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Netanjahu im Weissen Haus «Die US-Regierung will eine deutliche Schwächung des Irans»

Die US-Streitmacht im Persischen Golf reiche nicht für einen Regimewechsel im Iran, sagt der US-Militärstratege Seth G. Jones. US-Angriffe seien jedoch nach wie vor möglich. Der Besuch von Israels Premier Netanjahu im Weissen Haus kommt zu einem kritischen Zeitpunkt.

Seth G. Jones

Leitung Verteidigungs- und Sicherheitsdepartement beim CSIS

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Seth G. Jones leitet das Verteidigungs- und Sicherheitsdepartement der Denkfabrik CSIS, dem Zentrum für Strategische und Internationale Studien in Washington, D.C. Vor seiner Tätigkeit bei CSIS arbeitete er unter anderem im Büro des Verteidigungsministers und des US Special Operations Command und diente in Afghanistan.

SRF News: Erst verspricht Donald Trump der iranischen Opposition Hilfe, dann spricht er von guten Gesprächen mit dem iranischen Regime und einem «Deal», den der Iran machen wolle. Was will Trump im Iran wirklich?

Seth G. Jones: Die US-Regierung hat drei Prioritäten: Sicherstellen, dass der Iran seine nuklearen Kapazitäten nicht wiederherstellen kann, das Raketenprogramm zu limitieren und zu verhindern, dass der Iran seine Stellvertreter-Milizen im Irak, im Libanon, in Gaza und im Jemen wieder aufbauen kann. Ob der militärische Druck, den die USA in der Region aufgebaut haben, dabei hilft, werden wir sehen. Die Streitmacht, die die USA in der Region zusammengezogen haben, ist keine Streitmacht, die ein Regime stürzen kann. Die USA haben dort keine Bodenstreitmacht.

Ein Regimewechsel ist von aussen nicht zu kontrollieren. Wenn die US-Regierung so etwas anstossen würde, würde sie etwas anstossen, das sie nicht kontrollieren könnte.

Das setzt dem, was sie tun können, Grenzen. Und ich glaube auch nicht, dass die US-Regierung das will. Wenn die Proteste anhalten würden, und wir eine erneute Niederschlagung mit vielen Opfern sehen würden, dann könnte es zu limitierten US-Militärschlägen kommen. Aber ich sehe keine Anzeichen. Ein Regimewechsel ist von aussen nicht zu kontrollieren. Wenn die US-Regierung so etwas anstossen würde, würde sie etwas anstossen, das sie nicht kontrollieren könnte.

Wie wahrscheinlich ist zum jetzigen Zeitpunkt eine militärische Konfrontation?

Ich halte es für durchaus möglich, dass es zu begrenzten Angriffen gegen das iranische Regime kommen kann. Das könnte der Grund sein, weshalb die USA gerade so grosse Anstrengungen unternehmen, um die Luftverteidigung in der Region zu stärken. Man bringt nicht eine Flugzeugträgerkampfgruppe in Position, verstärkt massiv die Flugabwehr, um gegen mögliche Gegenschläge gewappnet zu ein, und nutzt es dann nicht – das kostet eine Menge Geld. Je länger diese Streitmacht vor Ort ist, desto eher wird sie eingesetzt werden.

Mann in Anzug wird von Kamerateam interviewt.
Legende: Seth G Jones im Interview. srf

Der israelische Premier Benjamin Netanjahu ist heute im Weissen Haus. Wie stehen die anderen Mächte im Nahen und Mittleren Osten zum Vorgehen der USA?

Das ist nicht immer ganz klar. Israel beispielsweise hat nach dem 7. Oktober eine sehr viel proaktivere Strategie eingeschlagen. Sei es gegenüber der Hisbollah im Libanon, sei es gegen den Iran selbst. Im Krieg letzten Sommer dauerte es drei, vier Tage, dann hatte Israel die Luftkontrolle über den Iran. Dann griffen sie das Atomprogramm an. Jetzt besteht in Israel die Hoffnung, dass dieses theokratische Regime im Iran bald enden könnte. Von den Golfstaaten aber könnten die USA nicht viel Unterstützung für offensive Operationen gegen den Iran erwarten.

Was für eine Vorstellung hat die Regierung Trump für den Nahen und Mittleren Osten?

Die Trump-Regierung würde gerne einen Nahen und Mittleren Osten sehen, in dem der Iran nochmals deutlich schwächer ist als heute. Zwar ist das Land schon sehr viel schwächer als noch vor drei Jahren, aber die US-Regierung würde den Iran gerne noch mehr schwächen. Er soll seine Stellvertreterarmeen nicht mehr unterstützen können, sein Raketenprogramm runterfahren müssen und auf keinen Fall sein Nuklearprogramm wiederaufbauen können. Langfristig soll die ganze Region dann durch Handelsbeziehungen zu stabileren Beziehungen geführt werden.

Das Gespräch führte Pascal Weber.

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