Der aktuelle Stand: Der Wal war – nachdem er drei Wochen an einer Stelle gelegen hatte – am Montagmorgen bei steigendem Wasserstand plötzlich losgeschwommen. Von Booten aus war versucht worden, ihn Richtung Ostsee zu treiben. Nach zwei Stunden stoppte das womöglich schwer erschöpfte Tier aber am Übergang zwischen der Bucht namens Kirchsee und dem Rest der Wismarbucht, wo deutlich tieferes Fahrwasser Richtung Ostsee führt.
Rettungsversuche dauern an: Zeitweise arbeitete ein mehrköpfiges Team hüfthoch im Wasser stehend direkt am Wal. Auf Livestreams war zu sehen, wie die vor Ort eingesetzte schwimmende Arbeitsplattform mit einem Bagger dichter an den Wal heranfuhr. Von der Plattform führte ein dicker Schlauch ins Wasser beim Wal, während auf der anderen Seite Wasser und augenscheinlich auch Schlick herausgespült wurden. Aus Kreisen der privaten Initiative, die hinter dem Rettungsversuch steht, hiess es, durch den Einsatz von Saugrobotern sei eine Kuhle geschaffen worden. Eine Seite des Wals werde blockiert. Ziel sei es, das Tier später in tiefere Gewässer zu leiten, «raus aus dem Nadelöhr».
Lage des Buckelwals bleibt kritisch: Dem gestrandeten, rund zwölf Meter langen Buckelwal soll Nahrung in Form von Hering und Shrimps angeboten werden. Trotz seines kritischen Zustands sei das Tier noch vital und habe eine Chance. Der Meeresbiologe Fabian Ritter beurteilt die Lage jedoch zunehmend kritisch: Der gesunkene Wasserstand vor Poel führe dazu, dass der Wal stärker aus dem Wasser ragt, vermutlich auf Grund liegt und unter seinem eigenen Gewicht leidet. Zwar bewege das Tier seine Brustflossen, diese Bewegungen seien jedoch unterschiedlich interpretierbar. Ritter rät, den Wal möglichst in Ruhe zu lassen, um zusätzlichen Stress zu vermeiden. Prognosen zufolge bleiben die Pegelstände in den kommenden Tagen niedrig.
Abgänge im Team: Nach der zuletzt gescheiterten Hilfsaktion kam es zu personellen Veränderungen im privaten Rettungsteam. Mehrere Beteiligte verliessen die Initiative vorübergehend. Die bisherige Pressesprecherin Christiane Freifrau von Gregory trat zunächst zurück und begründete dies mit schwierigen Arbeitsbedingungen. Wenig später erklärte sie jedoch ihre Rückkehr, nachdem Unklarheiten ausgeräumt worden seien. Die leitende Tierärztin Janine Bahr‑van Gemmert wurde laut Umweltminister Till Backhaus mit einem Helikopter in ein Spital geflogen. Zudem verliess die aus Hawaii angereiste Tierärztin Jenna Wallace das Team, offenbar nach internen Differenzen. Nach Angaben der Initiative unterstützt neu die Tierärztin Kirsten Tönnies die Rettungsarbeiten.