Nach dem WEF in Davos ist die Münchner Sicherheitskonferenz (MSC) jeweils das zweite Jahrestreffen der Weltdiplomatie. US-Vizepräsident J.D. Vance sorgte 2025 mit vernichtender Kritik an den europäischen Verbündeten für einen Eklat. Heute beginnt im Luxushotel Bayerischer Hof die MSC 2026. Wer kommt? Und wie gross ist das Aufregerpotenzial? Antworten von Sebastian Ramspeck, dem internationalen Korrespondenten von SRF.
Was steht an der Münchner Sicherheitskonferenz zuoberst auf der Tagesordnung?
Die Konferenz steht unter dem Motto «Under Destruction». Zumal sich das Verhältnis zwischen den USA und ihren europäischen Verbündeten in Auflösung zu befinden scheint. US-Präsident Donald Trump will Dänemark die Insel Grönland wegnehmen und sät immer wieder Zweifel, ob er im Falle eines russischen Angriffs den Nato-Partnern beistehen würde. Die europäischen Regierungen geloben aufzurüsten und sich militärisch weniger auf die USA verlassen zu wollen. Dass das gelingen kann, haben Deutschland, Frankreich und Co. aber noch nicht wirklich unter Beweis gestellt.
Welche sind die prominentesten Teilnehmer – und wer glänzt durch Abwesenheit?
Mehr als 60 Staats- und Regierungsoberhäupter haben sich angemeldet, darunter Deutschlands Kanzler Friedrich Merz, Frankreichs Präsident Emmanuel Macron und der britische Premier Keir Starmer. US-Präsident Donald Trump und sein Vize bleiben fern, sie schicken Aussenminister Marco Rubio. Dafür kommen bekannte Namen der Demokratischen Partei, die nach Trump wieder die Macht übernehmen will, darunter der kalifornische Gouverneur Gavin Newsom und die New Yorker Abgeordnete Alexandria Ocasio-Cortez. Gar nicht erst eingeladen sind Russland und der Iran.
An die MSC eingeladen sind auch Politikerinnen und Politiker der deutschen AfD. Warum?
Die Konferenz ist eng mit dem Austragungsland Deutschland verbunden, traditionell nehmen Vertreterinnen und Vertreter aller grossen deutschen Parteien teil. An die Rechtsaussen-Partei AfD gingen in den vergangenen Jahren aber keine Einladungen. Trumps Regierung hatte dies kritisiert, zumal es in der Republikanischen Partei Kontakte zur AfD gibt. Der MSC-Vorsitzende Wolfgang Ischinger gewährt jetzt zumindest einer Mini-Delegation der AfD Einlass.
Die Schweiz ist gleich mit drei Bundesräten vertreten. Wozu?
Aussenminister Ignazio Cassis soll als Vorsitzender der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) die Friedensbemühungen für die Ukraine vorantreiben. Verteidigungsminister Martin Pfister will sich mit seinen Amtskollegen aus Deutschland und Italien treffen. Dabei dürfte es auch um die Beschaffung von Rüstungsgütern gehen. Justiz- und Polizeiminister Beat Jans hat Gespräche über Cyberangriffe und Terrorismus auf dem Programm.
Häufig kommt es am Rande der Sicherheitskonferenz zu Grossdemos. Auch dieses Jahr?
Auf der Theresienwiese im Zentrum Münchens gibt es am Samstag eine Grossdemo gegen das iranische Regime. Erwartet werden bis zu 100’000 Menschen aus der ganzen Welt. Als Redner soll Reza Pahlavi auftreten. Er ist der älteste Sohn des letzten iranischen Schahs (Königs) und gilt heute als der bekannteste Oppositionspolitiker im Exil. Pahlavi setzt sich für einen säkularen, demokratischen Iran ein. Er ist aber umstritten, weil unter der Herrschaft seines Vaters die Menschenrechte im Iran ebenfalls verletzt wurden.