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Legende: Audio Bruthitze in Frankreich abspielen. Laufzeit 03:32 Minuten.
Aus Rendez-vous vom 24.07.2019.
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Hitzewelle in Europa Frankreich hat aus den Hitzetoten von 2003 gelernt

Regelmässige Besuche für alleinstehende Rentner, Wasser für Obdachlose und Fahrverbote: Das Land trotzt der Hitze.

42. So viel Grad sollen die Thermometer am heutigen Donnerstag in Paris anzeigen. Wegen der Hitzewelle haben die französischen Behörden fast im ganzen Land die zweithöchste Gefahrenstufe ausgerufen. «Wälder brennen, Fische sterben, Bahnschienen verbiegen sich, Felder verdorren. Die Probleme sind im ganzen Land gross», sagt Frankreich-Korrespondentin Alexandra Gubser.

Alexandra Gubser

Alexandra Gubser

Frankreich-Korrespondentin, SRF

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Gubser ist seit Frühjahr 2017 Frankreich-Korrespondentin von SRF. Sie ist seit 2008 für das Unternehmen als Produzentin, Redaktorin und Reporterin der «Tagesschau» tätig. Davor arbeitete sie für Medien wie «TeleZüri» oder «Radio 24».

In über 73 von 101 Departementen wurde der Wasserverbrauch rationiert. «Sorgen macht den Hydrologen vor allem der Grundwasserspiegel. Er liegt 20 Prozent unter dem normalen Niveau.» Dies, weil der vergangene Herbst und Winter bereits niederschlagsarm waren. Die Bauern dürften ihre Felder nur noch rudimentär bewässern. «Mais und Sonnenblumen verdorren», so Gubser. Weil auch die Flüsse zu warm seien, wurden nun diverse AKW heruntergefahren.

Tausende Hitzetote 2003

2003 wurde Frankreich von der Hitzewelle überrascht, man war schlecht vorbereitet. Während der zwei heissesten Wochen in diesem Jahrhundertsommer starben knapp 15'000 Menschen. «Das war ein nationales Trauma. Es waren vornehmlich betagte Menschen, die alleine lebten und die man buchstäblich vergessen hatte.» Aber Frankreich hat daraus gelernt, so die Korrespondentin.

Alte Frau in einer Strasse
Legende: Die Hitze setzt vor allem Betagten zu. Frankreich hat aber aus 2003 gelernt: Heute gibt es ein Register, in dem sich Alleinstehende eintragen können. So wird täglich nach ihnen geschaut, telefonisch oder im direkten Kontakt. Keystone

Mit Chalex existiert ein Register, in dem sich Betagte einschreiben können. «Damit werden sie täglich angerufen, besucht und mit Wasser versorgt.» In Städten und Dörfern sind öffentliche Gebäude klimatisiert, Parks und Gärten bleiben nachts offen. Nach den Obdachlosen wird geschaut, auch ihnen wird Wasser verteilt. «Und in Städten wie Paris oder Lyon gelten Fahrverbote für Dieselfahrzeuge und Autos, die vor 2006 in Verkehr gesetzt wurden.»

Angespannte Situation in Altersheimen

Die Spitäler versichern, dass sie über genügend freie Betten verfügen. Die Notaufnahmen seien hingegen überlastet, so die Korrespondentin. Das sei aber schon seit Jahren so, «weil niemand mehr zum Arzt, sondern direkt in die Notaufnahme geht». Vielerorts würde wegen der unhaltbaren Arbeitszustände auch gestreikt. Angespannt sei die Situation in Altersheimen, weil es dort ferienhalber an Personal fehlt.

Legende: Video Aus dem Archiv: «2003 wähnte sich die Schweiz in die Tropen versetzt» abspielen. Laufzeit 01:15 Minuten.
Aus News-Clip vom 24.07.2019.

Aussicht auf Hitzefrei? Mitnichten. «Im ziegelsteindicken Arbeitsrecht von Frankreich ist keine Maximaltemperatur festgehalten. Der Umgang mit Höchsttemperaturen lässt viel Spielraum für Interpretationen zu», sagt Gubser. Bei über 33 Grad ist der Chef im Büro wie auf dem Bau aber zu Massnahmen verpflichtet: Arbeitszeiten auf kühlere Randstunden verlegen, für mehr Pausen und Wasser sorgen.

Hitzefrei: Situation in der Schweiz

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Das Arbeitsgesetz schreibt lediglich vor, dass das Raumklima der Arbeit angemessen sein soll und die Gesundheit nicht beeinträchtigen darf.

Das Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) rät den Arbeitgebern, in Hitzeperioden im Büro Ventilatoren und Trinkwasser zur Verfügung zu stellen, sowie die Kleidervorschriften zu lockern. Zudem sollten den Angestellten mehr Pausen gestattet und die körperliche Belastung verringert werden. Besonders anstrengende Arbeiten sollte man in die Morgenstunden verlagern.

Die Temperatur-Richtwerte des SECO für diese Massnahmen unterscheiden sich je nach Schwere der Arbeit, Luftfeuchtigkeit und Kleidung der Arbeitenden. Im Freien kommt es auch auf die direkte Sonneneinstrahlung an.

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3 Kommentare

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  • Kommentar von Sivan Delavar-Strauss  (ReformJew)
    Man sollte mal alle Europäer für eine Zeit in den nahen Osten schicken. Dort sind Temperaturen von über 40 Grad normal und die sterben deshalb nicht und arbeiten genauso wie im Winter. War 6 Monate in einem Kibbutz und seither macht mir Hitze nichts mehr aus.
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    1. Antwort von Konrad Pfister  (Konrad Pfister)
      Super Idee, auf gehts, wird interessant wie der nahe Osten mit diese Zuwanderung zurecht kommt!
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    2. Antwort von Marianne Rudolf  (mru)
      Ja, ja, ich war auch im Osten, im Kibbuz und auch sonst in vielen heissen Ländern.
      Nur vergessen sie gerade, dass dort die Luftfeuchtigkeit viel tiefer ist, und man deshalb die Hitze viel besser erträgt. Es ist nicht nur das fehlende Trinken oder die Hitze, sondern das ganze Klima, das einem zu schaffen macht. Ich hatte in israel bei 45 Grad keine Probleme, hier in der Schweiz bei 30 Grad schon Schwindelanfälle...
      Mfg
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