Zum Inhalt springen

Wahlen in Kambodscha «Alle Kritiker wurden mundtot gemacht»

Legende: Audio Wahlen ohne Opposition in Kambodscha abspielen. Laufzeit 03:15 Minuten.
03:15 min, aus Echo der Zeit vom 29.07.2018.

In Kambodscha hat Dauer-Ministerpräsident Hun Sen die Parlamentswahlen klar gewonnen. Nach ersten inoffiziellen Ergebnissen kann die regierende Volkspartei CCP mit mehr als 80 Prozent der Stimmen rechnen.

Damit festigt der seit über 30 Jahren regierende Hun Sen seine Macht. Für Südostasien-Korrespondentin Karin Wenger ist klar: Der Sieg ist nicht nur auf demokratische Weise zustande gekommen.

Karin Wenger

Karin Wenger

Südostasien-Korrespondentin, SRF

Personen-Box aufklappenPersonen-Box zuklappen

Karin Wenger ist seit Frühling 2016 Südostasien-Korrespondentin von SRF in Bangkok. Sie berichtet über Indonesien, Malaysia, Philippinen, Thailand, Burma, Vietnam und weitere südostasiatische Länder. Wenger lebte zuvor sechs Jahre lang in der indischen Hauptstadt Neu Delhi. Früher berichtete sie als freie Journalistin aus dem Nahen Osten.

SRF News: Wie ist die Stimmung in Kambodscha nach dem Wahlsieg von Hun Sen?

Karin Wenger: Es ist nicht so, dass viele Kambodschaner euphorisch sind. Viele haben sich vor Strafen gefürchtet. Regierungschef Hun Sen hat gesagt, man müsste mit Gefängnis oder gar mit Krieg rechnen, wenn die Leute nicht an die Urne gingen.

Hun Sen hält seinen Wahlzettel in die Kameras.
Legende: Seit 1985 an der Macht: Kambodschas Premierminister Hun Sen. Keystone

Hun Sen bleibt an der Macht. Alles andere wäre aber auch eher eine Überraschung gewesen.

Absolut. Es war schon vor den Wahlen klar, dass Hun Sen an der Macht bleiben würde. Schliesslich tat er eben auch alles dafür. Im vergangenen November wurde die einzige wirklich ernstzunehmende Oppositionspartei – die nationale Rettungspartei CNRP – durch einen Entscheid des obersten Gerichts aufgelöst. Ihr Anführer war schon vorher ins Gefängnis gesteckt worden.

Hun Sen hat dafür gesorgt, dass er freies Feld hatte.

Heute sind beinahe alle Mitglieder der Partei entweder untergetaucht oder ins Ausland geflohen. Beobachter sprachen von einem politischen Entscheid des Gerichts, da die Oppositionspartei bei den letzten Wahlen der Regierung politisch gefährlich geworden war. Im gleichen Schachzug vor den Wahlen wurden unabhängige Medien geschlossen, alle Kritiker wurden mundtot gemacht. Hun Sen hat dafür gesorgt, dass er freies Feld hatte.

Was bedeutet das alles für das Land und seine Entwicklung?

Es bedeutet, dass der autokratische Führer Hun Sen seine Macht gehörig zementiert hat. Er wird vom Westen aber immer weniger unterstützt. Die Wahlen wurden von der EU und den USA als Farce bezeichnet. Sie halfen weder finanziell noch mit Wahlbeobachtern.

Kambodscha wirft sich immer mehr in die Arme Chinas.

Die Abwendung des Westens hat aber in den letzten Monaten und Jahren bewirkt, dass sich Kambodscha immer mehr China in die Arme geworfen hat. China ist bereits heute der grösste Investor in dem armen Land. Dieser Trend wird sich jetzt sicher fortsetzen. Die Frage ist nun, wie lange es dauern wird, bis die Kambodschaner sich wehren werden. Viele von ihnen haben genug von der Korruption und Vetternwirtschaft der Regierung.

Das Gespräch führte Nicoletta Cimmino.

Keine wichtigen News verpassen

Erhalten Sie die wichtigsten Nachrichten per Browser-Push-Mitteilungen.

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren.

9 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Charles Dupond (Egalite)
    Ein Ueberleufer der Roten Kmer und Quisling der Besetzungsmacht Vietnam. Was soll man von so einem anderes erwarten?....
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von A. Keller (eyko)
    Diese Abstimmung spiegelt nicht den Willen des kambodschanischen Volkes wider und ist ein Rückschlag für die Demokratie und die Menschenrechte in dem südostasiatischen Land. Durch diese Wahl ist es zur Umkehr eines mehr als 25 Jahre langen Prozesses hin zur Demokratie gekommen.Hun Sen ist in dem südostasiatischen Staat seit dem Sturz der Roten Khmer vor 33 Jahren an der Macht. Er gehört zu den dienstältesten Regierungschefs der Welt.Nach umstrittener Wahl, droht die USA Kambodscha mit Sanktionen
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Harald Buchmann (Harald_Buchmann)
    Schwarzweiss Denken hilft bei Ostasien wenig. In Pakistan starben bei Wahl-Kämpfen 200 Leute, die Philippinen darbten 40 Jahre dahin bis der autokratische Duterte begann aufzuräumen, Vietnam entwickelt sich von allen Asean am besten, ganz ohne Volkswahlen. Kambodscha hat in den letzten 5 Jahren begonnen, endlich positive Entwicklung zu zeigen. Da würde ich Demokratie jetzt nicht höchste Priorität beimessen. Es sterben noch immer mehr Menschen an Hunger als an Repression.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
    1. Antwort von Hans Haller (panasawan)
      Stimmt, die Demokratie kann hier nicht die erste Priorität sein. Und China als Vorbild funktioniert hier in Indochina auch nicht. Und in Vietnam arrangierten sich die Menschen vor allem darum, dass das Leben überhaupt wieder lebenswerter werden konnte. Eine "Erfolgsgeschichte" ist das weder für China, noch für das Regime in Hanoi und. Wahrscheinlich ist es in Kambodscha ganz ähnlich.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen