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Legende: Audio Kein Ende der arktischen Brände abspielen. Laufzeit 04:44 Minuten.
Aus SRF 4 News aktuell vom 29.07.2019.
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Waldbrände in der Arktis «Gleich viel CO2 wie Belgien in einem Jahr»

Durch zahlreiche Waldbrände in der Arktis sind Regionen in Kanada, Alaska und Sibirien betroffen. In den Sommermonaten zwar keine Seltenheit, haben die Brände dieses Jahr besonders früh begonnen und brennen überdurchschnittlich stark. Die Luftverschmutzung sei immens, weiss ETH-Professor Harald Bugmann.

Harald Bugmann

Harald Bugmann

Professor für Waldökologie an der ETH Zürich

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Von 1999 bis 2004 Assistenzprofessor für Gebirgswaldökologie und seit Oktober 2004 ausserordentlicher Professor für Waldökologie an der ETH Zürich.

SRF News: Wie sind die diesjährigen Waldbrände einzuordnen?

Harald Bugmann: Die Satellitendaten zeigen uns, dass es weit über hundert Brände gibt, was viel mehr ist als sonst. Die betroffene Fläche können wir im Moment aber noch nicht abschätzen, weil der Rauch die Sicht des Satelliten auf die Erdoberfläche verhindert.

Die Brände wüten vor allem in Alaska, Kanada, Sibirien und sogar auf Grönland. Viele sind nördlich des Polarkreises, was sehr ungewöhnlich ist. Einige der Feuer sind grösser als tausend Quadratkilometer. Das ist ein Kreis mit einem Durchmesser von 35 Kilometern, also die Distanz zwischen Bern und Solothurn.

Wieso fallen die Brände dieses Jahr so heftig aus?

Normalerweise finden solche Brände im Juli und August statt und dauern nur einige Tage. Doch 2019 haben wir den trockensten Juni seit Beginn der Messungen vor mehr als hundert Jahren erlebt.

Was bedeuten die Brände für die Menschen und Tiere in der Gegend?

Lebewesen und die Ökosysteme sind dort grundsätzlich an sie angepasst. Für die Natur ist das keine Katastrophe. Auch nicht, wenn es einmal wesentlich mehr brennt als in den anderen Jahren.

Städte wie Krasnojarsk und Nowosibirsk in Sibirien leiden stark unter der atmosphärischen Belastung.

Für den Menschen sind die Brände aber manchmal ein Problem. Einerseits wenn Siedlungen abbrennen, wie wir das in den letzten Jahren gesehen haben. Die Brände finden aber vor allem dort statt, wo es praktisch keine Menschen gibt. Ein anderes Problem sind die Schadstoffe in der Luft. Im Moment leiden beispielsweise die Städte Krasnojarsk und Nowosibirsk in Sibirien stark unter der atmosphärischen Belastung.

Welche Auswirkungen hat die Schadstoffbelastung in der Atmosphäre?

Bisher wurden ungefähr hundert Millionen Tonnen CO2 in die Atmosphäre freigesetzt, das entspricht den jährlichen Emissionen eines Landes wie Belgien. Die Brände verstärken den Treibhauseffekt durch die zusätzliche Freisetzung von Treibhausgasen.

Ausserdem führt die Ablagerung von Ascheteilchen auf den weissen Flächen der Arktis dazu, dass diese dunkler werden und mehr Sonnenstrahlung absorbieren. Das ist etwa so, wie wenn wir im Sommer ein schwarzes anstatt ein weisses T-Shirt tragen würden. Es ist wesentlich heisser für uns. Das Schmelzen des Eises geht noch rascher vor sich und führt zur Offenlegung von mehr Land, was den Treibhauseffekt weiter verstärkt.

Legende: Video Vermehrt Waldbrände in Kanada, Alaska und Sibirien abspielen. Laufzeit 02:18 Minuten.
Aus Tagesschau vom 26.07.2019.

Das Gespräch führte Janis Fahrländer.

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56 Kommentare

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  • Kommentar von Walter Schmid  (W. Schmid)
    Die Berechnung mag ja stimmen. Was aber befördern die zur Zeit ca. 1500 aktiven Vulkane an Giftstoffe in die Umwelt. Sofort verbieten, da sie ebenfalls menschgemacht sind :-) Was zur Zeit abgeht, ist wirklich eine Klimahysterie und verursacht bald mehr Trotz als Umdenken,
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    1. Antwort von Arno Zingg  (Arno Zingg)
      Lieber Herr Schmid, Ihr Komme tar ist - mit Verlaub - nicht sehr sachlich.
      Mit Whataboutismus kann man sich immer ein anderes Thema suchen, das auch ganz schlimm ist, um ja nichts am eigenen Verhalten und Denken ändern zu müssen.
      Wenn Sie die Kritiken und Sorgen der Demonstrierenden als Hysterie und Trotz abtun, verkennen Sie selber klare Daten und Zeichen. Was Sie persönlich damit machen ist Ihnen im Rahmen des erlaubten überlassen. Beweise einfach negieren hat noch nie ein Problem gelöst.
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    2. Antwort von Jos Schmid  (Jos Schmid)
      Die vulkanische Tätigkeit auf der Erde verursacht im Schnitt 100 Millionen Tonnen CO2 pro Jahr. Demgegenüber verursacht der Mensch durch die Verbrennung von Kohlenwasserstoffen ca. 30000 Millionen Tonnen CO2. Das sind die nüchternen Fakten, Herr Schmid. Informieren Sie sich bitte, bevor sie draulosschreiben.
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  • Kommentar von Köbi Leu  (Köbi Löwe)
    @chrischi1; Lebewesen und Oekosysteme OK.
    Aber; gell, Fossil Thermische Kraftwerke, Flugzeuge, Schiffe (Schweröl) und MFZ (2Mia. gleichzeitig fahrend) sind keine Oekosysteme und Lebewesen!
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  • Kommentar von Dani Keller  (¯\_(ツ)_/¯ ____)
    Wenn Wissenschaftler auf Twitter Waldbrände mit effektiven CO2 Ausstössen von Ländern vergleichen, entlarven sich diese als reine Klima Propagandisten. Das Verbrennen von Holz ist CO2 neutral.
    So verkommt die Klimawissenschaft immer mehr zur politischen Lügenmaschinerie.
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    1. Antwort von Lukas Gubser  (Mastplast)
      Stimmt eben so nicht ganz.
      Holz ist nur CO2 neutral wenn, genau gleich viel nachwächst wie verbraucht wird, bei einem Waldbrand ist dies auf kurze Sicht nicht der Fall.
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    2. Antwort von Arno Zingg  (Arno Zingg)
      Lieber Herr Keller, wäre es möglich, dass der Vergleich primär dazu dient, das Ausmass der Waldbrände beurteilen und in ein Verhältnis setzen zu können?
      Sie können davon ausgehen, dass die Wissenschaftler durchaus wissen, wie der CO2-Haushalt von Bäumen funktioniert.
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    3. Antwort von Walter Zaugg  (Saturn)
      Herr Keller. Theoretisch stimmt das. Das Problem ist nur das wir immense Mengen an CO2 in die Luft lassen welche über Jahrmillionen im Erdöl gebunden waren. Damit dieses aber wieder gebunden wird müsste man die bestehenden Wälder enorm aufforsten und vergrössern. Das Gegenteil ist aber der Fall . Immer mehr Wälder werden abgeholzt. Auch wenn es viele nicht wahrhaben wollen wir sollten sofort aufhören mit der Verbrennung von fossilen Brennstoffen.
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    4. Antwort von Ueli von Känel  (uvk)
      Herr Keller, Sie tun, als ob Sie das mit den Auswirkungen des CO2 besser wüssten als Harald Bugmann, der Wissenschaftler ist. Ich selber vertraue seiner Darlegung. Es wird halt hier wieder einmal mehr eine unbequeme Wahrheit publiziert. Diese lässt Klimaleugnern oder Klimaverharmlosern nicht so viel Spielraum, wie sie ihn wohlhaben möchten. Es gilt auf jeden Fall, diese Meldungen erst zu nehmen und diese nicht fahrlässig eigenideologisch zu verharmlosen.
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    5. Antwort von Peter Heckendorn  (Heck)
      Danke, Herr Keller, für Ihren Kommentar. Erstaunlich nur, wie viele "Ablehner" die Fakten ignorieren, nur um ihre politischen Ziele zu erreichen. Ja, sie entlarven sich damit selbst.
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    6. Antwort von Reto Derungs  (rede)
      @Walter Zaugg: Falsch. In den letzten 40 Jahren ist die Waldfläche global insgesamt gewachsen. 60 % des Zuwachses wird der menschgemachten Aufforstung zugeschrieben, 40 % ist natürliches Wachstum, das vor allem auf den erhöhten CO2-Gehalt in der Luft zurückgeführt wird. CO2 wirkt wie ein Dünger auf die Pflanzen. Siehe: https://apps.derstandard.de/privacywall/story/2000085117177/ueberraschender-befund-globale-waldflaeche-ist-gewachsen
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    7. Antwort von Arno Zingg  (Arno Zingg)
      Lieber Herr Derungs, in dieser Statistik (https://de.statista.com/statistik/daten/studie/159813/umfrage/entwicklung-der-weltweiten-waldflaeche/) nimmt der globale Waldbestand aber seit 1990 stetig ab. Ich habe keine genauen Daten von 1982 bis 1990 gefunden.
      Und Sie verschweigen leider, dass es bei der im Standard zitierten Studie lediglich um die Quantität des Waldes geht, aber nicht um die Qualität. Es werden z.B. auch Monokulturen wie Palmölplantagen dazugerechnet.
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    8. Antwort von Dani Keller  (¯\_(ツ)_/¯ ____)
      @Zaugg: Global Greening (Dank CO2) hat eine zusätzliche Fläche von der Grösse der USA ermöglicht. Das sind um Faktoren mehr als die paar Waldbrände, die sowieso wieder nachwachsen.
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