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Wahlen in Kosovo: Die Diaspora in der Schweiz erlebt die Teilnahme an der Wahl als schwer
Aus HeuteMorgen vom 12.02.2021.
abspielen. Laufzeit 02:41 Minuten.
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Wahlen in Kosovo Kompliziertes Wahlprozedere für Kosovaren in der Schweiz

Am Sonntag wählt Kosovo ein neues Parlament. Die Teilnahme für Wahlberechtigte im Ausland ist kompliziert.

Bei den Parlamentswahlen im Kosovo am kommenden Sonntag spielen die Wählerinnen und Wähler im Ausland eine grosse Rolle. In der Schweiz leben besonders viele Menschen mit kosovarischen Wurzeln, doch die Teilnahme an den Wahlen wird ihnen diesmal schwer gemacht.

Die Diaspora und die Parlamentwahlen im Kosovo
Aus 10 vor 10 vom 11.02.2021.

Denn wer an der Wahl teilnehmen will, musste sich bei der Wahlkommission in Kosovo per Mail anmelden und dann auf einen Telefonanruf warten, um die Registrierung zu bestätigen. Dieser Telefonanruf wurde dem Registrierungsverfahren zur Wahl neu hinzugefügt und weckt den Eindruck, dass man den Wählerinnen und Wählern im Ausland die Teilnahme erschweren will.

Diaspora in der Schweiz verärgert

Bekim Hoti, Vertreter der linken Oppositionspartei Vetevendosjë in der Schweiz bekam viel Ärger mit: «Es ist unglaublich, was in den letzten zehn Tagen passiert ist. Ich habe Hunderte von Telefongesprächen mit Leuten geführt, die nicht weiter wussten. Sie haben lange auf einen Anruf gewartet. Wir wurden zu Zeiten angerufen, an denen es nicht möglich war, das Telefon abzunehmen. Das und sonst sehr viel ist vorgekommen. Die Leute waren wirklich stinksauer.»

Schweizer, albanische und kosovarische Fahne
Legende: In der Schweiz leben mehr als 100'000 Menschen mit kosovarischer Staatsangehörigkeit. Die Schweizer Doppelbürgerinnen und -bürger sind in dieser Zahl nicht mitgezählt. Keystone/Archiv

Wahlberechtigte, denen es gelungen ist, sich rechtzeitig einzuschreiben, machen sich jetzt Sorgen, ob ihre Wahlzettel rechtzeitig per Post in Kosovo ankommen. Hoti sagt: «Viele Bürgerinnen und Bürger haben die Wahlzettel per DHL-Express verschickt, was bis zu 110 Franken kostete.»

Um auf Nummer sicher zu gehen, würden viele auch die teure Reise nach Kosovo antreten, um dort persönlich ihre Stimme abzugeben, sagt Hoti. Seine Vetevendosjë-Partei ist von dem erschwerten Wahlprozedere besonders betroffen. Sie hat auch in der Schweiz einen noch höheren Wähleranteil als in Kosovo.

Wahlberechtigte in der Schweiz würden Kurti wählen

Bekim Dalipi von «albinfo.ch» bestätigt die Prognose, dass sich Menschen mit kosovarischen Wurzeln hierzulande für Albin Kurti entscheiden würden. Der Journalist der unabhängigen kosovarisch-schweizerischen Internetplatform sagt: «Klar ist, dass die Mehrheit der Diaspora in der Schweiz Albin Kurti wählen würde – das spüren wir überall und jeden Tag.»

Albin Kurti im Mengenbad beim Wahlkampf mit Corona-Maske
Legende: Albin Kurti ist der Chef der links-nationalistischen Vetevendosjë-Partei. Nach der Parlamentswahl 2019 und sehr langen Koalitionsgesprächen bildeten er mit der Demokratischen Liga des Kosovo eine Regierung. Keystone/Archiv

Kurti ist besonders beliebt, weil er verspricht, mit der grassierenden Korruption aufzuräumen und so Kosovo aus wirtschaftlicher Not und Armut zu befreien. «Ich denke, eine jüngere Generation mobilisiert sich viel mehr und spricht sich für den Wechselkurs von Albin Kurti. Hier in der Schweizer leben vielmehr junge Albanerinnen und Albaner, die sich für Albin Kurti entschieden haben», sagt Bekim Dalipi.

Keine Beweise für absichtliche Hürden

Ob die Behörden in Kosovo das Prozedere für Wahlberechtigte im Ausland tatsächlich absichtlich erschwert haben, um den Stimmenanteil von Kurtis Partei zu drücken, lässt sich nicht beweisen.

Avdullah Hoti mit Maske
Legende: Avdullah Hoti buhlt ebenfalls um Stimmen bei den kosovarischen Wahlen. Er ist der liberal-konservatie Kandidat der Demokratischen Liga Kosovo (Lidhja Demokratike e Kosovës). Keystone/Archiv

Aber das Vorgehen könnte darüber entscheiden, ob Kuti im Parlament auf eine absolute Mehrheit kommt: «Es könnte um ein bis drei Parlamentssitze gehen», schätzt der Politikanalyst Agon Maliqi in Prishtina. Bei den traditionell sehr knappen Regierungsmehrheiten in Kosovo könnte dies noch zu viel Streit nach den Wahlen führen.

HeuteMorgen, 12.02.2021, 06:00 Uhr

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22 Kommentare

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  • Kommentar von Jos Peperkamp  (Peptalk)
    Als selber Auslandschweizer frage ich mich wo alle die hier wohnen sich Zuhause fühlen oder sich richtig integrieren. Ich fühle mich hier Zuhause und stimme in meine Heimat nicht ab da die Gesetzungänderungen mich ja nur seitlich beanspruchen oder belasten. Ich wäre dafür: aus dem Land, Stimmrecht weg. So wird in ein Land besser politisiert.
  • Kommentar von Martin Meier  (M.Meier)
    Und der Bundesrat lässt all diese Leute in den Kosovo reisen, wohlwissend, dass sich dann durch die Rückkehrer die Corona-Zahlen wieder erhöhen werden. Unglaublich wie naiv unsere Landesregierung ist.
    Ich darf mich hier mit max. 4 Personen treffen, jedoch lässt man 10'000 Leute per Car und Flieger für eine Wahl in den Kosovo reisen.
    Und dann ist man erstaunt, wenn es den Leuten in der Schweiz den Deckel lupft.
    Macht es doch wie in Portugal. Ein-und Ausreisesperre für 14 Tage!
  • Kommentar von Levi Vodica  (levivodica)
    Das mit der Erschwerung des Wahlprozederes ist so eine Sache. Da es ja keine regulären sondern (wieder mal) vorgezogene waren, war zeitlich alles ein bisschen knapp. Deswegen halb so wild und kaum der Rede wert. Ansonsten ist es meiner Meinung nach durchaus richtig, dass die Diaspora mit abstimmen kann. Wenn die Regierung diesmal eine Amtszeit von 4 Jahren durchhält, wird die nächste Wahl sicher organisierter und insbesondere für die Diaspora einfacher gestaltet.