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Weltweite Verteilung Das passiert mit den Impfstoff-Überschüssen

Viele reiche Länder haben ein x-Faches des benötigten Impfstoffs bestellt. Was bedeutet das für den Verteilkampf?

Weshalb haben viele Länder mehr Impfstoff bestellt, als sie benötigen? Die Impfstoffe wurden einerseits bestellt, als noch gar nicht klar war, wie gut die Wirksamkeit der einzelnen Impfstoffkandidaten sein wird. Andererseits waren die Zulassungen und Produktionsgeschwindigkeiten unsicher. Die Länder wollten also auf verschiedene Impfstoffe setzen, um sicher schnell beliefert zu werden. Nun zeigen aber viele der bestellten Impfstoffe eine hohe Wirksamkeit. Das bedeutet, dass viele Länder zu viele Impfstoffe haben werden.

Unklar ist aber weiterhin, wie lange die Wirkung der Impfstoffe anhalten wird, und ob und wie oft die Impfung allenfalls wiederholt werden muss. Möglicherweise muss der Impfstoff wegen der Virusvarianten auch öfter angepasst werden.

Kanadas Premierminister Justin Trudeau besucht ein Impfzentrum
Legende: Kanada hat im Verhältnis zur Bevölkerung weltweit am meisten Impfstoff bestellt. Hier besucht der Premierminister Justin Trudeau ein Impfzentrum. Reuters

Welche Länder haben sich am meisten Impfstoff gesichert? Mindestens 44 Länder haben mehr Impfstoff bestellt, als sie für die komplette Durchimpfung ihrer Bevölkerung benötigen. Das zeigen Daten der Unicef, Link öffnet in einem neuen Fenster. Am meisten Impfstoff pro Kopf hat sich Kanada gesichert: Der bestellte Impfstoff würde für die Einwohner Kanadas mehr als sechs Mal reichen.

Die Schweiz hat im Verhältnis zur Bevölkerung weltweit am drittmeisten Impfstoff bestellt. Die Schweizer Bevölkerung könnte mehr als fünf Mal geimpft werden. Ebenfalls zu den Vielbestellern gehören die USA, Grossbritannien, Italien, Deutschland, Neuseeland und Frankreich. Viele europäische Staaten haben rund das Dreifache an Impfstoff bestellt, das sie eigentlich benötigen.

Was passiert mit überzähligen Impfdosen? Derzeit sind Impfdosen weltweit noch sehr knapp – Europa zum Beispiel wird wohl bis Ende Jahr noch keine überzähligen Impfdosen haben. Experten sind sich aber einig, dass die Planung der Umverteilung der überzähligen Impfstoffe dringend angegangen werden muss. Denn sind die Impfstoffe einmal beim eigentlichen Käufer angelangt, wird eine zügige Weiterverteilung durch unzählige Handelsregeln erschwert und sehr komplex.

Das hat sich etwa 2009 bei der Schweinegrippe-Pandemie gezeigt. Gemäss der Covax-Impfinitiative ist es für die Staaten deshalb am einfachsten, die überzähligen Impfdosen zu spenden, bevor sie die Fabrik verlassen.

Wie funktioniert die Verteilung durch die Covax-Initiative ? Die von der WHO und Unicef lancierte Initiative Covax hat das Ziel, den Impfstoff weltweit möglichst schnell, gleichmässig und gerecht an die Risikogruppen zu verteilen, und Ländern unabhängig von Ihrer Kaufkraft Zugang zu Impfstoffen zu verschaffen. Inzwischen nehmen 190 von insgesamt rund 200 Ländern an Covax teil. Bis Ende 2021 sollen so 2 Milliarden Impfdosen bereitstehen, 1.8 Milliarden davon für ärmere Länder.

Viele reiche Länder verzichten auf eine Beschaffung via Covax, wollen aber später Kontingente ihrer überschüssigen Impfdosen spenden oder sichern Geldspenden zu.

Ab wann werden ärmere Länder mit Impfstoff beliefert? Covax konnte Anfang März mit dem Ausliefern von Impfstoffen beginnen und bisher wurden 28.5 Millionen Impfdosen in 37 Länder ausgeliefert. Die WHO appelliert zudem, ärmeren Ländern bereits jetzt Impfdosen zur Verfügung zu stellen, damit zumindest das Gesundheitspersonal geschützt werden könne.

Eine schnelle weltweite Verfügbarkeit sei zudem auch im wirtschaftlichen Interesse von reichen Ländern. Denn die Weltwirtschaft könne nur dann wieder richtig Fahrt aufnehmen, wenn alle geschützt seien.

Video
Aus dem Archiv: Häufige Fragen zur Corona-Impfung beantwortet
Aus SRF News vom 03.12.2020.
abspielen

SRF 4 News, 12.03.2021, 00:30 Uhr;

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11 Kommentare

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  • Kommentar von Mark R. Koller  (Mareko)
    Zu den Prozentwerten von Neuseeland sei noch bemerkt, dass sich das Land auch um die Versorgung mit Impfstoffen für viele Inselstaaten im Südpazifik kümmert. Die Erstversorgungen laufen gerade an. Es wurde berichtet, dass Neuseeland auch die Kosten dafür übernehmen will. Ein grosses Dankeschön dafür! Ein ähnliches Engagement dürfte auch von Australien ausgehen, da sich diese beiden Staaten im Rahmen des Südpazifik-Forums einige Aufgaben aufgeteilt haben.
  • Kommentar von Christoph Müller  (Christoph Müller)
    Und das alles für einen Stoff, bei dem niemand die möglichen Kurz- und Langzeitschäden kennt und dessen Wirksamkeit unsicher ist. Astra-Zeneka
    1. Antwort von Julius Stern  (Stimme der Vernunft)
      Es besteht keine Kausalität zwischen den Thrombosen und des Impfstoffes. Ja es besteht nicht einmal eine Korrelarion! Hier wird wieder auf Panik gemacht wo keine Panik angebracht ist. Der AZ-Impfstoff ist genauso gut und schützend wie alle anderen auf dem Markt. Unverständlich, dass so viele Länder darauf verzichten.
    2. Antwort von Adrian Vogel  (A. Vogel)
      @ J. Stern: Gem. D-Experten treten normalerweise 50 Fälle dieser ‚Hirntrombose‘ jährlich auf, bei 90 Mio. Einwohnern. Jetzt 7 bei 1.6 Mio. geimpften. Ein gewisser Zusammenhang bestehe garantiert. Das Risiko ist ggü. dem Nutzen jedoch durchaus vertretbar, bei 1:230‘000...
  • Kommentar von Jürg Billeter  (J. Billeter)
    Gemäss BAG-Mitteilung¹ vom 10. März hat der Bund Verträge über 35.8 Millionen Impfdosen abgeschlossen. Bei zwei Impfdosen pro Person entspricht dies nur einer Abdeckung von rund 200% der Bevölkerung.

    Dies ist mehr als gerechtfertigt wenn man an potentielle weitere Impfrunden (z.B. Mutationen oder Auffrischung nach einem Jahr) und Unsicherheiten in Bezug auf Lieferung und Zulassung denkt.

    ¹ https://www.bag.admin.ch/bag/de/home/das-bag/aktuell/medienmitteilungen.msg-id-82627.html
    1. Antwort von Andreas Morello  (Andreas Morello)
      Ich kann die Zahlen von Unicef auch nicht nachvollziehen. Laut Unicef hat die Schweiz Verträge über 30.5 Millionen Impfdosen abgeschlossen (wobei 5.3 Mio AstraZeneca fehlen).

      Als Quelle für die Bevölkerungszahl ist "United Nations Population Division 2019" angegeben, das waren 8'591'000 Einwohner.

      Damit wäre die Abdeckung immer noch beachtliche 355.0%. Für eine Abdeckung von 516.5% bräuchte es 44.4 Millionen Impfdosen.

      Link UN Population Division 2019
      https://population.un.org/wpp/