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Das afghanische Pandschir-Tal kämpft für seine Unabhängigkeit
Aus Rendez-vous vom 23.08.2021.
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Widerstand gegen die Taliban Die Söhne früherer Kriegsfürsten führen den Kampf fort

Worum geht es? Das Pandschir-Tal ist aktuell die einzige Region in Afghanistan, die nicht von den Taliban beherrscht wird. Schon während der Zeit von 1996 bis 2001, in der die Taliban zum ersten Mal an der Macht waren, konnten sie dieses Tal nicht unter ihre Kontrolle bringen. Die geografische Lage des Tals ist günstig, der Eingang zum Tal ist eng und gut zu verteidigen.

Wer führt den Widerstand an? Der Anführer ist Achmad Massud. Er ist der Sohn von Achmad Schah Massud, dem legendären verstorbenen Führer der Nordallianz in den 1990er-Jahren. Er stammte aus Pandschir und führte dort gegen die Taliban Krieg. Er wurde am 9. September 2001 ermordet.

Kann ein relativ junger Mann den Widerstand anführen? «Afghanistan ist schon eine sehr patriarchal geprägte Gesellschaft, die vor allem von Stammesältesten geführt wird», sagt SRF-Afghanistan-Korrespondent Thomas Gutersohn. «Achmad Massud ist erst 32.» Es gebe auch andere Söhne von anderen Kriegsfürsten, die auch mit den Taliban verhandelten. «Es scheint eine neue Generation von Anführern zu geben», so Gutersohn. «Ob diese wirklich die Brutalität ihrer Väter haben, um gegen die Taliban zu kämpfen, wird sich zeigen.»

Legende: Achmad Massud, der Sohn von Achmad Schah Massud, führt den Widerstand an. Reuters

Formiert sich im Pandschir-Tal breiter Widerstand gegen die Taliban? Tausende Soldaten der afghanischen Armee haben sich ins Pandschir-Tal gerettet. «Auch der Vizepräsident Amrullah Saleh wird im Pandschir-Tal vermutet», sagt Gutersohn. Achmad Massud schrieb am vergangenen Mittwoch in einem Gastbeitrag in der «Washington Post»: «Der Widerstand der Mudschaheddin gegen die Taliban beginnt jetzt. Aber wir brauchen Hilfe.» Er bat die USA und ihre demokratischen Verbündeten um Waffen, Munition und Nachschub. «Sie sind unsere einzige verbleibende Hoffnung.»

So präsentiert sich der Widerstand auf Twitter

Was beabsichtigen die Taliban? «Die Taliban sind jetzt die Garanten für Stabilität und Frieden», sagt Gutersohn, «und sie sind jetzt gefordert, mit den Söhnen ehemaliger Kriegsfürsten Lösungen zu finden.» Der russische Botschafter in Kabul, Dmitri Schirnow, sagte denn auch im russischen Staatsfernsehen, die Taliban seien zur Verhandlung mit ihren Gegnern in der letzten noch nicht eroberten afghanischen Provinz Pandschir bereit. Die Taliban hätten ihn gebeten, den Anführern und den Menschen im Pandschir-Tal eine Botschaft zu überbringen. Die Taliban hofften, «eine friedliche Lösung für die Situation zu finden, zum Beispiel durch eine politische Vereinbarung. Die Taliban wollen kein Blutvergiessen und sind zum Dialog bereit.»

Leistet sonst noch jemand Widerstand? «Das Pandschir-Tal ist der einzige Ort, an dem Widerstand jetzt sichtbar ist», sagt Gutersohn. Es gebe aber auch andere Warlords im Norden des Landes, die das Potenzial zum Widerstand haben. Namentlich nennt er Abdul-Rachid Dostum oder Atta Mohammed Nur, der in Mazar-e-Sharif auch viele Milizen hinter sich hat. «Diese Leute müssen die Taliban nun einbinden, um einen Bürgerkrieg zu verhindern.»

Rendez-vous, 23.08.2021, 12.30 Uhr;

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25 Kommentare

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  • Kommentar von Alex Volkart  (Lex18)
    Das am 31. August alle weg sind die Ausreisen bzw. flüchten wollen ist unrealistisch. Dies wissen sicher auch die Taliban. Wenn man wirklich alle aus dem Land gehen lassen will die wollen muss man mehr Zeit geben. Das es bisher so chaotisch lief ist zum Teil sicher auch dem Zeitdruck geschuldet.
    1. Antwort von Thomas Leu  (tleu)
      @ Alex Volkart: Vermutlich befürchten die Taliban, dass dann alle gehen und sie eine Mauer bauen müssen, wie in der ehemaligen DDR, damit nicht alle abhauen und sie alleine zurückbleiben; ohne Ärzte, Krankenschwestern, Bauern, etc.
  • Kommentar von Alois Keller  (eyko)
    In den verbleibenden Tagen dieser militärischen Evakuierungsaktionen werden nicht alle aus Afghanistan rausgeholt werden können. Das gebietet die Ehrlichkeit, das zu sagen. Selbst wenn der internationale Einsatz am Kabuler Flughafen noch einige Tage über das bislang anvisierte Enddatum 31. August verlängert werden sollte, können nicht alle Menschen ausgeflogen werden, die dies wünschten. Es müsse abgewogen werden, wie lange die Sicherheit der Kräfte vor Ort sind. Viele werden zurück bleiben.
  • Kommentar von Alois Keller  (eyko)
    Nach dem Sieg der Taliban in Afghanistan fürchten viele Iraker ein ähnliches Szenario für ihr Land - einen Wiederaufstieg der Terrormiliz IS.Die USA wollen den Kampfeinsatz beenden, und der IS terrorisiert den Irak weiter.Sie verstecken sich in den Weiten der Wüste, in Tunneln, verlassenen Gebäuden, sollen in einigen Dörfern schon wieder zu den heimlichen Herrschern aufgestiegen sein. Aus dem Hinterhalt greifen sie Stellungen der Armee an, zerstören Strommasten, wollen die Infrastruktur treffen.
    1. Antwort von Manu Meier  (Manuel Meier)
      Naja, die USA haben Suleymani ermordet und diverse Angriffe auf Schiitische Hizbollah Kämpfer geflogen. Wenn der IS wieder erstarken würde, wäre die USA eine der Hauptverantwortlichen dafür. Da die Bevölkerung im Irak den IS jedoch nie wollte, und es genug Gegenbewegungen gibt, würde der IS kein so leichtes Spiel haben. Auch Syrien ist mittlerweile dank Russland und Iran wieder stark genug, sich dem IS wehren zu können.
    2. Antwort von Alex Volkart  (Lex18)
      Die Situationen im Irak und in Afghanistan kann man nicht miteinander vergleichen. Der Irak ist auch nicht perfekt, steht aber stabiler da als Afghanistan. Wenn man den IS und auch die Taliban weg haben will müssen wirklich Alle zusammenarbeiten die beide Terrorgruppen weg haben wollen.