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Wetterextreme nehmen zu «Befürchte, dass wir 2026 einen analogen Fall zu 1540 haben»

In der Schweiz, aber auch in Europa und den USA herrschen derzeit hohe Temperaturen und grosse Trockenheit. Der Umwelt- und Klimahistoriker Christian Pfister spricht von einer Dürre, wie es sie in Europa seit knapp 500 Jahren nicht mehr gegeben hat.

Prof. em. Dr. Christian Pfister

Klima- und Umwelthistoriker

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Christian Pfister war von 1997 bis 2009 Professor für Wirtschafts-, Sozial- und Umweltgeschichte am Historischen Institut der Universität Bern. Seit 2009 arbeitet der emeritierte Professor als freier Forscher am Oeschger Zentrum für Klimaforschung. Pfister gilt als einer der Pioniere und bedeutendsten Forscher auf dem Gebiet der Historischen Klimatologie. Unter anderem initiierte er die Euro-Climhist – eine Datenbank zur historischen Klimatologie Europas.

SRF News: Im Jahr 1540 herrschte von Frühling bis Herbst eine ausgesprochene Dürre, im August wurden 40 Grad gemessen. Welche Folgen hatte das?

Christian Pfister: Gravierend war der Wassermangel. Bäche und kleinere Flüsse lagen trocken, die Mühlen standen still. Alle Lebensmittel wurden teuer. Selbst das Wasser hatte seinen Preis. Schliesslich versiegten die Quellen. In Sursee grub man im Flüsschen Sure verzweifelt nach Grundwasser. Ohne Erfolg. Selbst in anderthalb Metern Tiefe fand man keinen Tropfen.

Und dann kam der grosse Tod: Viele Menschen erlagen der Hitze.

Ende Juli vermerkte der Schulmeister Hans Salat in Luzern, dass rundherum die Wälder brannten. Der Himmel war voller Rauch. Und dann kam der grosse Tod: Viele Menschen erlagen der Hitze. Es fehlte an Trinkwasser und Wasser für die Körperhygiene. Magen-Darm-Krankheiten griffen um sich, vor allem Kinder und Alte fielen ihnen zum Opfer.

1540: Sechs Regentage im Sommerhalbjahr

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Trockene Flussbettlandschaft mit einer kleinen Pflanze in der Mitte, umgeben von Bäumen.
Legende: Emme bei Aefligen/BE am 13. Juli 2026. Pegelstand: Null. Keystone / Anthony Anex

Im Jahr 1540 zählte Heinrich Bullinger in Zürich zwischen Februar und September sechs Regentage. Und dabei habe es nie einen ganzen Tag oder eine ganze Nacht lang durchgeregnet. Im Schweizer Mittelland fiel nur ein Viertel des durchschnittlichen Jahresniederschlags. In weiten Teilen Europas war 1540 das wärmste und trockenste Jahr seit 520 Jahren.

Wieso vergleichen Sie die aktuelle Hitzeperiode mit jener von 1540?

Ich befürchte, dass wir dieses Jahr einen analogen Fall zu 1540 haben. Das Ausmass der Dürre von 1540 wurde anhand der geschätzten Niederschlagsmengen ermittelt, und diese wurden anhand der beobachteten Anzahl der Regentage geschätzt. Diese wiederum kennen wir für die Schweiz aufgrund der Aufzeichnungen von vier Chronisten.

Inwieweit wir die diesjährigen Verhältnisse mit 1540 vergleichen können, wird sich am Jahresende zeigen.

Wir kennen auch den Jahresniederschlag im polnischen Krakau in einer Distanz von 900 Kilometern – und dieser lag in einer ähnlichen Grössenordnung wie jener im Schweizer Mittelland. Die Dürre reichte also vom Atlantik bis nach Polen und von Norditalien bis nach Norddeutschland. Der Abfluss des Rheins lag wohl noch bei zehn Prozent der saisonüblichen Werte. Die Ufer des Bodensees waren trocken. Inwieweit wir die diesjährigen Verhältnisse mit 1540 vergleichen können, wird sich am Jahresende zeigen.

Link zum Thema:

Die Dürre von 1540 war ein isoliertes Extremereignis. Werden wir wegen des Klimawandels jetzt mehr solche Hitze- und Trockenperioden erleben?

Ich nehme an, dass wir wegen des menschengemachten Klimawandels in Zukunft häufiger mit solchen Ereignissen rechnen müssen. Wir haben festgestellt, dass die fünf schwersten historischen Analogfälle zu 1540 erkennen lassen, dass ausgehend von einem sehr heissen und trockenen Juni/Juli dieselbe Witterung tendenziell bis in den Herbst hinein fortdauert.

Unter Umständen werden wir noch schwerwiegendere Dürren bekommen – darauf müssen wir uns vorbereiten.

Die Gründe dafür müssen von Klimatologen erforscht werden. Wir müssen damit rechnen, dass wir in Zukunft weitere solche Jahre bekommen werden, unter Umständen noch schwerwiegendere Dürren. Und darauf müssen wir uns vorbereiten.

Was können wir aus der Vergangenheit lernen?

Wir können lernen, was alles damit verknüpft ist und welche Folgen solche Ereignisse haben. Derartige Extremwetterlagen sind internationale Ereignisse. Wir können also nicht einfach den Rhein für uns behalten, wenn das Wasser knapp wird – da wird Deutschland auch etwas dazu sagen. Und Frankreich wird etwas zur Rhone sagen. Bei solch europäischen Katastrophenereignissen muss man sich darauf vorbereiten, indem man sich rechtzeitig mit den Nachbarn abspricht. Man muss überlegen, was alles geschehen kann und wie man darauf reagieren sollte.

Das Gespräch führte Iwan Lieberherr.

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Echo der Zeit, 14.7.2026, 18 Uhr ; 

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