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Brand in der Kathedrale von Nantes
Aus Tagesschau vom 18.07.2020.
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Feuer in Kathedrale von Nantes War es Brandstiftung?

  • In der gotischen Kathedrale der westfranzösischen Stadt Nantes ist am frühen Morgen ein Feuer ausgebrochen.
  • Der Brand war nach knapp zwei Stunden unter Kontrolle, aber erst am Nachmittag vollständig gelöscht.
  • Die grosse Hauptorgel von 1784 wurde vollständig zerstört.
  • Ermittler gehen von Brandstiftung aus.

Der Schaden begrenze sich auf die grosse Orgel, sagte Laurent Ferlay, Chef der Feuerwehr im Departement Loire-Atlantique, dem Fernsehsender BFMTV. Dieser Bereich sei «völlig zerstört». Die Empore, also die Plattform, auf der die Orgel stehe, sei instabil und drohe einzubrechen. Es seien bereits Trümmer heruntergefallen.

Der Brand in der gotischen Kathedrale weckte in Frankreich Erinnerungen an das verheerende Feuer in der weltberühmten Kirche Notre-Dame de Paris vor mehr als einem Jahr. «Nach Notre-Dame steht die Kathedrale Saint-Pierre-et-Saint-Paul im Herzen von Nantes in Flammen», schrieb Staatspräsident Emmanuel Macron auf Twitter. Die Kirche sei ein «gotisches Juwel».

Auf einem Video der Feuerwehr ist schwarzer Rauch zu sehen, der aus einem Fenster der Hauptfassade zwischen den beiden Türmen aufsteigt. Hinter den Fenstern sind Flammen zu erkennen. Der erste Löschzug der Feuerwehr stand bereits eine Viertelstunde nach den ersten Brandmeldungen im Einsatz. Kurz vor 10 Uhr war das Feuer unter Kontrolle, aber noch nicht vollständig gelöscht. Mehr als 100 Feuerwehrleute standen im Einsatz.

Ermittlung wegen Brandstiftung

Beim Brand in Nantes ist vieles anders als in Paris. Beim Feuer in Notre-Dame de Paris gehen die Untersuchungsbehörden von einem technischen Defekt aus. In Nantes dagegen deuten alle Zeichen auf Brandstiftung, erklärte der Oberstaatsanwalt von Nantes, Pierre Sennès. Erste Untersuchungen hätten keine Spuren eines Einbruchs in die Kirche gezeigt.

Die Feuerwehr habe bei den Löscharbeiten drei unterschiedliche Brandherde gefunden: zwei links und rechts am Boden des Kirchenschiffs, den dritten auf der Empore mit der Orgel. Das könne kein Zufall sein. Die Staatsanwaltschaft ermittle wegen Brandstiftung. Im Laufe des Tages würden Untersuchungen beginnen.

Die dritte Brandstelle auf der Empore mit der Orgel hat die schwersten Schäden angerichtet. Die barocke Orgel ist zerstört, wie Bilder, Link öffnet in einem neuen Fenster zeigen, die die Diözese von Nantes veröffentlicht hat. Sie galt nach Aussage von Fachleuten als eine der schönsten Instrumente Frankreichs.

Teile der Orgel waren in den Innenraum der Kirche gefallen. Die Hauptorgel und auch ein grosses Buntglasfenster aus dem 15. Jahrhundert seien komplett zerstört, sagte Diözesanverwalter François Renaud. Der Verlust sei unbezahlbar. Die Orgel stamme ursprünglich aus dem Jahr 1619 und wurde mehrfach erneuert und erweitert.

Weil Orgeln aus viel Holz gebaut und die Orgelpfeifen aus Zinn und Blei bestehen, brennen und schmelzen die Bauteile bei einem Brand in kürzester Zeit. Auch die Orgel-Empore in 30 Metern Höhe wurde schwer beschädigt und droht einzustürzen.

Die Löscharbeiten sollen noch bis in die Nacht fortgeführt werden. Mit einem Kran sollen die wenigen Überreste der verbrannten und geschmolzenen Orgel abgetragen werden, um an die letzten Glutherde zu gelangen.

Wechselvolle Geschichte der Kathedrale von Nantes

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Blick auf die Fassade der Kathedrale von Nantes
Legende: imago

Die Kathedralkirche, Link öffnet in einem neuen Fenster des Bischofs von Nantes aus dem 15. Jahrhundert ist den beiden Aposteln Simon Petrus und Paulus geweiht und gehört zur französischen Spätgotik. Immer wieder wurden über die Jahrhunderte wichtige Bauteile zerstört und wieder aufgebaut.

Während der französischen Revolution wurde die Kirche umgenutzt. Erst im 19. Jahrhundert konnte der Bau im neugotischen Stil vollendet und die Kathedrale 1891 eingeweiht werden. 1944 zerstörten Bomben Teile der Kirche, die daraufhin jahrzehntelang nicht vollständig renoviert wurde.

Bei Bauarbeiten brach zudem 1972 ein Brand aus, bei dem der ursprüngliche Dachstock aus Holz verbrannte und einbrach. Er wurde später aus Beton wiederaufgebaut. Die Restaurierung dauerte bis 1985.

Frankreichs Premierminister Jean Castex bedankte sich bei den Feuerwehrleuten vor Ort für ihren Einsatz. Er war gemeinsam mit Kulturministerin Roselyne Bachelot und Innenminister Gérald Darmanin nach Nantes gereist, um sich die Schäden in der Kirche anzusehen. Der Wiederaufbau müsse so schnell wie möglich geschehen, sagte Castex. Der Staat werde dazu seinen Teil beitragen, so der Premierminister.

SRF 4 News, 18.07.2020, 10:30 Uhr;

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19 Kommentare

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  • Kommentar von Andreas Oppenländer  (AO)
    Liebe SRF,
    der Satz 'und Ermittler würden die Kirche im Laufe des Tages eine Untersuchung beginnen' ist etwas unverständlich und sollte korrigiert werden.
    Freundliche Grüße,
    Andreas
    1. Antwort von SRF News (SRF)
      @Andreas Oppenländer Vielen Dank für den Hinweis, wurde angepasst. Liebe Grüsse, SRF News
  • Kommentar von Mihai Löchli  (Siebenbürgen)
    Nur ein bisschen Kontext in die Diskussion reinzubringen. In Frankreich sind täglich 3 Kirchen angegrifen bzw. geschändet:
    https://www.vaticannews.va/de/welt/news/2019-04/frankreich-kirchenschaendung-entweihen-vandalen-brand-notre-dame.html
    In Deutschland wöchentlich brennt eine Kirche. https://m.faz.net/aktuell/gesellschaft/ungluecke/nach-notre-dame-in-deutschland-gibt-es-jede-woche-kirchenbraende-16144289.amp.html
    1. Antwort von Mihai Löchli  (Siebenbürgen)
      Und ja, in Polen und Ungarn solche Geschehnisse sind die alle grösste Ausnahme und dieses unterschied liegt nicht unbedingt an den besseren Brandschutzmassnahmen.
    2. Antwort von Corinne Ehrler  (Corinne Ehrler)
      Sehr wahr, Mihai Löchli, und aller meistens wir es medial einfach totgeschwiegen, das es nicht in das Narrativ passt, das uns vermittelt werden soll...
  • Kommentar von Christoph Stadler  (stachri)
    Kann mir mal eine Fachperson erklären was: "Das Feuer ist unter Kontrolle" genau bedeutet?
    1. Antwort von Martin Ebersold  (wederLinksnochRechts)
      "Feuer unter Kontrolle" bedeutet, dass die Ausbreitung des Feuers auf weitere Objekte, resp. Teile des Objektes nicht mehr erfolgen kann, da der Brandherd rundherum erlöscht ist. Im Feuerbereich können Sie aber weiterhin noch ein Würstchen am langen Stecken grillen...
    2. Antwort von Rudolf Küng  (Rudolf Küng)
      Es breitet sich nicht weiter aus.
    3. Antwort von René Balli  (René Balli)
      Bin nicht Fachperson aber ich verstehe diese oft gebrauchte Redewendung als: Das Feuer (der Brand) ist gelöscht und es geht nur noch um die Sicherung der Brandstelle vor eventuellen Schwelbränden.
    4. Antwort von Matthias Scheller Lichtenauer  (masl)
      Bei einem Löscheinsatz versucht man als Einsatzleiter, folgende Prioritäten zu haben:
      - Leben und Umwelt retten
      - eine weitere Ausdehnung und Ausbreitung, zum Beispiel auf Nachbargebäude zu verhindern
      - Flammen löschen. Danach kann es bis zu 72 Stunden oder mehr zu erneutem Aufflammen kommen, weil Gluten enorme Hitze enthalten können. Also bleiben die Wehrdienste bei manchen Ereignissen solange auf Platz und halten das Ereignis unter Kontrolle.