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Pleitewelle in Frankreichs Kleingewerbe
Aus HeuteMorgen vom 27.11.2020.
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Wirtschaft in der Coronakrise Über Frankreichs Detailhandel kreist der Pleitegeier

Die Pandemie trifft Ladenbesitzerinnen und -besitzer mit voller Wucht. In Paris ist es für viele nicht das erste verdorbene Weihnachtsgeschäft.

Präsident Emmanuel Macron hatte kaum angekündigt, dass ab Samstag wieder alle Ladengeschäfte öffnen dürfen, da schaltete das französische Fernsehen den Generaldirektor des Nationalen Verbandes der Warenhäuser und Kleiderläden, Yohann Petiot, auf den Sender. Es sei höchste Zeit, kommentierte dieser erleichtert. Die Krise habe den Handel massiv getroffen. Er rechne mit Einbussen von mindestens 25 Prozent in diesem Jahr.

Viele Ladenflächen sind leer

Die Wochen vor Weihnachten sind für den Detailhandel die attraktivste Zeit des Jahres. Viele Ladengeschäfte erwirtschaften im Dezember 30 bis 40 Prozent des Umsatzes, an den Champs-Elysées in Paris etwa.

Geschlossener Cartier-Laden auf den Champs-Elysées.
Legende: Auf der berühmten Flaniermeile in Paris, den Champs-Elysées, sind die Läden wegen der Corona-Massnahmen geschlossen. Am Samstag dürfen sie wieder öffnen. Keystone

Trotzdem bleiben an dieser prominenten Einkaufsstrasse auch am Samstag zahlreiche Geschäfte weiterhin geschlossen. Derzeit sind dort 15 bis 20 Prozent der Ladenflächen neu zur Vermietung ausgeschrieben. Zum Teil schon länger, wie die Zeitung «Le Parisien» schreibt.

Weihnachtsgeschäft erneut verdorben

Der Grund: Frankreichs Detailhandel wurde das wichtige Weihnachtsgeschäft bereits zum dritten Mal verdorben. Ende 2018 waren es die Strassenschlachten zwischen der Protestbewegung der Gilets jaunes und der Polizei. Sie waren gerade auf den Champs-Elysées besonders heftig.

Ein Jahr später lähmte der lange Streik gegen die Rentenreform Frankreichs Wirtschaft. Die Langzeitfolgen werden heute sichtbar. Mancher Laden oder Handwerksbetrieb macht dicht.

Kaum Kunden, aber gleiche Fixkosten

Die Defizite sind zu gross geworden, nicht nur im Stadtzentrum, auch in den Wohngebieten. Da ist zum Beispiel ein Handwerker, der seit neun Jahren im 15. Arrondissement ein kleines Atelier führt, Bilder einrahmt und Bilderrahmen vergoldet. Bereits 2019 sei ein miserables Jahr gewesen, sagt er.

Auch wenn kaum mehr Kunden kämen: Die Fixkosten blieben unverändert, und man arbeite am Ende für ein Trinkgeld. Nun verlagert er sein Geschäftsfeld und sucht für seine Kunden gediegene Möbel und Gegenstände für die Einrichtung von Wohnungen. Einen Laden braucht es dafür nicht mehr.

Heute Morgen, 27.11.2020, 07:00 Uhr

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2 Kommentare

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  • Kommentar von Sybille Brini  (Sybille)
    "Die Fixkosten blieben unverändert" - das ist der Hauptgrund für die vielen Pleiten: gierige Vermieter und Abkassierer wie Versicherungen, Mehrwertsteuer, usw. (in Frankreich noch höher als in der CH), denen es nie in den Sinn käme, auch mal auf einen Teil ihrer Einnahmen zu verzichten. Mir sind mehrere Geschäfte, Restaurants, Clubs bekannt, die schliessen mussten, allein weil der Vermieter keine Reduktion machen wollte. Worauf hoffen diese Leute? Letztlich wird es auch sie treffen!
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  • Kommentar von Ueli Lang  (Wochenaufenthalter)
    Nach dem Artikel eines Herrn de Weck im Foreign Policy hat doch der zentral gelenkte Staat, wie es eben Frankreich ist, alles so wahnsinnig gut im Griff! Wie wärs wenn man nun mal diesen tollen Journalisten nach seiner Einschätzung fragen würde. Einen schweizerischen Finanzminister kann er dafür ja nicht empfehlen in die Wüste zu schicken!
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