Zum Inhalt springen
Inhalt

Wahlen in Kongo-Kinshasa Chancen auf einen Wechsel sind gesunken

Die Opposition steht nicht mehr hinter ihrem Gegenkandidaten. Präsident Kabila könnte seinen Wunschnachfolger einsetzen.

Legende: Audio Anna Lemmenmeier: «Kabila entscheidet, ob und wann Wahlen stattfinden» abspielen. Laufzeit 04:14 Minuten.
04:14 min, aus SRF 4 News aktuell vom 13.11.2018.

Was ist passiert? Am 23. Dezember wählt das Volk in Kongo-Kinshasa den Nachfolger von Langzeitpräsident Joseph Kabila. Dessen Wunschkandidat ist Ex-Innenminister Emmanuel Ramazani Shadary. Sieben Oppositionsparteien hatten sich auf einen gemeinsamen Gegenkandidaten geeinigt – auf Martin Fayulu. Doch letzte Nacht haben sich zwei der sieben Parteien aus der Vereinbarung zurückgezogen.

Warum kam es zum Rückzug? «Das fragen sich heute Morgen wohl sehr viele Leute in Kongo-Kinshasa», sagt Anna Lemmenmeier, Afrika-Korrespondentin von SRF. Auch Einheitskandidat Fayulu habe sich in einem Interview sehr perplex geäussert über die kurze Einigkeit, die in der Opposition herrschte.

Diese dauerte gerade mal einen Tag. Die beiden Kandidaten, Félix Tshisekedi und Vital Kamerhe, haben den Rückzug ihrer Parteien aus der Vereinbarung damit begründet, dass ihre jeweilige Basis mit dem Entscheid, Fayulu aufzustellen, nicht einverstanden gewesen sei. Gestern hatten in Kinshasa tatsächlich einige ihrer Anhänger gegen diese Wahl demonstriert.

Ramazani Shadary gilt als einer, der Kabila treu ergeben ist.
Autor: Anna LemmenmeierSRF-Afrika-Korrespondentin

Wer ist Kabilas Wunschnachfolger? Es war überraschend, als Emmanuel Ramazani Shadary als Nachfolger präsentiert wurde. «Er ist nicht besonders beliebt, er ist auch nicht besonders bekannt», weiss Lemmenmeier. Sein Rückhalt in der Bevölkerung sei aber nur bedingt wichtig: «Viel wichtiger ist, dass er von Kabila auserkoren wurde.» Er gelte als einer, der dem Präsidenten ergeben ist. Das deute darauf hin, dass Kabila weiter die Fäden ziehen wird. «Und weil er Kabilas ‹Dauphin› ist, steht ihm auch der gesamte Staatsapparat und wohl auch ein Teil der Staatskasse für den Wahlkampf zur Verfügung.»

Wer hat die besten Wahlchancen? «Das hängt vor allem vom amtierenden Präsidenten ab – und von der Frage, wie weit er gehen wird, um seine Macht im Land zu sichern», sagt die Afrika-Korrespondentin. Denn Kabila ist bereits seit 18 Jahren an der Macht und hat die Wahlen zwei Jahre lang verschoben.

Die Wahlmaschinen sind noch nicht im Land angekommen.
Autor: Anna LemmenmeierSRF-Afrika-Korrespondentin

Es sei auch sehr lange unklar gewesen, ob er bei diesen Wahlen nochmals antritt. Nun stellten sich die Fragen: Wie weit wird Kabila gehen? Wird er Stimmen kaufen? Wie reagiert er, falls einer der Oppositionskandidaten mehr Stimmen holt? Die Möglichkeit, dass Letzteres eintrete, habe sich mit den gestrigen Ereignissen allerdings stark verkleinert, so Lemmenmeier.

Finden die Wahlen wirklich statt? Derzeit ist offen, ob die Wahlen am 23. Dezember überhaupt stattfinden können. Denn es gebe noch eine andere grosse Unbekannte, eine der logistischen Art: Die Wahlmaschinen seien noch nicht einmal im Kongo, sagt Lemmenmeier. Wenn sie es dann sind, so stelle sich die Frage, ob sie rechtzeitig in alle Gegenden des riesigen Landes verteilt werden können. «Doch am Ende wird Kabila entscheiden, ob die Wahlen stattfinden, wann sie stattfinden – mit oder ohne Wahlmaschinen.»

Keine wichtigen News verpassen

Erhalten Sie die wichtigsten Nachrichten per Browser-Push-Mitteilungen.

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren.

2 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von m. mitulla (m.mitulla)
    Der Kongo mit seinen grossen Bodenschätzen hatte einen Präsidenten, den alle liebten: Lumumba. Wikipedia: "Am 14. September 1960 übernahm die Armee unter Mobutu in einem mit den USA abgesprochenen Putsch die Macht." Sein Nachfolger Kabila wird ebenfalls durch Onkel Sam gestützt und geschmiert. US- Präsidenten sind immer wieder gern gesehene Gäste im Hause Kabilas, genauso wie vorher im Hause Mobutus. Dazu gibt es viele Dokumentationen.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Roman Loser (Jessica)
    In der DDR gabs keine offizielle Prinzessin und in der BRD keine Königin!
    Ablehnen den Kommentar ablehnen