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Wahlen in Kolumbien Präsident Iván Duque – im Wahlkampf ergraut

Legende: Video Einschätzung von Karen Naundorf, Buenos Aires abspielen. Laufzeit 0:42 Minuten.
Aus Tagesschau am Mittag vom 18.06.2018.

Noch vor Kurzem kannte den künftigen Präsidenten Kolumbiens kaum jemand. Doch dann kürte der ultrarechte Ex-Präsident Alvaro Uribe den 41-jährigen Iván Duque zu seinem Wunschkandidaten. Das genügte, um die Wähler zu überzeugen. Nun wird Duque beweisen müssen, dass er keine Marionette seines politischen Ziehvaters ist.

Die Wahlen sind schon jetzt historisch: Zum ersten Mal seit mehr als fünfzig Jahren mussten die Wähler keine Angst vor Anschlägen haben. Erstmals wurde eine Frau zur Vizepräsidentin gekürt. Und: Noch nie zuvor erreichte die Linke so viele Stimmen. Daher wertete der gescheiterte Kandidat Gustavo Petro die Niederlage auch nicht als Misserfolg – sondern als Durchbruch.

Das Friedensabkommen am liebsten «in Stücke reissen»

Links galt lange als guerilla-affin und als nicht wählbar. Nun ist es dem Bündnis Colombia Humana mit einem linken Parteiprogramm gelungen, die Führung der Opposition zu übernehmen. Das hat sicherlich auch damit zu tun, dass die Partei der ehemaligen FARC-Guerilla im März bei den Parlamentswahlen abgestraft wurde. Sie wäre gar zu politischer Bedeutungslosigkeit verdammt, gäbe es nicht die Klauseln im Friedensvertrag, die den ehemaligen Guerilleros sogar Parlamentssitze zusichern.

Iván Duque ist genau das ein Dorn im Auge. Er kritisiert die politische Beteiligung der ehemaligen Kämpfer und fordert härtere Strafen. Vor Beginn des Wahlkampfs sagte er, dass er das Friedensabkommen am liebsten «in Stücke reissen» würde. In den letzten Monaten gab er vorsichtigere Töne von sich. Doch: Welcher ist der echte Duque? Der gemässigte Stimmenfänger aus dem Wahlkampf? Oder der Hardliner von zuvor?

Warum Duque graue Haare hat

Die Sorge, dass ehemalige Kämpfer wieder zu den Waffen greifen könnten, wenn das Friedensabkommen angetastet würde, ist begründet. Schon jetzt sind bis zu 1200 ehemalige FARC-Guerilleros aus Misstrauen gegenüber der Regierung wieder in den Untergrund zurück gekehrt.

Bei seiner ersten Ansprache als gewählter Präsident gab Duque sich jedoch versöhnlich. Er weiss: Mehr als 40 Prozent der Kolumbianer lehnen seine Politik ab. Sie werden sehr genau beobachten, ob er wirklich wie versprochen die soziale Ungleichheit bekämpft, das marode Gesundheitssystem vom Kopf auf die Füsse stellt und wie es mit dem Friedensprozess weiter geht.

Graue Haare wird all das Iván Duque jedoch nicht verschaffen. Die hat er bereits: Angeblich extra gefärbt für den Wahlkampf, um erfahrener zu wirken.

Karen Naundorf

Karen Naundorf

SRF-Südamerika-Mitarbeiterin

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Naundorf lebt in Buenos Aires. Sie hat in Berlin Kommunikation studiert und die Henri-Nannen-Journalistenschule absolviert. Ihre Texte erscheinen in verschiedenen Magazinen, sie gestaltet auch Radio- und Fernsehbeiträge bei mehreren deutschsprachigen Sendern.

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3 Kommentare

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  • Kommentar von David Arnold (darnold)
    "Demokratie erfordert Kompromisse, auch wenn man 100%ig richtig liegt." (Obama) - Ich bezweifle, dass Duque 100% recht hat, umso wichtiger wird es, die Opposition anzuhören. Um solch tiefe Gräben wie die eines Guerilla Krieges zuzuschütten, müssen alle über ihren Schatten springen. Der Vertrag ist ein Anfang. Ich hoffe zutiefst, die Regierung und Volk werden nachziehen!
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  • Kommentar von A. Keller (eyko)
    Duque will das Friedensabkommen am liebsten in Stücke reissen. Das Friedensabkommen steht somit auf wackeligen Beinen. Stehen wieder Unruhen in Kolumbien bevor? Bin sehr skeptisch wie es mit Duque weitergeht. Das Wichtigste ist Frieden.
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    1. Antwort von Charles Dupond (Egalite)
      Wenn Friedensvertraege und innenpolitische Subordinationsvertraege - insbesondere deren Amnestieklauseln - nach einem politischen Sieg der Rechten oder Linksextremen nicht mal das Papier wert sind, auf dem sie stehen, muessen sie den internationalen und nationalen Frieden leider vergessen. In Kolumbien werden die betrogenen Farcisten wieder abtauchen, und sich ausgeschossen lieber mit der blanken Waffe weiter wehren, als sich ergeben....
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