Australien hat sozialen Medien den Zugang zu Minderjährigen verboten. Andere Länder beabsichtigen, das ebenfalls zu tun. Ein zentraler Baustein dabei ist eine zuverlässige Altersprüfung. Wie komplex das ist, zeigt ein aktuelles Beispiel, erklärt SRF-Digitalredaktor Reto Widmer.
Was macht Discord zukünftig?
Die Community-Plattform Discord führt ab März den Grundsatz ein, dass alle als Teenager behandelt werden, ausser sie beweisen ihr echtes Alter. Um das zu tun, nutzt Discord auch die Technologie einer Firma aus Lausanne. Mit der elektronischen Identität des Bundes (E-ID) hätte die Schweiz sogar eine offizielle, digitale Altersüberprüfung. Diese nutzt Discord jedoch nicht.
Warum nutzt Discord nicht die E-ID?
Discord agiert weltweit. Deshalb ist der Aufwand wohl zu gross, sich mit staatlichen E-IDs herumzuschlagen, die es je nach Land teils noch gar nicht gibt. Dei Plattform nutzt deshalb die Dienste von K-ID mit Sitz in Singapur. K-ID bietet Altersüberprüfungen an, die unterschiedliche regulatorische Anforderungen in verschiedenen Ländern erfüllen sollen. Den effektiven Überprüfungsprozess hat K-ID an die Lausanner Firma Privately ausgelagert.
Was macht Privately?
Damit Discord via K-ID eine Information erhält, ob ein Benutzer über oder unter der einzuhaltenden Altersgrenze liegt, muss die Person von sich ein Selfie machen. Künstliche Intelligenz analysiert dieses Foto und soll erkennen, wie alt das Gesicht ist. Nach Angaben von Privately bleibt die Aufnahme dabei auf dem Smartphone. Der Datenschutz sei so garantiert.
Wäre die E-ID nicht effizienter?
Eine Altersüberprüfung mit der E-ID ist wesentlich einfacher. Sie funktioniert ohne Selfie oder anderen biometrischen Erkennungsmethoden mit komplexer – und fehleranfälliger – Analysetechnologie. Dazu übermittelt die E-ID kaum Daten, sondern nur ein «Daumen hoch oder runter» für den Zugang zu einem Dienst. Es gibt keine Identifikation einer Person, ihr Name ist nicht bekannt und auch nicht das Geburtsdatum.
Werden Plattformen die E-ID integrieren?
K-ID will Altersüberprüfung mit Privatsphäre und Datenschutz global möglich machen. Dazu will sie eine Art «Alters-Schlüssel» ausstellen, einsetzbar auf vielen Plattformen. Die dazu notwendige einmalige Altersüberprüfung sei denkbar über beliebige vertrauenswürdige Verifizierungsmethoden, auch über die Schweizer E-ID.
Es könnte also sein, dass länderspezifische E-IDs sich eignen können, global ein Alter anzugeben – ohne weitere Informationen von sich preisgeben zu müssen. Auch wenn zwischen E-ID und Anbietern wie Discord dann noch Infrastruktur-Betreiber wie K-ID stehen als Mittelsmänner, die mit Altersüberprüfung ein Geschäft machen.
Wann ist die E-ID bereit?
Der Start soll noch in diesem Jahr sein. Dienste, die sich an die Spezifikationen halten, können sich die E-ID – respektive Teile davon («Alter über oder unter einem bestimmten Wert») – vorweisen lassen. Der Benutzer muss dazu nur einen QR-Code scannen auf der Seite eines Betreibers und bestätigen, welche Information er weitergeben will.
Zum Start der E-ID können sich nur Schweizer Firmen anmelden. Über die genauen Modalitäten für juristische Personen ohne Sitz in der Schweiz wird E-ID in absehbarer Zeit Details kommunizieren.
Firmen, die Altersüberprüfung kommerziell machen, zum Beispiel mit Selfies, sind also noch ein paar Monate im Vorteil.