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«In den nächsten Stunden werden sieben Satelliten ausgesetzt»
Aus SRF 4 News aktuell vom 18.12.2019.
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Cheops erfolgreich gelauncht «Es kann noch ganz viel schiefgehen»

Beim zweiten Anlauf hat es geklappt: Das Schweizer Weltraumteleskop Cheops ist zu seiner Mission aufgebrochen. Eine russische Sojus-Rakete mit dem Teleskop an Bord ist kurz vor 10 Uhr unserer Zeit ins All gestartet. Dort soll das Teleskop von der Universität Bern Exoplaneten untersuchen. Der Start hätte eigentlich gestern erfolgen sollen. Die Weltraumforscher mussten das Prozedere aber abbrechen. In Kourou, Französisch-Guayana, wo die Rakete gestartet ist, ist Michael Weinmann, Weltraumexperte von SRF.

Michael Weinmann

Michael Weinmann

SRF-Sonderkorrespondent

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Weinmann ist seit 2009 als «Schweiz aktuell»-Moderator bei SRF tätig. Er ist zudem Experte für Weltraumforschung.

SRF News: Wie gross ist die Erleichterung bei den Verantwortlichen darüber, dass der Start der Sojus-Rakete nun geklappt hat?

Michael Weinmann: Bei den Leuten, die gestern den Start abbrechen mussten, ist sie gross. Das sind vor allem jene von Arianespace, der Betreiberfirma des Weltraumbahnhofs in Kourou, bei den Verantwortlichen von Sojus, den Herstellern der Rakete, und bei der Europäischen Weltraumorganisation ESA. Der Start war erst der Anfang. Es folgen noch ein paar entscheidende Schritte.

Gestern musste der Start wegen eines Fehlers abgebrochen werden. Hat man irgendetwas ausgewechselt?

Man hat etwas ausgewechselt. Was das genau war, darüber wollte man nicht sprechen. Gestern hat man nur von einem Teil gesprochen, das offenbar eine Panne hatte. Man wollte nicht sagen, ob das technisch war oder ob es einen Stromausfall gab. Aber auf jeden Fall hat man etwas Physisches ersetzt.

Und das hat funktioniert. Man hat auch sehr bewusst fünf Stunden vor dem Start nochmals einen Check gemacht, bei dem es auch um dieses Problem von gestern ging. Dabei hat alles geklappt. Dann hat man sich entschieden, die Rakete aufzutanken und das Startprozedere fortzuführen.

Der Start ist also gelungen. Was ist das nächste grosse Ziel?

Es gibt verschiedene Momente, die sehr wichtig sind. Die Oberstufe der Rakete, praktisch ein Fracht-Raumschiff, bewegt sich jetzt um die Erde und setzt die sieben Satelliten auf verschiedenen Höhen aus. Diese Momente sind sehr entscheidend, vor allem für die Hersteller und Betreiber dieser Satelliten.

Es ist schon vorgekommen, dass ein Satellit auf einer falschen Höhe ausgesetzt wurde.

Da kann noch ganz viel schiefgehen. Es ist zum Beispiel schon vorgekommen, dass ein Satellit auf einer falschen Höhe ausgesetzt wurde und dann, weil er zu wenig Geschwindigkeit hatte, wieder hinunterfiel und in der Atmosphäre verglühte. Dieses Risiko besteht natürlich auch beim Schweizer Produkt an Bord, dem Weltraumteleskop Cheops.

Wenn der Satellit oben ist, soll er Informationen über Planeten ausserhalb unseres Sonnensystems sammeln. Was macht man mit diesen Daten?

Diese Daten basieren auf den Forschungen von Michel Mayor und Didier Queloz; den beiden Schweizer Professoren, die erst kürzlich mit dem Nobelpreis ausgezeichnet wurden, weil sie den ersten Exoplaneten nachweisen konnten. Nun will Cheops die inzwischen über 4000 bekannten Exoplaneten genauer untersuchen. Man will Messungen machen.

Weitere Untersuchungen sollen dazu führen, dass man erfährt, ob es andere Planeten gibt, auf denen Leben möglich wäre.

Man will wegkommen vom Entdecken und weitergehen zum Erforschen. Man will wissen, wie gross und wie dicht diese Exoplaneten sind. Und eine Folge von weiteren Untersuchungen soll schliesslich dazu führen, dass man erfahren könnte, ob es andere Planeten gibt, auf denen Leben möglich wäre.

Video
Der Schweizer Satellit soll Exoplaneten vermessen
Aus SRF Kultur vom 17.12.2019.
abspielen

Das Gespräch führte Salvador Atasoy.

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5 Kommentare

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  • Kommentar von A. Keller  (eyko)
    Gratulation, es hat geklappt. Der Start ist also gelungen. Wünsche der Cheops Mission, dass alle zu ihrer Zufriedenheit gelingt. Eine Ehre für die Schweizer Forscher, dass sich auch die Schweiz erfolgreich einreihen kann mit den grossen Missionen USA und Russland, wenn auch im kleineren Rahmen.
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  • Kommentar von Urs Meier  (ursmeier)
    @SRF: Im Interview werden sieben Satelliten erwähnt, welche auf verschiedenen Höhen ausgesetzt werden. Sind die sieben Satelliten alle Teil der Beobachtungsmission von Cheops oder handelt sich dabei um andere Projekte?
    Antwort von SRF folgt Ablehnen den Kommentar ablehnen
    1. Antwort von SRF News (SRF)
      @Urs Meier Sehr geehrter Herr Meier, unsere Recherche beim «National Centre of Competence in Research PlanetS» der Uni Bern hat gezeigt, dass es sich bei den anderen 6 Satelliten nicht um Geräte aus dem gleichen Projekt handelt. Unter anderem wird ein italienischer Erdüberwachungssatellit des «Cosmo-SkyMed satellite program» in den Orbit gebracht. Die anderen fünf Kleinsatelliten sind sogenannte «CubeSats», die andere Funktionen erfüllen.
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  • Kommentar von Alexander Weljaminoff  (AndererMeinung)
    Kommunikationssatelliten, die für den geostationären Orbit bestimmt sind, haben ziemlich viel Treibstoff an Bord, um auch etwas grössere Orbitkorrekturen durchzuführen. Ich schätze mal, das für den CHEOPS Satelliten äusserste Präzision beim Deployment vonnöten ist. Es würde mich aber schon interessieren ob dieser Teleskop-Satellit überhaupt Korrekturdüsen besitzt. Sollte er eigentlich, da so ein Teleskop wirklich präzise positioniert werden muss.
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    1. Antwort von Remo Burn  (burn)
      CHEOPS hat zur Positionierung und zum präzisen ausrichten Kreisel ("Gyroskope") die Drehimpuls auf den Satelliten übertragen und für gröbere Korrekturen auch Korrekturdüsen. Das Teleskop und auch die Antennen selber sind nicht auf der Plattform beweglich, weshalb immer der Ganze Satellit gedreht wird um einen neuen Stern in den Fokus zu nehmen (obwohl "Fokus" hier nicht ganz zutrifft, da die Bilder absichtlich aus den Fokus genommen werden, also unscharf sind).
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