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Wiedersehen nach 60 Jahren Humanitärer Akt als politisches Pfand für Nordkorea

Familienzusammenführung: Verwandte, die sich seit dem Krieg nicht gesehen haben, dürfen sich kurz treffen.

Legende: Audio Korea: Kurzes Wiedersehen nach 60 Jahren Trennung abspielen. Laufzeit 04:41 Minuten.
04:41 min, aus SRF 4 News aktuell vom 20.08.2018.

Worum es geht: Familien, die nach dem Koreakrieg getrennt wurden, dürfen sich nach 60 Jahren wiedersehen. Viele Verwandte haben sich seit ihrer Kindheit oder Jugend nicht mehr gesehen. Die letzten derartigen Treffen fanden 2015 statt.

Wer darf seine Verwandten wiedersehen? Die Südkoreaner seien per Los ausgewählt worden. «Auf der nordkoreanischen Seite muss man davon ausgehen, dass nur Leute ausgewählt wurden, die regimetreu sind», sagt Martin Aldrovandi, Asien-Korrespondent von SRF.

Der Ablauf der Treffen: Die Treffen finden in einem grossen Saal mit lauter Musik unter Überwachung statt. «Südkoreaner haben sich letztes Mal beklagt, dass die Musik so laut war, dass sie sich kaum hätten unterhalten können», sagt Aldrovandi. Es gebe auch separate Treffen in kleinerem Rahmen, aber auch da müsse man davon ausgehen, dass sich die Nordkoreaner nicht frei äussern können, sagt Aldrovandi.

Wie kam es zur Teilung Koreas?

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Nach einer wechselvollen Geschichte entstand aus drei Königreichen auf der koreanischen Halbinsel 1897 ein vereintes koreanisches Kaiserreich. Dieses wurde 1910 von Japan annektiert. Nach Japans Kapitulation im Zweiten Weltkrieg wurde die koranische Halbinsel zwischen den Sowjets und den westlichen Alliierten aufgeteilt. 1950 entbrannte ein militärischer Stellvertreterkrieg zwischen der Demokratischen Volksrepublik Korea (Nordkorea) und der Republik Korea (Südkorea). Der Koreakrieg dauerte von 1950 bis 1953. China behielt als Unterstützungsmacht bis 1958 Truppen in Nordkorea, die USA sind bis heute in Südkorea stationiert. Der Koreakrieg forderte nach Schätzungen die Leben von mehr als vier Millionen Menschen, Koreaner, Chinesen, US-Amerikaner.

Nach den Treffen: Die Familien werden wieder getrennt. Wenn sie in Kontakt bleiben wollen, müssen sie einander wieder Briefe schreiben. Das allerdings geht nicht so einfach, meistens über eine Mittelsperson in Japan, wie Aldrovandi sagt. Ihm sei erzählt worden, die Briefe der Nordkoreaner begännen immer gleich. «Sie loben zuerst immer die Führung Nordkoreas. Die Südkoreaner müssen zwischen den Zeilen lesen, wie es den Verwandten geht.» Dieser Briefverkehr dauere sehr lange, es könne mehrere Monate dauern, bis ein Brief aus Nordkorea zurückkomme, und man müsse auch hier davon ausgehen, dass sie zensiert würden.

Die politische Dimension: Nordkorea nutzt diese Treffen als Trumpfkarte in den Verhandlungen mit Südkorea. «Wenn es zwischen den beiden Seiten nicht gut läuft, können sie ausgesetzt werden.» Aus südkoreanischer Sicht ist es ein humanitärer Akt.

Persönliche Betroffenheit: Der heutige Präsident Südkoreas, Moon Jae-in, hat seine Mutter an ein solches Treffen begleitet.

Zukunft dieser Treffen: Es kommt sehr drauf an, wie es um die Beziehungen zwischen Nord- und Südkorea steht und ob Nordkorea Südkorea überhaupt entgegenkommen will. «Die Treffen sind eine Art Verhandlungsmasse, die von der politischen Grosswetterlage abhängig sind», sagt Aldrovandi.

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Korea

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12 Kommentare

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  • Kommentar von Alex Volkart (Lex18)
    Ein echter humanitärer Akt wäre es Nordkoreaner nach Südkorea ausreisen zulassen um dort in Frieden mit ihren Angehörigen zu leben. Alles andere ist nur Propaganda und kann und darf nicht unterstütz werden.
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  • Kommentar von M. Kaiser (Klarsicht)
    An diesem Elend - das eigentlich die Japaner durch ihre Annektion verursacht haben, kann man sehen, wie ein ursprünglich schönes Reich und Volk zerrieben, unterjocht und verkauft wurde. Ein trauriges Kapitel für die Japaner -hier haben sie noch lange eine Schuld zu begleichen.
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    1. Antwort von Hans Haller (panasawan)
      Die aktuellen Situation in Korea kann man wirklich nicht mehr auf die japanische Besetzung zurückführen, wohl aber auf Stalin, Mao und den Grossvater von Kim Jong Un, dem Begründer einer dynastisch, monarchischen Diktatur stalinistischer Prägung. Leider hat die UNO, Truman und McArthur da versagt.
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    2. Antwort von Alex Volkart (Lex18)
      An Herr Kaiser: Dieses Elend kann man nicht mehr den Japanern in die Schuhe schieben. Denn die politisch heikle Lage entstand erst danach. Wohl aber den kommunistischen und demokratischen Blöcken.
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  • Kommentar von Christa Wüstner (Saleve2)
    Das war im Voraus klar, dass nur Menschen die Regimtreu sind ausgewählt werden. Das ist typisch für kommunistisch/ stalinistische Staaten. Es wird auch sicher genau überwacht, was gesprochen wird. Schrecklich, dass es solche Diktaturen noch gibt. Den Schmerz der hier ausgelöst wird, möchte und kann ich nicht nachempfinden. Aber vielleicht kann man sich vorstellen, wie es den Menschen in der Sojetunion unter Stalin ging.
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    1. Antwort von Hans Haller (panasawan)
      Wenn man dem Teufel den kleinen Finger gibt und auf Appeasement-Politik macht, hat man versagt und so ganz nebenbei die Grundlage für den nächsten Krieg gelegt.
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    2. Antwort von Christa Wüstner (Saleve2)
      und ein Vergleich der uns viel näher liegt, war die Mauer. Da gelang nicht mehr mal eine Flucht über ein anderes osteuropäisches Land. Auch da wurden Familien getrennt und konnten sich nicht mehr sehen. Das einzige was Westbürgern noch möglich war, über den einzigen Grenzübertritt am Check Point Charly in Berlin Tagesaufenthalte zu bekommen oder für mehrere Tage mit dem Interzonenzug über Hof einzureisen. Das habe ich mehrere Male gemacht.War eine schreckliche Erfahrung.
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