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Wal an Ostseeküste gestrandet «Es besteht durchaus noch Hoffnung für den Buckelwal»

Ein gestrandeter Buckelwal sorgt an der deutschen Ostseeküste für bange Stunden. In der Lübecker Bucht bei Niendorf steckt das Tier seit Tagen im flachen Wasser fest; alle bisherigen Rettungsversuche sind gescheitert. Nun ruhen die Hoffnungen auf einer neuen Aktion am Donnerstag. Warum die Bergung so schwierig ist und wie es um die Chancen für das Tier steht, erklärt Tierärztin Stephanie Gross vom Institut für Terrestrische und Aquatische Wildtierforschung. Das Institut ist an den Rettungsarbeiten für den gestrandeten Wal beteiligt.

Stephanie Gross

Tierärztin

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Stephanie Gross ist Tierärztin am Institut für Terrestrische und Aquatische Wildtierforschung (ITAW) in Büsum. Gross befasst sich mit der Gesundheit und dem Schutz von Wildtieren, insbesondere von Meeressäugern.

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SRF News: Wie schwierig ist es, einen gestrandeten Wal zu retten?

Stephanie Gross: Wir sprechen von einem tonnenschweren Tier, das sich im Wasser befindet und nicht ohne Weiteres bewegt werden kann. Aufgrund des Gewichts ist ein Anheben, Umdrehen oder Ziehen mit einer Verletzungsgefahr für das Tier verbunden. Entsprechend muss bei jeder Rettungsaktion abgewogen werden, inwieweit man das Tier oder auch sich selbst gefährdet.

Was gibt es noch für Optionen, um den Wal zu befreien?

Am Dienstag war ein kleiner Saugbagger im Einsatz. Dieser sollte Sand absaugen und so eine Rinne freispülen. Zurzeit ist ein grösserer Bagger auf dem Weg zum Wal, der auf einem Schwimmponton montiert wird. Mit einer Baggerschaufel soll gezielt Sand entfernt werden, um dem Wal eine Passage ins Wasser zu schaffen.

Boot im Meer nahe Küste mit Algenresten am Strand.
Legende: Die Rettungsaktionen laufen seit Montag. Zuletzt wurde versucht, mit einem Bagger einen Kanal für den Wal zu graben. (24.03.2026) Keystone/DPA/ULRICH PERREY

Ist ein solcher Aufwand üblich, um einen gestrandeten Wal zu retten?

Es ist nicht ungewöhnlich. Auch bei grossen Meeressäugern wird versucht, im Rahmen der Möglichkeiten zu helfen. Die Bestände vieler Walarten sind durch den kommerziellen Walfang nach wie vor reduziert. Entsprechend besteht ein Interesse, Tiere aus so einer Situation herauszuhelfen, sofern realistische Chancen bestehen.

Ein Wal lässt sich nicht so einfach untersuchen.

Ist es denkbar, dass der Wal bewusst zum Sterben an den Strand gekommen ist? Manche Fachleute sagen das.

Das kann leider nicht ausgeschlossen werden. Der Wal war in Fischerleinen verheddert. Äussere Teile konnten abgeschnitten werden. Allerdings führt immer noch eine Leine ins Maul des Tieres. Ob er sie verschluckt hat, ob sich diese im Maul verfangen hat und diese zu Entzündungen geführt hat, lässt sich derzeit nicht sagen. Ein Wal lässt sich nicht so einfach untersuchen.

Rettungsteam in einem Boot untersucht gestrandeten Wal nahe Strand.
Legende: Laut einigen Fachleuten vor Ort geht es dem Wal aktuell nicht gut. Er soll eine entzündete Haut haben und wirkt geschwächt. (23.03.2026) imago images/Agentur54Grad/Felix König

Welche Rolle spielt Stress bei den Rettungsversuchen?

Das ist auf alle Fälle wichtig, im Auge zu behalten. Die Behörden haben den Bereich gut abgesperrt, so dass die Schaulustigen den Wal aus weiterer Entfernung beobachten können. Dennoch ist jeder Rettungsversuch Stress für das Tier. Deshalb wird fortlaufend beobachtet, wie der Wal reagiert. Falls erforderlich, müssen Massnahmen abgebrochen werden.

Polizist steht am Strand hinter Absperrband.
Legende: Rettungsversuche und Schaulustige bedeuten für den Wal erheblichen Stress – der Bereich wurde deshalb weiträumig abgesperrt. (23.03.2026) Keystone/DPA/ULRICH PERREY

Die nächsten Versuche sind für Donnerstag geplant. Wie stehen die Chancen für eine Rettung?

Es besteht durchaus noch Hoffnung. Der Wal liegt nicht vollständig trocken, sondern scheint noch Wasser unter sich zu haben. Es ist nicht so, dass er komplett aufliegt und sich gar nicht bewegen kann. Sollte das Tier ansonsten gesund sein und diese Rinne vor sich erkennen, könnte es selbstständig in die Ostsee schwimmen.

Das Gespräch führte Julius Schmid.

SRF 4 News, 23.3.2026, 13 Uhr ; 

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