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International Was tun gegen «Pegida»?

In Dresden haben auch heute wieder über 17'000 Menschen gegen die – aus ihrer Sicht – zunehmende Islamisierung Deutschlands demonstriert. Doch die Bewegung erfährt inzwischen auch Gegenwind, unter anderem durch Altkanzler Gerhard Schröder. Doch die Politik tut sich mehrheitlich schwer.

Legende: Video Schwieriger Umgang mit «Pegida» abspielen. Laufzeit 02:51 Minuten.
Aus 10vor10 vom 22.12.2014.

Was im Oktober mit ein paar Hundert begann ist nun zu einer Massenbewegung geworden, die «Patriotischen Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes» kurz «Pegida». Die fremdenfeindliche Bewegung verzeichnet weiterhin grossen Zulauf. Bei ihrer zehnten Demonstration mobilisierten sie am Abend nach Schätzungen der Polizei rund 17'500 Menschen – 2500 mehr als vor einer Woche.

«Aufstand der Anständigen»

Deutschlands Politiker tun sich noch schwer mit der neuen Bewegung. «Pegida» verstehen oder verurteilen? Die Regierung habe keine Antwort auf die Bewegung, sagt Jochen Graebert vom ARD-Hauptstadtstudio der Sendung «10vor10».

«Diese grosse schweigende Minderheit, die sich bisher nie artikuliert hat, ist für die Politik völlig neu. Eine klare Antwort sei bislang nicht zu erkennen, so Graebert. Die Entscheidungsträger seien hin und her gerissen zwischen Verständnis für Mitläufer und klarer Ablehnung der Rechtsradikalen.

Altkanzler fordert klares Zeichen

Während in Berlin offenbar noch um eine klare Haltung gerungen wird, spricht Altkanzler Gerhard Schröder klare Worte. Er fordert einen «Aufstand der Anständigen».

Unter diesem Schlagwort hatte der damalige Kanzler im Jahr 2000 nach einem Brandanschlag auf eine Düsseldorfer Synagoge zum Protest gegen Rechts aufgerufen. Von Bundeskanzlerin Angela Merkel und Bundespräsidenten Joachim Gauck fordert Schröder ein klares Zeichen gegen «Pegida».

12'000 Pegida-Gegner in München

Aber auch auf der Strasse formiert sich immer mehr Widerstand. Das Bündnis «Dresden Nazifrei» zeigte am Abend mit etwa 4500 Menschen Flagge «Gegen Rassismus und religiösen Fanatismus». Am Rande kam es zu ein paar Rangeleien. Rund 400 Menschen hatten sich zuvor zu einem ökumenischen Friedensgebet in der Kreuzkirche versammelt.

Auch andernorts in Deutschland formiert sich der Widerstand gegen Pegida. In München protestierten nach Polizeiangaben 12'000 Menschen gegen die anti-islamische Bewegung. Aufgerufen hatte ein breites Bündnis aus Parteien, kirchlichen Gruppen, Künstlern und Flüchtlingsorganisationen.

Im hessischen Kassel stellte eine Gegendemonstration mit 2000 Teilnehmern die Kundgebung einer Gruppe «Kassel gegen die Islamisierung des Abendlandes (Kagida)» in den Schatten. Diese hatte «ganz genau 165 Menschen» mobilisiert, wie die Polizei mitteilte. Am Rande der Proteste gab es Auseinandersetzungen, acht Menschen wurden vorläufig festgenommen.

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123 Kommentare

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  • Kommentar von Tobias Winkler, Bern
    In der ganzen Diskussion, was alles gegen PEGIDA unternommenen werden kann, geht vergessen das der inflationäre Gebrauch des Begriffs NAZI nicht angebracht ist. Dieser Begriff ist reserviert für echt miese Typen und sollte nicht auf bürgerlich denkende Menschen verwendet werden. Sonst verliert er sehr schnell an Schlagkraft...
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    1. Antwort von Carl Hebeisen, Bronschhofen
      Die von Pegida sind echt miese Typen. Die wollen den Ku Klux Clan in der BRD einführen. Die sollte man verbieten wie dieNPD. Nationalkonservative sind Spinner und somit unfähig, Probleme zu lösen.
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  • Kommentar von L.Leuenberger, Zürich
    Wirtschaftsmigranten und Kriegsflüchtlingen belasten die Staatskassen enorm. Dabei betonen die Politiker, alles wäre integrierbar oder austauschbar - Heimat, Arbeitskräfte, Traditionen. Das gilt aber nur für die Bosse. Wachstum und PFZ beherrschen die Regierungsthemen, anstatt entschlossen für den Weltfrieden einzustehen. Man bezahlt lieber für die Flüchtlinge und kritisiert die berechtigte Angst der Leuten vor der Migration. Stabilität vermitteln die heutigen Regierungen nicht mehr.
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  • Kommentar von Harald Girschweiler, 9500 Wil SG
    Die Politiker der sogenannten "staatstragenden" Parteien in vielen Ländern Europas haben verlernt auf die Wünsche, Hoffnungen und Aengste deren Wähler wie auch der Bevölkerung als Ganzes einzutreten und dann auch zu vertreten. Das Volk fühlt sich missverstanden und lediglich als "Stimmvieh" benützt. Dieses Phänomen ist in der CH dank der "direkten" Demokratie noch nicht so ausgeprägt. In parlamentarischen Demokratien wie UK, DE, FR, IT etc.etc. jedoch immer stärker zu beobachten.
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