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Südafrika: Kuhdiebstahl nimmt stark zu
Aus Tagesschau vom 18.05.2021.
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Wo ist das Fleisch? Viehdiebstahl in Südafrika nimmt wegen Pandemie zu

In Südafrikas Busch bevölkern rund 14 Millionen Kühe und doppelt so viele Schafe die riesigen Weidegründe. Im letzten Jahr verschwanden über 200’000 Tiere, der jährliche Verlust beträgt rund elf Millionen Franken.

Kühe sind ein wichtiger Bestandteil von Südafrikas Kultur. Für die schwarzen Stämme bedeuten sie Prestige, sie sind die Masseinheit für den Brautpreis und werden an Hochzeiten und Begräbnissen geschlachtet.

Sie sind aber auch ein profitables Geschäft, das bis heute von den Weissen dominiert ist. Unter dem zunehmenden Druck organisierter Banden leiden jedoch alle.

Willie Clack, Viehraub-Experte an der Universität Pretoria und selbst Viehzüchter, erklärt: «Vieh wurde schon immer gestohlen, einst war das Teil der Stammeskultur. Doch heute haben wir es vermehrt mit organisierten Banden zu tun und seit dem Ausbruch der Covid-19-Pandemie ist der Raub von Vieh so verbreitet wie noch nie, denn viele Menschen sind arbeitslos.»

Mann mit Tasse in der Hand.
Legende: Für Viehzüchter wie Ishmael Teme bedeutet der Verlust eines Tieres eine grosse finanzielle Katastrophe. SRF

Ishmael Teme gehört zur Minderheit der schwarzen Viehzüchter. Er besitzt 70 Kühe, die er auf einem zugemieteten Feld grasen lässt. Er versteht sich als kommerzieller Bauer, der vom Verkauf des Viehs lebt. Als 2020 fünf Tiere verschwanden, war er am Boden zerstört: «Jede Kuh ist eine Investition, ich habe auf einen Schlag rund 3000 Franken verloren.» Eine finanzielle Katastrophe für Ishmael Teme.

Mann steht vor Kühen.
Legende: Schäfer aus Lesotho sollen vor Diebesbanden schützen. SRF

Da Temes Herde frei herumspaziert und auch im Freien übernachtet, stellte er nach dem Diebstahl Schäfer aus Lesotho an. Letztere gelten gerade bei den schwarzen Viehzüchtern als bester Schutz gegen Diebesbanden. Ein Schäfer sagt, dass aus seiner Herde noch kein einziges Tier verschwunden sei.

Mann hebt Arm bei Viehauktion.
Legende: Vieh-Auktion in Südafrika. SRF

Um wie viel Geld es geht, zeigt sich an Vieh-Auktionen. Gewisse Zuchtbullen kosten mehr als 10’000 Franken. Hier bietet nur, wer richtig reich ist oder wer nach potenziellem Diebesgut Ausschau hält. Willie Clack sagt, dass an jeder Auktion auch Diebe unter den Zuschauern seien.

Mann mit Hut.
Legende: Wie bei vielen anderen Viehzüchtern kümmern sich bei Francois Swart eigene, bewaffnete Männer um den Schutz des Viehs. SRF

Viehzüchter Francois Swart hat bereits zwei teure Bullen verloren. Von der Polizei hält er wie die meisten weissen Bauern nichts. «Wir haben das Gesetz in die eigene Hand genommen und bewaffnete Männer angestellt, die das Vieh rund um die Uhr bewachen.»

Tiere sind nicht gekennzeichnet

Das tieferliegende Problem beim Viehraub: 80 Prozent des Viehs ist nicht gebrandmarkt und Mikrochips gibt es noch nicht. «Gestohlenes Vieh kann in aller Ruhe quer durchs Land transportiert und tausend Kilometer weit vom Ursprung an einer Auktion verkauft werden», erklärt Willie Clack.

Mehrere Kühe auf Wiese.
Legende: Allein im letzten Jahr verschwanden in Südafrika über 200’000 Tiere. SRF

Man sei jedoch daran, ein landesweites elektronisches System für die Erfassung von gechipptem Vieh zu errichten. «Doch den Bauern, und ich bin ja selbst auch einer, kann man es letztlich nie recht machen. Sie verlangen die Einführung eines elektronischen Systems, doch ob sie dann ihr Vieh wirklich chippen, ist eine andere Frage. Letztlich liegt es in ihrer Verantwortung, ihr Hab und Gut zu schützen.»

Mit anderen Worten: So schnell wird das Problem des zunehmenden Viehraubs wohl nicht gelöst sein.

Tagesschau, 18.05.2021, 19.30 Uhr

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3 Kommentare

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  • Kommentar von Norbert Zeiner  (ZeN)
    Aus dem in letzten 30 Jahren enorm weiterentwickelten Land SA, dem damals wirtschaftlich mit abstand führenden Land auf diesem Kontinent. Zurück zu Zuständen wie im 19.Jh, als Viehdiebstahl in anderen Regionen der Welt noch gang und gäbe war.
  • Kommentar von Simon Wälchli  (ccr)
    Im Text heisst es: „Im letzten Jahr verschwanden über 200’000 Tiere, der jährliche Verlust beträgt rund elf Millionen Franken.“ Das bedeutet 55.- pro Tier. Weiter unten gesht es um 5 gestohlene Tiere die einen Wert von 3000.- haben. Sprich 600.- pro Tier. Der jährliche Verlust scheint etwas zu tief angesetzt.
  • Kommentar von Matthias Ebneter  (Mattula)
    In Südafrika wird eigentlich alles gestohlen, was nicht niet- und nagelfest ist. Aber etwas positives zum Schluss: südafrikanisches Rindfleisch schmeckt fantastisch!