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Was beschäftigt die Epidemiologie ausser Corona?
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Abseits von Dr. Fauci und Co. Das Leben der anderen Epidemiologen

Weltweit sind die Corona-Experten auf Dauersendung. Doch es gibt auch Epidemiologen abseits des grossen Medienrummels.

Jedem Land sein Epidemiologe oder Virologe: Quer über den Globus sprechen Forscher zur besten Sendezeit über R-Werte, Virenlast und Polymerase-Kettenreaktion-Tests. Gebannt hängt ihnen ein Millionenpublikum an den Lippen.

In Deutschland sind Christian Drosten, Karl Lauterbach und Hendrick Streeck zu Popstars im Laborkittel geworden – und liefern sich Forscherfehden zum aktuellen «Infektionsgeschehen». Sehr zur Freude des Boulevards.

Lauterbach bei «Markus Lanz» im ZDF
Legende: SPD-Politiker und Gesundheitsökonom Karl Lauterbach ist wie viele seiner Kollegen Stammgast in Talkshows – die Medien haben ihn zum «Zuchtmeister der Nation» erkoren. imago images

In den USA ist «Dr. Fauci» der Stachel im Fleisch von Präsident Trump, der ein zwiespältiges Verhältnis zur Wissenschaft pflegt. In der Schweiz ist die Tonlage traditionell ruhiger. Doch auch hierzulande sind Christian Althaus oder Marcel Salathé zu bemerkenswerter Berühmtheit gelangt.

Video
Anthony Fauci – der Mann, der Trump ins Gewissen redet (Archiv)
Aus 10vor10 vom 27.03.2020.
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Aber lange nicht alle Virologen und Epidemiologinnen stehen derzeit im Rampenlicht. Sabine Rohrmann ist eine von ihnen.

Im Schatten des Medienrummels

Landläufig weckt der Begriff «Epidemie» das Bild eines sich rasant ausbreitenden Virus, das von Mensch zu Mensch überspringt. Epidemiologin Rohrmann holt weit in der Geschichte aus, um zu erklären, warum sie sich stattdessen mit Krebserkrankungen beschäftigt.

«Lange Zeit bestimmten Infektionskrankheiten die Forschung über Epidemien. In den letzten 150 Jahren hat sich das Spektrum, woran die Menschheit erkrankt, aber sehr verändert», so die Assistenzprofessorin an der Universität Zürich.

Wir sitzen den ganzen Tag am Computer. Wenn man uns zuschaut, ist das relativ unspektakulär.
Autor: Sabine RohrmannEpidemiologin

Noch im 19. Jahrhundert starben viele Menschen an Lungenentzündungen und anderen Infektionskrankheiten. «Heute sterben die meisten Leute an Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Krebs», sagt Rohrmann.

In der modernen Forschung werden die gleichen epidemiologischen Prinzipien wie bei Infektionskrankheiten auf nicht übertragbare Krankheiten angewendet. Die Leitfragen, mit denen sich auch Rohrmann beschäftigt: «Wie verteilt sich eine Krankheit in der Bevölkerung, wer ist von ihnen betroffen, was sind die Ursachen?»

Sabine Rohrmann
Legende: Epidemiologen erforschen nicht nur übertragbare Krankheiten. Das Feld reicht von Herz-Kreislauf-Erkrankungen über psychische Leiden bis hin zu Krebs, erklärt Rohrmann (im Bild). Keystone

Mit einem Schmunzeln beschreibt die Forscherin ihren Arbeitsalltag, der wenig mit Mikroskopen und Schutzanzügen zu tun hat: «Ich arbeite hauptsächlich am Krebsregister der Kantone Zürich, Zug, Schaffhausen und Schwyz. Wir sitzen den ganzen Tag am Computer. Wenn man uns zuschaut, ist das relativ unspektakulär.»

Spurlos geht die Corona-Epidemie aber nicht an der deutschen Forscherin vorüber. «Wir befassen uns mit der Frage, welche Auswirkungen Corona auf Krebserkrankungen hat.» Denkbar sei auch eine Studie zu den Folgen des Lockdowns für Krebspatienten. «Das sind Fragen, mit denen sich klassischerweise die ‹Nicht-Infektionsepidemiologen› beschäftigen.»

Corona nervt auch Epidemiologen

Rohrmann durchlebt derzeit einen Rollenkonflikt, den viele ihrer Kolleginnen und Kollegen durchmachen dürften. «Als Epidemiologin ist es natürlich interessant, eine Epidemie sozusagen live und in Farbe mitzubekommen.»

Auf der anderen Seite denke sie sich aber oft: «Das berufliche Interesse ist zwar ganz nett. Aber ich würde auch gerne mal wieder einmal ohne Maske einkaufen gehen oder mich mit mehr Leuten treffen.»

So bleibt ein tröstliches Fazit: Auch Epidemiologinnen können sich über Corona nerven.

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