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Chinas Weltraumrakete Raketentrümmer in Indischen Ozean gestürzt

  • Die Überreste einer für den Bau der chinesischen Raumstation genutzten Rakete sind nahe der Inselgruppe der Malediven in den Indischen Ozean gestürzt.
  • «Der grösste Teil» sei beim Wiedereintritt in die Erdatmosphäre verglüht und zerstört worden, teilte Chinas Raumfahrtprogramm mit.
  • Zuvor war die Rakete noch über dem Nahen Osten am Himmel gesehen worden und dann über der Arabischen Halbinsel in die Erdatmosphäre eingetreten.
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Aus dem Archiv: China: Hauptmodul erfolgreich ins All gebracht
Aus News-Clip vom 29.04.2021.
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Der Wiedereintritt der 21 Tonnen schweren Hauptraketenstufe war «unkontrolliert», wie westliche Experten sagten. So war vor dem Risiko gewarnt worden, dass Überreste über bewohnten Gebieten niedergehen und Schäden anrichten könnten. Die neue, besonders tragfähige Rakete vom Typ «Langer Marsch 5B» hatte am 29. April das 22 Tonnen schwere Modul «Tianhe» (Himmlische Harmonie) ins All gebracht. Es soll den Hauptteil der chinesischen Raumstation bilden.

Chinas Weltraumplänen

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China plant nächstes Jahr zwei weitere Starts mit diesem Raketentyp, wenn zwei Module ins All gebracht werden sollen, um an das Hauptteil der Raumstation montiert zu werden. In diesem Monat ist der Start einer Rakete vom Typ «Langer Marsch 7» mit dem unbemannten Frachtschiff «Tianzhou 2» geplant. Voraussichtlich im Juni soll zudem ein Flug von drei Astronauten mit «Shenzhou 12» zum Kernmodul «Tianhe» folgen. Nach Expertenangaben wird keinem dieser beiden direkt bevorstehenden Flüge ein unkontrollierter Wiedereintritt in die Erdatmosphäre folgen.

Dass die Trümmer in den Ozean stürzen würden, sei «statistisch immer am wahrscheinlichsten» gewesen, schrieb der Experte Jonathan McDowell vom Harvard-Smithsonian Center for Astrophysics in Cambridge (US-Bundesstaat Massachusetts) auf Twitter. «Es scheint, als wenn China das Spiel gewonnen hat (es sei denn, wir bekommen Nachrichten über Trümmer auf den Malediven). Aber es ist nach wie vor rücksichtslos.»

Raumfahrtbehörden und Experten hatten die Flugbahn in den letzten Stunden genau verfolgt. Die Raketenstufe war demnach noch mit hoher Geschwindigkeit über Portugal, Sardinien und Teile Griechenlands geflogen, bevor sie den Nahen Osten überquerte und nach Angaben des US-Raumfahrtkommandos gegen 4.15 Uhr MESZ über der Arabischen Halbinsel in die Atmosphäre eintauchte.

Mai 2019: Elfenbeinküste getroffen

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Schon beim ersten Flug des schweren Typs «Langer Marsch 5B» waren im Mai 2019 Reste in der westafrikanischen Elfenbeinküste niedergegangen und hatten lokalen Berichten zufolge Häuser beschädigt. Die Raketenstufe gehört zu den grössten Objekten, die jemals wieder zur Erde gestürzt sind.

Als Ursache für den ungesteuerten Wiedereintritt gilt Experten das Design der neuen Rakete, die auch keine Flugbahn gehabt habe, um kurz nach dem Start ins Meer zu stürzen. Vielmehr habe sie eine Umlaufbahn erreicht. Heute würden Raketen so gebaut, dass sie in diesem Fall mit Triebwerken ein «Deorbit-Manöver» machen könnten, um an einem vorbestimmten Punkt in die Erdatmosphäre einzutreten, sodass etwaige Trümmer gezielt ins Meer fallen könnten, wurde geschildert.

China hatte sein Vorgehen als «internationale Praxis» verteidigt. Der Sprecher des Aussenministeriums, Wang Wenbin, beteuerte, dass es «sehr unwahrscheinlich» sei, dass die Reste der Raketenstufe Schaden anrichten würde, weil sie bei Wiedereintritt verglühen werde. Staatsmedien sahen «nichts anderes als westlichen Rummel um eine »Bedrohung durch China«» in der Raumfahrttechnologie.

SRF 4 News, 9. Mai 2021, 7:30 Uhr;

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15 Kommentare

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  • Kommentar von Charles Morgenthaler  (ChM)
    Ich fürchte, wir Westler werden uns noch sehr wundern was China in den nächsten Jahren und Jahrzehnten technologisch erreichen wird. Sie brauchen sich um Nichts und Niemanden zu kümmern, und ziehen das konsequent durch. Was spielen da schon ein paar Tonnen Weltraummül, die auf die Erde zurückfallen, für eine Rolle? Viel bedrohlicher ist übrigens der Müll der seit Jahren um die Erde kreist und dafür hat China nur wenig Schuld.
    1. Antwort von Andy Gasser  (agasser)
      Die Chinesische Staatsdiktatur lässt weder Kreativität noch Innovation zu. In so einem absolut geführten Staat mit Gedankenpolizei und Zensur ist es äussert schwierig, solche zu erreichen. China verbaut sich selber den Weg in die Zukunft. Wir müssen eher schauen, dass wir von diesem Land wegkommen, wirtschaftlich gesehen. Die Zukunft für Xi's China sieht alles andere als rosig aus.
    2. Antwort von Charles Morgenthaler  (ChM)
      @A.Gasser: ich habe grosse Zweifel ob ihre Einschätzung richtig ist. Chinas Regierungsform ist ganz sicher nicht das Gelbe vom Ei, mit einer Demokratie nach CH Muster liesse sich aber ein so riesiges Land mit 1.4 Mia. Leuten niemals führen. Indien ist von den Dimensionen her vergleichbar mit CHN. Indien nennt sich " Demokratie", wurde aber von CHN in jeder Beziehung abgehängt. Dem Durchschnittschinesen geht es mit Sichereit besser als dem entsprechenden Inder, das ist aber genau das was zählt.
  • Kommentar von Andreas Schori  (malanders)
    Ok, die Chinesen haben sich auf gute Wegwerftechnik spezialisiert. Der Westen kauft auch gerne das Preiswerteste. Das ist auch das, was die meisten auf ihrem Schreibtisch haben wenn sie Leserkommentare schreiben, auch wenn Apple oder HP drauf steht ist viel China drin.
    Die Mondrakete der USA wurde übrigens von einem Alt-Nazi namens von Braun entwickelt, ihre eigene ist explodiert. Nach ein paar Flügen flog kein Mensch mehr hin. Es war ja hauptsächlich Propaganda.
    Riskant? Vgl. Boeing 737 max.
    1. Antwort von Mike Pünt  (Scientist)
      Weil also Von Braun ein Nazi war und die Mondflüge nur Propaganda, ist es ok, wenn man heute Raketenteile unkontrolliert abstürzen lässt? Völlig verdrehte logik.
    2. Antwort von Mario Amacker  (AmMa)
      Auch 2021 ist es also völlig normal, Abfall unkontrolliert zu entsorgen, und dabei noch Menschen zu gefährden - und das alles für den Fortschritt Richtung Weltraum?
      Es wird Zeit, endlich NEIN dazu zu sagen, egal ob es China, Indien, USA, Russland oder Europa ist!
  • Kommentar von Biljana Basta  (Pontifex)
    China Hauptproblem, gal?
    Etwas westliche Introspektive wäre von Vorteil..
    1. Antwort von Mike Pünt  (Scientist)
      Ich verstehe Ihren Kommentar nicht. Darf man nicht darüber berichten, wenn ein anderes Land fahrlässig handelt? Vor allem wenn wir potenziell geschädigt werden könnten? Als Elon Musk seine Satelitenketten hochgeschickt hat, gab es auch viele kritische Stimmen.

      Selbstverständlich ist es nicht ok, wenn mann riesige Raketentrümmer unkontrolliert auf die Erde fallen lässt.
    2. Antwort von Mario Amacker  (AmMa)
      Solches Verhalten ist nicht akzeptabel und soll daher auch von allen kritesiert werden (können)!