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Corona stürzt US-Universitäten in die Krise
Aus Echo der Zeit vom 12.07.2020.
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Wegen Corona Viele Unis in den USA stehen vor dem finanziellen Kollaps

Hart treffen dürfte es vor allem kleine Privatunis – doch Sorgen haben auch die Elite-Institutionen.

Entlassungen, Beurlaubungen und rote Zahlen: In den USA stehen wegen der Coronakrise nicht nur Firmen vor dem finanziellen Kollaps, sondern auch Universitäten und Colleges. Von 4000 Einrichtungen dürfte jede fünfte gemäss Schätzungen von Fachleuten die nächsten zwei Jahre finanziell nicht überleben.

Treffen wird es wohl nicht die vermögenden Elite-Unis wie Harvard oder Yale, sondern vor allem kleinere private Institutionen. Finanzielle Sorgen haben jedoch alle.

Studenten sitzen mit Maske auf Rasen
Legende: Zwar haben auch renommierte Universitäten wie die Harvard University in Cambridge (Bild) finanzielle Sorgen wegen der Coronakrise, existenziell betroffen sind aber vor allem kleinere Einrichtungen. Reuters

Die University of Miami (UM) galt Anfang Jahr als finanziell gesund. Doch im April warnte die UM, man erwarte Verluste von Hunderten Millionen Dollar. «Schuld sind unter anderem höhere Kosten für Corona-Schutzmassnahmen oder Investitionen in den Online-Unterricht», sagt Prorektor Jeffrey Duerk.

Einnahmen in Millionenhöhe fallen weg

Gleichzeitig seien Einnahmen in Millionenhöhe weggefallen, weil etwa externe Gelder für Forschungsprojekte, die gestoppt werden mussten, ausbleiben. Zudem musste die UM ihren Studentinnen und Studenten bereits bezahlte Gebühren für Unterkunft und Verpflegung zurückerstatten, weil der Campus nach den Frühlingsferien geschlossen war.

Im Mai musste die Universität die Ausgabenbremse ziehen und einen Teil der 16'000 Angestellten entlassen. Wieviele genau, will Prorektor Duerk nicht sagen.

450 Entlassungen an der Ohio University

Ähnlich ist die Situation an der Ohio University. Ökonom Richard Vedder, der seit den 1960er-Jahren dort lehrt, weiss von 450 Entlassungen – ein Viertel davon seien Lehrpersonen.

Bedrohlich werde die finanzielle Lage für viele Institutionen erst nach den Sommerferien, sagt Vedder. «Es zeichnet sich ab, dass sich bis zu 20 Prozent weniger Studierende für das nächste Semester einschreiben werden.» Das bedeutet sinkende Einnahmen bei gleichbleibenden Kosten.

Bis zu 70 Prozent beträgt der Anteil der Gebühren an den gesamten Einnahmen der Unis.
Autor: Richard VedderÖkonom an der Ohio University

US-Hochschulen finanzierten sich aber vor allem über die Studiengebühren, so Vedder: «Bis zu 70 Prozent beträgt der Anteil der Gebühren an den gesamten Einnahmen der Unis». Deshalb buhlen Hochschulen sogar in Fernsehspots um Studierende.

Viele junge Leute hätten wegen Corona Angst, im Herbst auf den Campus zurückzukehren, so Vedder. Auch die hohen Studiengebühren halten einige davon ab, sich fürs neue Semester einzuschreiben. «Die Gebühren sind in den letzten Jahren überproportional gewachsen», erklärt der Ökonom.

Ein vierjähriges Bachelorstudium an der privaten University of Miami kostet rund 250'000 Franken, an der staatlich unterstützten Ohio University noch immer über 150'000. Wer so viel zahlt, will nicht nur Online-Unterricht. Viele Hochschulen versprechen deshalb die Rückkehr zur Normalität – trotz steigender Neuansteckungen.

Der Präsident einer US-Universität verdient mehr als ein US-Präsident.
Autor: Richard VedderÖkonom an der Ohio University

In der Krise rächten sich auch Fehlentwicklungen der letzten Jahre, ist Vedder überzeugt. «Sport, Events und auch Marketing sind an US-Hochschulen zu wichtig geworden.» Die Verwaltung sei grösser als der Lehrkörper. Wirtschaftsberater hätten Einzug gehalten, Profitabilität sei oft wichtiger als akademischer Erfolg. Zudem seien die Gehälter der Universitätsleitungen zu hoch. «Der Präsident einer US-Universität verdient mehr als der US-Präsident». Der UM-Präsident erhält viermal so viel wie ein US-Präsident – fast 1.6 Millionen Franken.

Nun müsse ein Umdenken stattfinden, findet Richard Vedder: In finanzieller Not müssten sich die US-Hochschulen auf ihre Kernaufgabe besinnen – junge Menschen ausbilden und Forschung betreiben.

Echo der Zeit, 12.7.2020, 19 Uhr

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20 Kommentare

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  • Kommentar von Jürg Häusermann  (Abraham)
    Für produktive Studienrichtung wie Naturwissenschaften, Recht, IT oder Wirtschaft sollte der Staat unterstützen
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  • Kommentar von Bruno Hochuli  (Bruno Hochuli)
    Die Corona Pandemie zeigt nun schnörkellos auf, was in vielen Staaten falsch läuft. Die USA wird noch schwer an ihrer Fehlpolitik zu leiden haben. Aber auch wir in Europa müssen in vielen Dingen umdenken. Mit Geld allein werden sich die Völker nicht ernähren können.
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  • Kommentar von Jörg Wombacher  (Dr. Fritz)
    Wie bitte? Ausbildung und Forschung sind nicht die Kernaufgaben einer Uni, es sind DIE Aufgaben. Aber wen wundert‘s... Kapitalismus in Reinform wie in den USA führt eben dazu, dass selbst Unis wie Unternehmen geführt werden und die Maxime des kurzfristigen Profits zwar Unirpäsidenten Millionengehälter bescheren können, aber in Krisen eben auch schnell zur Pleite führen. Die USA sind in vielerlei Hinsicht ein Negativbeispiel und eine Warnung für Europa und die Schweiz geworden. Schade!
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