Wenn der Staat die Spritze finanziert

Was schon seit geraumer Zeit gemunkelt wurde, ist nun offiziell: In Deutschland sind Sporttalente auf Kosten der Steuerzahler gedopt worden. Unter dem Deckmantel der Forschung wurden so Athleten «konkurrenzfähig» gemacht.

Farbige Ampullen bei der Dopinganalyse. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Die verbotene Leistungssteigerung wurde in Deutschland wissenschaftlich betrieben. Keystone

Was darf es denn sein? Anabolika, Testosteron, Östrogen oder Epo. So könnte es an der an der Universität Freiburg unter der Leitung des damaligen Olympia-Arztes Joseph Keul zugegangen sein.

Das zeigt nun die veröffentlichte Studie «Doping in Deutschland von 1950 bis heute» Demnach wurde Dopingforschung zum Zwecke der Leistungssteigerung von staatlichen Stellen geduldet und gefördert.

Eine Schlüsselrolle hatte der Sportmediziner Keul inne. Sein Institut, heisst es in der Studie, sei als «Zentrum der westdeutschen Dopingforschung» anzusehen gewesen.

Früher Start des «Forschungsprogramms»

Die Geschichte des Dopings in Deutschland begann demnach nicht erst 1970, als das erste formelle Dopingverbot vom Deutschen Sportbund (DSB) beschlossen wurde. Sondern bereits 1949.

Das Bundesinstitut für Sportwissenschaft hielt den Bericht aus Datenschutzgründen lange unter Verschluss. Nach öffentlicher Kritik wurde nun die 117-seitige Studie publiziert.

Sendungsbeiträge zu diesem Artikel

  • Doping-Studie enthüllt Schockierendes

    Aus Tagesschau vom 3.8.2013

    Teile der in Berlin durchgeführten Studie über „Doping in Deutschland“ wurden heute in der Süddeutschen Zeitung veröffentlicht. Laut der Studie sollen Dopingmittel systematisch an Sportlern in Westdeutschland getestet worden sein. Das Ganze sei sogar vom Staat finanziell unterstützt worden.

  • Doping mit System

    Aus Echo der Zeit vom 3.8.2013

    Anabolika, Amphetamine, Testosteron oder EPO: In der Bundesrepublik Deutschland wurde spätestens seit den 1970ger-Jahren gedopt, was das Zeug hielt. Sporthistoriker Giselher Spitzer hat eine umfangreiche Studie erarbeitet und zeigt sich schockiert.

    Ursula Hürzeler