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Legende: Audio Indien: Zwanzig Rappen für ein Kilo Zwiebeln. (Archivbild vom Bauernprotest in Indien, 2018) abspielen. Laufzeit 04:27 Minuten.
04:27 min, aus Rendez-vous vom 22.05.2019.
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Wahlen in Indien «Modi hat vieles versprochen, gehalten hat er nichts»

Spende an den Premierminister: Der indische Bauer Sanjay Sathe macht so auf die Not der Bauern aufmerksam.

Viele Bauern in Indien sind wütend: Die aktuelle Regierung von Premierminister Narendra Modi habe nicht genügend für sie getan. Über die Hälfte der indischen Bevölkerung lebt auf dem Land. Der Landwirtschaftssektor macht fast 20 Prozent der indischen Wirtschaft aus.

Armer Bauer spendet für den Präsidenten

Bauer Sanjay Sathe steht in einem Schober vor einem Berg Zwiebeln. «2000 Kilo Zwiebeln liegen da», sagt der Bauer im Dorf Naitale, etwa eine Stunde von Nasik im Gliedstaat Maharashtra entfernt. Sathe lagert die Zwiebeln, weil er hofft, nächsten Monat einen besseren Preis für sie auf dem Markt zu ergattern.

Im Juni könne er 20 Rupien pro Kilo Zwiebeln verlangen, im Moment seien es nur 9 bis 10 Rupien, umgerechnet keine 20 Rappen. Die Schmerzgrenze sei damit erreicht, doch noch lange nicht der Tiefststand, sagt der Bauer weiter.

Im Dezember fiel der Preis auf umgerechnet zwei Rappen pro Kilo Zwiebeln. Für eine ganze Lastwagenladung erhielt der Bauer umgerechnet 16 Franken. Die Kosten für Transport und Arbeiter betrugen fast dasselbe. Für den Bauern blieb unter dem Strich weniger als ein Franken übrig. Das war so wenig, dass er darauf verzichtete und das Geld postwendend Premierminister Modi spendete.

Aktion wurde national bekannt

So etwas war noch nie zuvor geschehen. Bauer Sathe erlangte nationale Bekanntheit. Die Aktion zeigt, in welcher Notlage sich die Bauern in Indien befänden, sagt Wirtschaftsprofessor Himanshu Himanshu von der Jawaharlal Nerhu Universität in Neu Delhi.

Die Landwirtschaft in Indien sei regelrecht zusammengebrochen. Sieben bis acht Millionen Bauern verliessen in Indien ihre Felder, weil ihre Einkommen in den letzten Jahren stagnierten, aber die Ausgaben anstiegen, sagt der Wirtschaftsprofessor. Sie stiegen nicht zuletzt wegen einer neuen Mehrwertsteuer, die im Sommer 2017 eingeführt wurde.

Die neue Steuer machte zwar aus Indien einen einheitlichen Markt, ohne Umsatzsteuerschranken zwischen den einzelnen Teilstaaten. Doch sie verteuerte viele Produkte, zum Beispiel Benzin, Düngemittel oder Traktoren. Das machte die Bauern im ganzen Land wütend.

Grosser Bauernprotest im Frühling 2018

Im März 2018 marschierten 50’000 Bauern von Nasik nach Mumbai, um gegen die Preiserhöhungen zu demonstrieren. Genutzt hat es nichts, sagt Bauer Sathe vor seinem Zwiebelberg: «Modi hat vieles versprochen, gehalten hat er nichts. Er wollte unsere Einkommen verdoppeln und Mindestpreise für Grundnahrungsmittel garantieren», doch passiert sei nichts. Stattdessen kämen Politiker während dem Wahlkampf in die Dörfer und würden grosszügig Schuldenerlasse versprechen.

Medizin für eine andere Krankheit, sei das, meint Sathe. Damit versuchten die Politiker, die Bauern auf ihre Seite zu holen. «Doch die Schuldenerlasse nutzen nur ein Jahr, bis wir uns wieder verschulden müssen, um Saatgut und Dünger zu kaufen.» Die Politik müsse dafür sorgen, dass wir unsere Ware zu einem korrekten Preis verkaufen können, dann braucht es keine Schuldenerlasse mehr», so Sathe. «Für uns Bauern ist Modi nicht gut.»

Das Geld kam zurück

Die 16 Franken, die Sathe dem Premierminister geschickt hat, erhielt er postwendend und kommentarlos zurück. Wählen werde er ihn nicht mehr, sagt der Bauer. Ob andere Bauern es ihm gleichtun, wird sich am Donnerstag zeigen. Mit über 60 Prozent der Bevölkerung machen sie eine wichtige Wählerbasis aus.

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5 Kommentare

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  • Kommentar von Oli Muggli  (Oli g)
    Und jetzt? Ein typischer Politiker halt...
    Ausser Trump hat glaube ich noch niemand getan was er vorher Predigte.
    Der wiederum ist ziemlich verhasst, ein wenig Schizo das ganze....
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  • Kommentar von Florian Kleffel  (Hell Flodo)
    Das ist leider nur ein Beispiel eines generellen Problems: Diejenigen, die mit eigenen Händen Produkte herstellen oder eine Dienstleistung erbringen, bekommen immer weniger vom Kuchen. Produktive Arbeit lohnt sich nicht mehr, ein Aufstieg in den Mittelstand bleibt für die meisten Angestellten ein Traum. Zu Wohlstand kommt nicht, wer Werte schafft, sondern nur, wer diese „managed“, verschiebt, geschickt damit jongliert, spekuliert. Und wenn man ihn schon hat, vermehrt er sich automatisch.
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  • Kommentar von A. Keller  (eyko)
    Vor der Wahl machen die Politiker grosse Versprechen, einmal die Wahl gewonnen halten sie ihre Versprechen nicht ein. In Indien leiden die Bauern und die arme Bevölkerung immer mehr. Es wird nicht für sie getan. Diese Wahlverprechen kennen wir ja auch bei uns nur nicht so in krasser Weise.
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