige Verluste. Die Christdemokraten von Ministerpräsident Volker Bouffier kamen nach dem vorläufigen amtlichen Endergebnis auf ihr schlechtestes Ergebnis in dem Bundesland seit mehr als 50 Jahren, blieben aber stärkste Kraft.

Bouffier räumte ein: «Wir haben schmerzliche Verluste erlitten, das macht uns demütig, das nehmen wir ernst.» Der Wahlkampf sei stark überlagert worden vom Erscheinungsbild der grossen Koalition in Berlin. Die Menschen wünschten sich von ihr weniger Streit und mehr Sachorientierung.

Hessische CDU kommt mit blauem Auge davon

Dank hoher Zugewinne der Grünen ist eine Fortsetzung des seit 2013 regierenden schwarz-grünen Bündnisses knapp möglich. Daneben kommen auch CDU und SPD sowie SPD, Grüne und FDP rechnerisch auf eine Mehrheit. Am stabilsten wäre ein Jamaika-Bündnis aus CDU, Grünen und FDP.

Legende: Video Deutschland steht auf dem Kopf abspielen. Laufzeit 02:28 Minuten.
Aus Tagesschau vom 28.10.2018.

Die SPD von Spitzenkandidat Thorsten Schäfer-Gümbel erzielte ihr schlechtestes Landesergebnis aller Zeiten. Auch er machte dafür die Bundespolitik verantwortlich. Man habe «nicht nur keinen Rückenwind aus Berlin erhalten, sondern wir hatten regelmässig Sturmböen im Gesicht».

Grosse Wahlgewinner sind die Grünen mit ihrem besten Abschneiden bei einer Hessen-Wahl sowie die AfD. Die Rechtspopulisten ziehen erstmals in den Landtag ein und sind nunmehr in allen 16 Landesparlamenten vertreten.

Grosse Koalition geht über die Bücher

Auf Bundesebene geraten die Parteichefinnen von CDU und SPD, Kanzlerin Angela Merkel und Andrea Nahles, nach der zweiten Wahlschlappe binnen zwei Wochen nun noch stärker unter Druck. Am kommenden Wochenende wollen die Spitzen von CDU und SPD über Konsequenzen aus den Abstimmungen in Bayern und Hessen diskutieren.

Auf Vorschlag von Nahles wollen die Sozialdemokraten bereits an diesem Montag in Präsidium und Vorstand über einen Kriterienkatalog beraten, wie die Grosse Koalition künftig besser arbeiten kann und wann für die SPD eine rote Linie erreicht ist.

«Die grosse Koalition hat zusammen 20 Punkte verloren, das ist ein Misstrauensvotum gegen die Regierung von Frau Merkel», sagte derweil FDP-Chef Christian Lindner. Die grosse Koalition werde nur noch durch die Angst vor den Wählern zusammengehalten.

Die grosse Koalition aus CDU, ihrer bayerischen Schwesterpartei CSU und der SPD war trotz starker Verluste nach der Bundestagswahl 2017 noch einmal erneuert worden. In Umfragen hätte die «GroKo» derzeit deutschlandweit keine Mehrheit mehr.

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37 Kommentare

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  • Kommentar von Bendicht Häberli (bendicht.haeberli)
    Die Meinung von Peter Voegeli, dass die AfD langfristig überbewertet ist, teile ich überhaupt. Dies eine unüberlegte Aussage. Der Erfolg einer nationalistisch ausgerichteten Partei ist weniger von der eigenen Leistung als viel mehr von innen- und aussenpolitischen Entwicklungen abhängig. Beispiel die ehemalige NSDAP. 1929 noch ein Mauerblümchen, 1933 schon 44% der Stimmen und nur ein paar Jahre später die alles bestimmende Partei. Politische Krisen sind immer gefährlich,vor allem in Deutschland.
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  • Kommentar von Rolf Bolliger (jolanda)
    Die "Grünen" (19.8%) und die AfD (13.1%) sind im Bundesland Hessen die 2 Parteien mit dem grössten Wählerstimmen-Zuwachs (also Wahlsieger). Wie bisher in allen Deutschen Bundesländer, erleiden auch in Hessen die SPD und CDU sehr hohe Verluste! Diese "Zeichen" aus den Ländern sollten endlich ausreichen, dass die Bundesregierung in Berlin endgültig von ihrer reziproken Koalition Abschied nehmen muss! Die abgestraften Parteien müssten sich endlich reale Fragen stellen, warum sie überall verlieren!
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  • Kommentar von Guschti Gabathuler (guschti)
    CDU/CSU und SPD zeigen wie man sich mangels Substanz selbst abschafft. SPD ist wie der HSV im Fussball - alle ergötzen sich an deren Untergang ... und die CDU verkauft sich nur etwas besser als die SPD. Das Gute: die Leute erkennen endlich dass man auch Grüne oder Linke wählen kann ohne extrem links zu stehen. Das Schlechte: CDU + SPD sind total lernresistent.
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    1. Antwort von Konrad Schläpfer (Koni)
      Das wundert mich immer wieder, einerseits ist man unzufrieden mit der Zuwanderung aus fremden Kulturen, anderseits wählt man Grün. Ein Grund könnte sein, dass man sich nicht getraut AfD zu wählen, aber mit der GROKO sehr unzufrieden ist, darum Grüne. Das heisst vom Regen unter die Traufe, verstehe ich nicht.
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    2. Antwort von Peter Amthauer (Peter.A)
      @Herr Schläpfer Meine Theorie bezüglich des Erstarkens der Grünen ist, dass die Grünen in der Zeit des Abwirtschaftens der „Volks“parteien vermehrt Menschen, welche Sympathien für ihre Politik empfinden, gewinnen konnten. Diesen Wählern geht es im Grunde finanziell gut und deshalb sehen diese Menschen die Zuwanderung als sozialen Akt gegenüber den Ländern, auf deren Kosten sich der Westen bereichert. MfG
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