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Ungarn: Bürger wählen Aussenseiter zum Herausforderer von Orban
Aus Tagesschau vom 17.10.2021.
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Wahlen in Ungarn Dieser Gegner ist gefährlich für Viktor Orban

Ungarns Regierungschef Viktor Orban hat in Europa etwas geschaffen, was es so noch nicht gegeben hat: Ungarn ist zwar keine Diktatur, aber auch keine klassische Demokratie mehr.

Der Mann, der das nun ändern soll, heisst Peter Marki-Zay, parteilos und Bürgermeister in Südungarn. Er hat am Sonntag die Vorwahlen der Orban-Gegner gewonnen und wird nächsten Frühling versuchen, auch die eigentlichen Wahlen gegen Viktor Orban zu gewinnen. Mit Unterstützung kann er von links bis rechts rechnen.

Das muss Orban beunruhigen, denn Marki-Zay ist ein gefährlicher Gegner. Am Sonntag haben die Leute von Viktor Orban ein Video mit fröhlicher Musik verbreitet. «Die linke Show geht weiter», heisst es darin, «jetzt kommt der Karriere-Linke Peter – das Ergebnis bleibt dasselbe: Steuererhöhungen und Arbeitslosigkeit.» Aber Peter Marki-Zay ist nicht links.

Marki-Zay gefällt links und rechts

«Orbans Kampagne gegen mich ist sinnlos», sagt er vor den Medien, «ich bin schon länger konservativ als Orban.» Wie Orban ist Peter Marki-Zay Christ, hat viele – sieben – Kinder und kennt sich aus mit Wirtschaft. Er ist Ökonom und Elektroingenieur. In Kanada verkaufte er eine Zeit lang an Haustüren Telefone. Konservative unterstützen Peter Marki-Zay.

Anders als Orban findet Marki-Zay, Ungarn könne nicht dauernd ausscheren aus der Europäischen Union. Anders als Orban findet er, zumindest einige Flüchtlinge seien willkommen. Auch ist er dafür, dass Schwule und Lesben heiraten dürfen sollten. Linke unterstützen Peter Marki-Zay.

Unfaire Kampagne

Orbans Leute sind erfinderisch, wenn es darum geht, Marki-Zay loszuwerden. Als er als Bürgermeister der südungarischen Stadt Hódmezővásárhely kandidierte, kam er nicht vor in der Lokalpresse, er konnte nicht einmal einen Saal mieten für Wahlveranstaltungen.

Es wurde behauptet, er wolle nach dem Wahlsieg als Erstes eine Moschee bauen lassen. Sein Gegner war ein Mann aus dem Orban-Lager mit einem dicken Polster aus Macht und Geld. Trotzdem gewann Marki-Zay.  

Vor einiger Zeit sagte er am Radio, zur Kindererziehung gehöre manchmal eine Ohrfeige. Die Orban-treuen Staatsmedien zitieren das ausgiebig – aber auch das hat Marki-Zay nichts anhaben können. Zu gut gefällt er bis jetzt Konservativen und Linken, Landbewohnerinnen und Städtern.

Natürlich, ihm fehlen noch Parteiapparat und Erfahrung um ein Land zu regieren. Aber er bringt einiges mit, was Orban bei den Wahlen nächstes Jahr gefährlich werden könnte.

Sarah Nowotny

Sarah Nowotny

Osteuropa-Korrespondentin, SRF

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Sarah Nowotny ist Osteuropakorrespondentin für SRF. Sie lebt in der polnischen Hauptstadt Warschau. Seit 2014 ist Nowotny bei Radio SRF tätig. Zuvor arbeitete sie für die «NZZ am Sonntag» und «Der Bund».

Heute Morgen, 18.10.21, 6 Uhr

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23 Kommentare

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  • Kommentar von SRF News (SRF)
    Guten Tag liebe Community. Vielen Dank für Ihre zahlreichen Kommentare. Wir schliessen die Kommentarspalte an dieser Stelle und wünschen Ihnen einen angenehmen Tag. Liebe Grüsse, SRF News
  • Kommentar von Jörg Dieter  (jorgd)
    Die Schweiz ist das natürliche nächste Ziel von Berlin und der Europäischen Union. Deshalb hoffe ich, dass dieses kleine rebellische Ungarn seine Vision eines lose verbundenen Europas schützt.
    1. Antwort von Albert Planta  (Plal)
      Es ist erstaunlich, dass das Regime Orbán in der EU überhaupt möglich ist. Orbán schränkt die Meinungsfreiheit ein, drangsaliert die Minderheiten und betreibt Vetternwirtschaft.
    2. Antwort von Max Wyss  (Pdfguru)
      @Plal: Der Konstrukt EU basiert darauf, dass die Mitgliedsländer die Europäische Idee und deren Ideale und Ziele unterstützen. Das Problem ist, dass es nun eben Länder gibt, welche die EU einzig als Bankomat betrachten. Aus den ersteren Gründen gibt es keine brauchbaren Sanktionen geben derartige Länder, und die Bedingung der Einstimmigkeit ist für den Rest an Möglichkeiten auch nicht gerade förderlich.
    3. Antwort von Franz Heeb  (fheeb)
      Die Schweiz ist schon wichtig für die EU, das gleiche gilt aber auch umgekehrt.

      Ich wünsche mir Politiker auf beiden Seiten die in Gesprächen auf Augenhöhe brauchbare Kompromisse aushandeln können.

      Mit Konfrontation oder Erpressung werden keine Lösungen möglich sein.
  • Kommentar von Thomas Trefzer  (ttre)
    Trotz dessen, dass Orban seine Scherflein grösstenteils ins Trockene gebracht haben dürfte und seine Spezis in höchste Positionen gehieft hat wird es wohl schwierig sein ihn zu entthronen. Zu stark ist wohl der Rückhalt in grossen Teilen der Bevölkerung, seiner Nutzniesser und Günstlinge... ;-).