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Südamerika ist ein Epizentrum der Pandemie
Aus Echo der Zeit vom 16.07.2021.
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Zu wenig Prävention Südamerika – globales Epizentrum der Corona-Pandemie

Die Corona-Pandemie wütet in Südamerika, wo nur fünf Prozent der Weltbevölkerung leben, aber ein Viertel der weltweiten Todesopfer zu beklagen ist.

Von den zehn Ländern weltweit mit den höchsten täglichen Sterblichkeitsraten pro Kopf befinden sich sieben in Südamerika. Insgesamt ist die Sterberate in der Region fast acht Mal höher als im weltweiten Durchschnitt.

Legende: Täglich neu bestätigte Covid-19-Todesfälle pro Million Menschen. Johns Hopkins Universität

In Südamerika gibt es durchschnittlich 323 Infektionen pro Million Einwohner und Tag, verglichen mit 40 in Nordamerika, 59 in Europa und 29 in Asien.

Carissa Etienne, Direktorin der Panamerikanischen Gesundheitsorganisation, sagte kürzlich an einer Medienkonferenz: «Einige Länder in Südamerika, die von der Pandemie besonders stark betroffen sind, haben nicht einmal genügend Impfstoffe zur Verfügung, um drei Prozent ihrer Bevölkerung vollständig zu impfen. Die Länder brauchen mehr Impfdosen – und zwar jetzt.»

Schleppende Impfrate in Südamerika

Im globalen Rennen um die Covid-19-Impfung sei die Mehrzahl der südamerikanischen Staaten ins Hintertreffen geraten, sagt Mario Rovere, ehemaliger Vize-Gesundheitsminister von Argentinien gegenüber SRF News: «Die Länder arbeiten nicht zusammen. Das ist eine Erklärung für die schleppende Impfrate. Jedes Land ist auf sich selbst gestellt, statt dass Südamerika zusammenhält gegenüber den Interessen der grossen Pharmafirmen oder den westlichen Ländern.»

Die fehlenden Impfstoffe sind aber auch auf Fehler der einzelnen Länder zurückzuführen. Vakzine sind vergleichsweise spät bestellt worden, oder manche Regierungen sind gegenüber einzelnen Herstellern aus politischen Gründen zu ablehnend gewesen.

Es sind fast ausschliesslich Impfstoffe aus China und Russland, die in südamerikanischen Ländern ankommen. Allerdings ist CoronaVac aus China weniger wirksam gegenüber verschiedenen Viren-Mutationen. Und vor allem gegen die aus dem brasilianischen Amazonasgebiet stammende Gamma-Mutation ist die CoronaVac-Impfung weniger wirksam, wie eine Studie der Universität Oxford zeigt. Die Gamma-Mutation ist derzeit die am weitesten verbreitete Mutante in ganz Südamerika.

Reaktion statt Prävention

Aber nicht nur die fehlenden Impfstoffe sind ein Problem. Dass Südamerika zum Epizentrum der Pandemie geworden ist, geht auf die überforderten Gesundheitssysteme zurück. Und auch die Bevölkerung, von der ein Grossteil ausser Haus arbeiten muss, um zu überleben und so dem Virus stärker ausgesetzt ist, hat dazu beigetragen.

Legende: Coronavirus-Fallzahlen in Lateinamerika seit Januar 2020, Stand 16. Juli 2021. Statista / Daten Johns Hopkins Universität und WHO

Natalia Pasternak, brasilianische Mikrobiologin an der Universität São Paulo und Direktorin einer Denkfabrik für den öffentlichen Gesundheitssektor, kritisiert gegenüber SRF News auch die falsche Herangehensweise: «Seit Beginn der Pandemie setzen die Behörden auf eine reagierende, statt auf eine vorbeugende Strategie. Alles dreht sich darum, sich um die Kranken zu kümmern. Stattdessen müsste man massiv in die Prävention investieren, um zu verhindern, dass die Menschen überhaupt krank werden.»

Das Hilfsprogramm Covax der Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat Anfang Juni knapp 10 Milliarden Dollar für Impfkampagnen in ärmeren Ländern zur Verfügung gestellt. Covax will sicherstellen, dass noch in diesem Jahr in jedem Land die am stärksten gefährdeten 20 Prozent der Bevölkerung gegen Covid-19 geimpft werden können. Gerade Südamerika braucht diese Hilfe dringend.

Echo der Zeit, 19.07.2021, 18:00 Uhr

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29 Kommentare

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  • Kommentar von Oliver Meier  (olivermeier)
    Wenn man sich die Statistik anschaut, reisst ja schon Brasilien allein alles so ins Negative, dass man dann unter der Zusammenfassung "Südamerika" den anderen auch etwas Unrecht tut.

    Gerade Brasiliens Regierung hat sich geweigert Impfstoffe zu beziehen und es gab grosse politische Differenzen innerhalb Brasiliens über diesen Kurs. Namentlich der Präsident erklärte die Impfung für gefährlich - es war also kein Unfall, dass man zu passiv war, sonst die Zustände wurden aktiv angesteuert.
  • Kommentar von Willi Joss  (josswilli)
    WilliJoss Kapstadt
    Mexico, Peru, auch Zimbawe, Suedafrika, und Indien verwenden Ivermectin zum Schutz der Bevoelkerung mit sehr grossem Erfolg! Mexico gibt sogar einen Home-Kit heraus.Man kann es auch zum vorbeugen nehmen, in Tabletten oder Fluessigkeit. Das ist der Grund warum es in Indien so ruhig geworden ist, (Raumteperatur zur Aufbewahrung) ich habe die Tabletten im Haus.
  • Kommentar von Denise Casagrande  (begulide)
    Verschleppung von Viren weltweit....durch den Menschen und dessen Verhalten: Reisen, AGRAR- und Weltwirtschafts-Politik!!