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Die tiefe Wahlbeteiligung zeigt den Frust der Rumänen
Aus HeuteMorgen vom 07.12.2020.
abspielen. Laufzeit 02:27 Minuten.
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Wahlen in Rumänien Viel Frust und vielleicht ein Neuanfang

Es hat sich viel Frust und Resignation aufgestaut in Rumänien. Nach Auszählung von 95 Prozent aller Stimmen zeigt sich: Das hat zu einem Wahlresultat geführt, mit dem niemand gerechnet hat.

Von der Resignation hat vor allem die postkommunistische PSD profitiert. Diese Partei hat Rumänien in den letzten zwei Jahrzehnten geprägt wie keine andere. Sie trägt viel Verantwortung dafür, dass die Spitäler so marode, die Schulen so schlecht sind und die Korruption in Rumänien so weit verbreitet ist. Und dennoch hat die PSD bei diesen Wahlen rund dreissig Prozent der Stimmen geholt. Dieses überraschend gute Abschneiden lässt sich nur damit erklären, dass viele in Rumänien von der Politik ganz grundsätzlich nichts anderes mehr erwarten, als dass jede Partei ihre eigene Klientel bedient.

Genug vom Politpersonal

Der Bruder der Resignation, der Frust, dürfte der nationalistischen, einige sagen rechtsextremen, Gold-Allianz zu ihrem Überraschungserfolg verholfen haben. Die AUR galt als chancenlose Aussenseiterin; jetzt hat die Partei, die Moldawien mit Rumänien vereinigen will, fast jede zehnte Stimme geholt. Das ist ein Zeichen dafür, wie genug viele in Rumänien vom bisherigen Politpersonal haben.

Diesen Überdruss haben ganz besonders die derzeit regierenden Bürgerlichen zu spüren bekommen. Sie waren die Favoriten. Und sie haben den Rumäninnen und Rumänen den Neuanfang versprochen, den sich viele wünschen: ein Land, das seine Kranken versorgen kann, seinen Kindern reelle Chancen bietet, ein Land, das sich von der Korruption befreit.

Neuanfang vom zweiten Platz aus

Die Bürgerlichen sind mit ihrem grossen Versprechen auf dem enttäuschenden zweiten Platz gelandet. Und doch werden sie den Neuanfang wohl versuchen können. Erwartet wird, dass sie zusammen mit der Anti-Korruptionspartei USR-Plus und mit UDMR, der Partei der ungarischen Minderheit, die neue Regierung bilden.

Wie gross der Frust ist in Rumänien und wie nötig ein Neuanfang wäre, zeigt sich an der tiefen Wahlbeteiligung: Nur 31 Prozent der Wahlberechtigten gingen gestern an die Urne – so wenige wie noch nie seit dem Ende des Kommunismus.

Roman Fillinger

Roman Fillinger

Osteuropa-Korrespondent, SRF

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Roman Fillinger ist Osteuropa-Korrespondent von Radio SRF. Von 2007-2018 arbeitete er in verschiedenen Funktionen beim «Echo der Zeit», zuletzt als Moderator und stellvertretender Redaktionsleiter.

SRF 4 News, 07.12.2020, 6 Uhr

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5 Kommentare

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  • Kommentar von beat zehnder  (beat zehnder)
    Wieso wird diese Partei nicht bei ihrem richtigen Namen genannt und immer als postkommunistisch gebrandmarkt? Nicht dass ich irgendwelche Sympathien dafür hege.Man schreibt ja auch nicht bei jedem Bericht über die spanische PP, dass sie postfaschistisch ist, was der gleichen Realität entspricht.
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  • Kommentar von Peter König  (Vignareale)
    Genau das könnte auch in anderen ehemals kommunistischen Staaten geschehen
    Inkl. Russland wenn
    Putin nicht waere
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    1. Antwort von Karl Frank  (Europäer)
      Geschieht gerade in Ungarn und Polen. Von räuberischen Kapitalismus zum Faschismus in Ungarn und zu Katho-Faschismus in Polen, wie es unter Franko in Spanien oder unter Pater Tiso in Slowakei war. Und in asiatischen ehemaligen kommunistischen Republiken ( fünf an der Zahl: von Kirgistan bis Aserbeidschan) geschieht nichts. Die sind von Kommunismus zum Nomadendiktaturen übergegangen wie in Kaganaten der Tataren und Mongolen. Und die bleiben so bis aller Ewigkeit. Über Demokratie kein Spur.
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    2. Antwort von Matthias Sommer  (abcdef)
      Nur ist es so, dass Putins Russland noch tiefere Demokratieindizes erreicht als Polen und Ungarn. Nur weil letztgenannte den Weg in die kompetitive Autokratie beschreiten respektive beschritte haben, ist Putins Autokratie niemals besser, sondern mMn noch schlechter zu beurteilen!
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    3. Antwort von Jaro Bels  (Gotod)
      @K.Frank „Plötzlich“ demokratisch wählen zu können heisst noch lange nicht, dass man weiss, was Demokratie bedeutet, und dass man demokratisch denken oder handeln kann. Es hat was mit Geschichte und Entwicklung zu tun und nicht mit dem, ob das Land in dem „ Kommunismus-Experiment“ gelebt hat oder eben nicht. Der Weg zur Demokratie war und ist schwierig und sehr lang. Auch die Schweiz wurde nicht aus dem nichts als demokratisch geboren. Es ist aber unsere Aufgabe so weit wie möglich zu helfen.
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