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Legende: Audio Manchmal war das Wetter schon vorbei als der Wetterbericht eintraf abspielen. Laufzeit 06:47 Minuten.
Aus SRF 4 News aktuell vom 30.07.2019.
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Geschichte der Meteorologie «Die Prognose kam erst an, als das Wetter schon vorüber war»

In der Schweiz liefern zahlreiche Anbieter mehr oder weniger zuverlässige Wetterprognosen. Darunter ist auch der staatliche Wetterdienst Meteoschweiz. Seine Anfänge gehen zurück ins 19. Jahrhundert. Die Historikerin Franziska Hupfer hat die ersten Jahrzehnte der systematischen Wetterbeobachtung in der Schweiz untersucht und dazu ein Buch geschrieben.

Franziska Hupfer

Franziska Hupfer

Historikerin

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Franziska Hupfer ist Historikerin und hat als Doktorandin zur Geschichte der Meteorologie und Klimatologie geforscht. 2017 wurde sie an der ETH Zürich promoviert., Link öffnet in einem neuen Fenster

SRF News: Wie orientierten sich die Menschen in der Schweiz über das kommende Wetter, bevor es eine staatliche Wetterprognose gab?

Franziska Hupfer: Die Leute setzten auf ihr Erfahrungswissen. Hinzu kamen Praktiken, die etwa astrologische Vorhersagen einschlossen. So gab es zahlreiche sogenannte Lostage. Vom Wetter an diesen bestimmten Tagen wurde auf die weitere Entwicklung geschlossen. Schon im 18. Jahrhundert war aber auch das Barometer bereits weit verbreitet. Erst ab der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts aber wurde das Wetter systematisch gemessen und die Daten aufgezeichnet.

Die Behörden des jungen Bundesstaats konnten die Wetterinformationen für die Hochwasserprävention nutzen.

Wieso hat die Schweiz das Wetter damals zur Staatssache erklärt?

Es gab wissenschaftliche und staatliche Interessen: Das schweizerische meteorologische Beobachtungsnetz war ein Projekt der Schweizerischen Naturforschenden Gesellschaft – die heutige Akademie der Naturwissenschaften Schweiz. Dieser Verein versuchte, die Meteorologie als Wissenschaft voranzubringen, indem sie Wetterbeobachtungen auf dem ganzen Territorium der Schweiz organisierte. Sie suchte die Unterstützung des noch jungen Bundesstaats, der an einer Klima-Bestandesaufnahme durchaus ein Interesse hatte. So konnten die Behörden die Informationen etwa für die Hochwasserprävention nutzen.

Gewitterstimmung über einem Dorf.
Legende: Das Wettergeschehen stösst auch heute noch auf grosses Interesse in der Bevölkerung – das zeigen die zahlreichen Fotos, die SRF Meteo von Zuschauerinnen und Usern zugemailt werden. Silvia van de Velde/zvg

Die Einführung der Wetterprognose war umstritten. Wieso?

Den Prognosen fehlte eine solide wissenschaftliche Basis. Manche Wissenschafter befürchteten deshalb eine Schädigung ihres Berufsstands. Es gab aber auch Wissenschafter, die sich um eine praktische Meteorologie bemühten. Sie argumentierten, man müsse dem Bedürfnis nach Wettervorhersagen Rechnung tragen. Auch der Bundesrat unterstützte die Förderung der praktischen Meteorologie. Vor allem für die Landwirtschaft oder andere, wetterabhängige Branchen sah er darin Vorteile.

Zu Beginn wurde der Wetterbericht per Post verschickt.

Am 1. Juli 1880 wurde der erste staatliche Wetterbericht veröffentlicht. Wie wurde er unter die Leute gebracht?

Der Wetterbericht hatte die Grösse einer A3-Seite. Er wurde per Post verschickt – das Problem dabei: An manchen Orten traf der Bericht erst ein, nachdem das prognostizierte Wettergeschehen bereits vorbei war. Schneller war die Verbreitung per Telegraf. Interessierte konnten so einen Kurzbericht abonnieren. Allerdings war das Interesse zu Beginn recht bescheiden: Im ersten Jahr gab es nur gerade 50 Abonnenten. Darunter waren Gemeindeverwaltungen, aber auch naturwissenschaftlich interessierte Privatleute.

Wie kam es bei den Schweizern an, dass es auf einmal eine staatliche, wissenschaftliche Wetterprognose gab?

Aus den historischen Quellen ist schwierig zu beurteilen, wie weit die Meldungen ins Alltagsleben der Menschen vordrangen. Aus Rückmeldungen lässt sich aber ersehen, dass die Wetterberichte durchaus konsultiert und mit anderen Wettervorhersagen – etwa astrologischen – verglichen wurden.

Das Gespräch führte Raphaël Günther.

Das Buch zum Interview:

Franziska Hupfer: «Das Wetter der Nation – Meteorologie, Klimatologie und der schweizerische Bundesstaat, 1860–1914», Chronos-Verlag 2019.

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4 Kommentare

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  • Kommentar von Werner Christmann  (chrischi1)
    "Die Prognose kam erst, als das Wetter schon vorüber war". Da wurden inzwischen ganz gewaltige Fortschritte erzielt. Heutzutage werden Prognosen für Jahrzehnte (nicht von Meteorologen sondern von wahren Wissenschaftlern) im voraus gestellt, die beinahe niemand mehr anzuzweifeln traut. So wurde uns im Frühling von Klimavorschern aus den USA berichtet, dass uns im Sommer eine 2 monatige Hitze und Dürre biblischen Ausmasses heimsuchen würde.
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  • Kommentar von Hans Huldi  (Hans Huldi)
    Auch wenn sich die Meteorologie zur hochentwickelten Wissenschaft entwickelt hat sind die SRF-Prognosen doch viel zu langatmig! Da wünschte ich mir kürzere und knappere, aber nicht weniger informative Prognosen (siehe unsere nördlichen Nachbarn), welche ja nicht zwingend auf einem Meteodach produziert werden müssen. Und dann diese unmöglichen und teils kindischen "Gschichtli" wie Wurst-brötel-Index - was soll das?
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    1. Antwort von Ueli von Känel  (uvk)
      Hans Huldi: Ich weiss, dass viele Leute auch für ihre jeweilige Region eine Wetterprognose wünschen. Das braucht halt eine etwas langatmige Prognose, die sich zumeist in West/Ost/Alpensüdseite unterteilt. Wenn Sie die „Gschichtli“ meinen, die zum Beispiel nach den Wetterprognosen bei srf-Meteo, 20 Uhr, folgen, so handelt es sich dort um zumeist interessante Erklärungen eines bestimmten Wetterphänomens. Die Prognosen können m.E. nicht kürzer sein, ohne dass sie dann immer allgemeiner werden.
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  • Kommentar von Ueli von Känel  (uvk)
    Frau Hupfer, für Ihren interessanten Bericht über die Entwicklung der staatlich organisierten Meteorologie danke ich Ihnen vielmals! Er gibt auch Aufschluss darüber, wie wir fast schon verwöhnt sind vom heutigen sehr modernen, guten Stand der Meteorologie. Bei Meteo Schweiz und srf-Meteo erhalte ich wirklich zuverlässige Wetterprognosen - mit all den Internet-Plattformen, die mir/uns zur Verfügung stehen. Natürlich Föhn- und Gewitterlagen bleiben - regional - recht schwierig prognostizierbar.
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