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International «Wirkliche Befreiung» von Mossul hat begonnen

Rund zwei Wochen nach Beginn der Offensive auf die IS-Hochburg Mossul sind irakische Sicherheitskräfte nach eigenen Angaben erstmals auf das Stadtgebiet vorgedrungen. Derweil versucht der IS wohl vergeblich, Tausende Zivilisten als menschliche Schutzschilde in die Stadt zu bringen.

  • Irakische Eliteeinheiten haben die Stadtgrenze überschritten.
  • Das Gebäude des staatlichen Fernsehsenders in Mossul soll bereits unter Kontrolle des Militärs sein.
  • IS hat angeblich vergeblich versucht, 25'000 Zivilisten als menschliche Schutzschilde in die Stadt zu bringen.
  • Die Bewegungsfreiheit der IS-Kämpfer ist laut US-Einschätzung stark eingeschränkt.
Wir haben nun die eigentliche Befreiung Mossuls begonnen.
Autor: Talib SchaghatiChef der irakischen Anti-Terror-Einheit

Mossul – die irakische Stadt, in der vor zwei Jahren die Terrormiliz IS ihr Kalifat ausgerufen hat – ist kurz vor der Rückeroberung. Die Soldaten hätten von Osten her die Stadtgrenze überquert, sagte der Chef der irakischen Anti-Terror-Kräfte, Talib Schaghati. Mit dem Sitz des staatlichen Fernsehsenders von Mossul soll bereits das erste wichtige Gebäude eingenommen worden sein.

Schwäche oder Taktik?

Das schnelle Vorrücken in die Stadt überrascht. Hat man doch mit erheblichen Widerstand der Kämpfer gerechnet.

Legende: Video Pascal Weber: «Der IS verliert schneller an Boden als gedacht» abspielen. Laufzeit 1:45 Minuten.
Aus Tagesschau vom 01.11.2016.

«Der IS verliert offenbar tatsächlich viel schneller an Boden, als man dachte», erklärt SRF-Korrespondent Pascal Weber. Irakische Offiziere hätten schon eine Woche vorher verwundert berichtet, der IS würde sich gar nicht richtig verteidigen und würde sich sehr schnell zurückziehen. Zudem würde der IS hauptsächlich Selbstmordattentäter einsetzen. «Die Frage, die momentan niemand richtig beantworten kann: Ist das Taktik, ist das eine Falle, ist das eine Schwäche?»

Kein Fluchtweg für Dschihadisten

Schon früher hatte der irakische Regierungschef Haider al-Abadi im staatlichen Fernsehen verkündet, der Ring um den IS solle nun von allen Seiten geschlossen werden. Für die Dschihadisten gebe es keinen Fluchtweg, sie müssten «sterben oder sich ergeben».

Nach Einschätzung des US-Militärs haben die IS-Kämpfer ihre Bewegungsfreiheit bereits zu einem grossen Teil eingebüsst. Zwischen Mossul und ihrer syrischen Hochburg Al-Rakka könnten sie sich nur noch in kleinen Grupen bewegen, sagte ein US-Militärsprecher. In grösseren Kolonnen würde man sie «angreifen und töten».

Menschliche Schutzschilde

Derweil berichtet eine Sprecherin des UNO-Menschenrechtsrates, dass der IS 40 irakische Soldaten getötet und die toten Körper in den Tigris geworfen habe.

Zivilisten auf Eseln
Legende: Viele Menschen fliehen vor den Kämpfen. Wie diese beiden Männer, die einen Checkpoint der Streitkräfte passieren. Reuters

Zudem hätten die Islamisten versucht, 25'000 Zivilisten vom nahe gelegenen Hammam al-Alil nach Mossul zu transportieren. Dort sollten diese als menschliche Schutzschilde missbraucht werden. Die meisten Minibusse und Lastwagen kehrten jedoch unter dem Druck der Streitkräfte um.

Die Offensive zur Rückeroberung Mossuls vom IS hatte am 17. Oktober begonnen und wird von einer internationalen Koalition unter Führung der USA mit Luftschlägen unterstützt. In der nordirakischen Grossstadt werden mehrere tausend IS-Kämpfer vermutet.

Akteure der Mossul-Offensive

Die Akteure der Mossul Offensive auf Mossul

Bedeutende Stadt

Die ethnisch und religiös gemischte Stadt am Tigris ist von grosser strategischer Bedeutung, nicht nur wegen ihrer Ölfelder und Raffinerien. Brisant ist daher die Frage, wer nach einer Vertreibung der sunnitischen IS-Miliz die Kontrolle über Mossul übernimmt, das unter anderen von Kurden und der Zentralregierung in Bagdad beansprucht wird.

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10 Kommentare

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  • Kommentar von Beat Reuteler (br)
    Die Information die wir von SRF erhalten ist immer noch extrem ungenau oder widersprüchlich. Einerseits heisst es die Armee sei von Osten bis in die Stadt vorgedrungen, andererseits wird von Kämpfen bei Bartella berichtet das gut 12 Km ausserhalb liegt. Dann wieder heisst es im Süden sei die Irakische Armee noch weit von Mossul entfernt, trotzdem sollen Busse unter dem Druck der Armee umgedreht haben, die von Hammam al Alil kamen, was weniger als 13 Km vom Flughafen entfernt liegt. Was stimmt?
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  • Kommentar von Cherubina Müller (Fabrikarbeiterin)
    Offizieller Tip an den "Feind" wie sie sich verschieben müssen ohne von der US-Koalition angegriffen zu werden:"Zwischen Mossul und ihrer syrischen Hochburg Al-Rakka könnten sie sich nur noch in kleinen Grupen bewegen, sagte ein US-Militärsprecher. In grösseren Kolonnen würde man sie «angreifen und töten»."We are trapped. There is no safe place in Mosul..We fear for our lives if the sectarian militias enter Mosul."Abu Yazan, civilian in Mosul. Im Gegensatz zu Aleppo wird die Befreiung gefürchtet
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    1. Antwort von Beat Reuteler (br)
      Das ist überhaupt nicht im Gegensatz zu Aleppo. Da inmitten der Zivilbevölkerung gekämpft wird, werden wohl die meisten Zivilisten diese Vorgänge fürchten.
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  • Kommentar von Christian Szabo (C. Szabo)
    Der IS besteht in seiner Struktur und wesentlichen Bestandteilen aus ehemaligen Saddam-Truppen, die in Teilen Iraks und seiner sunnitischen Bevölkerung Rückhalt geniessen. Die Eroberung Mossuls vor 2 Jahren ist auch auf diesem Hintergrund zu verstehen. Ausserdem ist ihre Ausbildung und Motivation gut. Obwohl sie furchtbare Verbrechen begangen haben, gelten sie nicht unbedingt als Erzfeinde des Iraks.. Ein Teil der Bevölkerung fühlt sich von den Befreiern betrogen.
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    1. Antwort von Beat Reuteler (br)
      Sie geniessen bei weitem nicht mehr den Rückhalt den sie vor 2 Jahren bei der Übernahme genossen haben. Damals wussten die meisten noch nicht wie vielen diese Typen vom IS die Kehlen durchschneiden werden. Jetzt wo diese tödliche Bande besser bekannt ist helfen sogar Sunnitische Stämme bei der Befreiung von Mossul mit.
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