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Abnehmende Spermienqualität von Schweizer Männern
Aus Rendez-vous vom 27.04.2021.
abspielen. Laufzeit 04:43 Minuten.
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Genfer Studie Schlechte Spermien wegen Pestiziden und Schwermetallen

Waren Schwangere gewissen Chemikalien ausgesetzt, bekommen sie häufiger Söhne mit Fruchtbarkeitsproblemen. Das zeigt eine Studie der Universität Genf. Ein Co-Autor gibt Auskunft.

Darum geht es: Wenn schwangere Frauen bei der Arbeit Pestiziden, Weichmachern oder Schwermetallen ausgesetzt sind, bekommen sie häufiger Söhne mit Fruchtbarkeitsproblemen. Genfer Forscherinnen und Forscher haben einen Zusammenhang zwischen den Berufen der Mütter und der Spermienqualität ihrer Söhne aufgezeigt. So sind Söhne von Bäuerinnen und Coiffeusen besonders betroffen. Die Tamedia-Zeitungen haben am Montag darüber berichtet.

So schlecht steht es um die Spermien von Schweizern: «Wir haben vor einigen Jahren die Spermienqualität von 3000 Rekruten untersucht. Und das Ergebnis war deutlich schlechter, als wir erwartet hatten», sagt Alfred Senn, Co-Autor der Studie. Demnach lagen bei fast zwei Drittel der untersuchten Männer das Volumen und die Spermienzahl pro Ejakulation unter den Normwerten der Weltgesundheitsorganisation WHO. Diese Werte haben Folgen für die Zeugungsfähigkeit. «Insgesamt hat die Spermienqualität der Schweizer Männer seit Beginn des 20. Jahrhunderts um etwa 50 Prozent abgenommen», hält Senn fest.

Insgesamt hat die Spermienqualität der Schweizer Männer seit Beginn des 20. Jahrhunderts um etwa 50 Prozent abgenommen.
Autor: Alfred SennCo-Autor der Studie

Das sind die Gründe für den Rückgang der Spermienqualität: Dafür gebe es mehrere Gründe, sagt Senn. Umwelteinflüsse seien ein Grund. «Der Mensch sieht sich im Laufe seiner Millionen-alten Geschichte plötzlich neuen Molekülen wie Pestiziden oder Weichmachern ausgesetzt. Das sind Hormon-aktive Stoffe, die der Mensch zuvor nicht kannte. Und diese Stoffe beeinflussen seine Reproduktionsfähigkeit.» Auch Schwermetalle gehören zu den Stoffen, die die Spermienqualität beeinflussen können.

Bäuerin mit Kind in einem Traktor
Legende: Sind Bäuerinnen während der Schwangerschaft Insektiziden und Pestiziden ausgesetzt, kann dies die Produktion von Testosteron während der Entwicklung des Fötus beeinflussen – was wiederum Auswirkung auf die Entwicklung der Hoden und Spermien hat. (Symbolbild) Keystone

Das konnte die Studie aufzeigen: Dass Pestizide oder Weichmacher einen Einfluss auf die Samenqualität haben können, ist seit mehreren Jahren bekannt. Neu an der Studie sei, dass eine Korrelation zwischen den Berufen der Mütter und der Spermienqualität der Teilnehmer festgestellt werden konnte, sagt Senn. «Die Spermienqualität war besonders dann schlechter, wenn die Mutter während der Schwangerschaft als Bäuerin oder Coiffeuse gearbeitet hat.» Allerdings betont der Genfer Forscher, dass man nicht von einer Kausalität sprechen könne. «Die Tätigkeit als Bäuerin oder Coiffeuse hat nicht in jedem Fall einen negativen Einfluss auf die Spermienqualität ihres Sohnes.»

So könnte die Spermienqualität wieder steigen: «Wir müssen alle Produkte, die einen negativen Einfluss auf die Spermienqualität haben, besser kontrollieren», fordert Alfred Senn. «Und wir müssen dafür sorgen, dass Frauen während der Schwangerschaft geschützt sind. Die Frau muss informiert sein, welche Produkte negative Folgen haben können.» Der behandelnde Arzt, die behandelnde Ärztin müsse die Frau darauf hinweisen, welche Produkte einen Einfluss auf die Entwicklung des Fötus haben könnten.

Die Frau muss informiert sein, welche Produkte negative Folgen haben können.
Autor: Alfred SennCo-Autor der Studie

Wichtig seien auch weitere Forschungen, sagt Senn. An der Universität Genf laufen Folgestudien. «Um besser zu verstehen, was sich bei Bäuerinnen und Coiffeusen abspielt, müssen wir ein Inventar aller Produkte erstellen, denen die Mütter der Studienteilnehmer während ihrer Schwangerschaften in den 1990er-Jahren ausgesetzt waren.»

Rendez-vous, 27.04.2021, 12:30 Uhr;

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65 Kommentare

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  • Kommentar von Aaron Davis  (aaron.davis)
    Wie steht es mit Volumen und Spermienanzahl im Bezug auf Pornokonsum? Schade dass das kaum untersucht wird und wenn doch dann kommt es sicherlich nicht auf SRF.
  • Kommentar von Mike Steiner  (M. Steiner)
    Aus Sicht der Überbevölkerung müsste man also die Pestizid- und Trinkwasserinitiative ablehnen, damit die Fruchbarkeit weiter deutlich sinkt. Interessanter Punkt, der mich ins Grübeln bringt...
    1. Antwort von No Ra von Allmen  (No Ra von Allmen)
      Meine „worte“..!
      Jedoch: in vielen anderen Ländern wo die Pestizid Belastung teils sicher viel grösser ist, wuchsen/wachsen die Bevölkerungszahlen markant...
    2. Antwort von Aaron Davis  (aaron.davis)
      Wenn die Fruchtbarkeit sinkt wird einfach die Migration erhöht. Kapitalismus überlebt nicht wenn die Bevölkerung nicht zunimmt ausser man setzt auf Hyper-Technologisierung wie Japan.
  • Kommentar von Alois Keller  (eyko)
    Nicht nur der Mensch ist den Giften Pestiziden, Weichmachern oder Schwermetallen tagtäglich ausgesetzt auch die ganze Natur - Tiere und Pflanzen, Wasser. Die AGRAR-Politik und Chemieeinsätze in der Industrie müssen überdacht werden und in Schritten Verbesserungen angestrebt werden. Zurück zur Natur. Die Politik muss endlich Verantwortung übernehmen - heisst es doch schön - das Wichtigste ist die Gesundheit, geht es doch um künftige Generationen.