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Pflegefachpersonen verlieren wegen Long Covid ihre Arbeit
Aus Kassensturz vom 28.09.2021.
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Infiziert und ausgemustert Pflegefachpersonen verlieren wegen Long Covid ihre Arbeit

Pflegefachkräfte, die von Corona-Langzeitfolgen betroffen sind, werden von der Arbeitgeberin im Stich gelassen.

Wegen Corona ist das Spitalpersonal seit Monaten am Anschlag. Wie viele von den Pflegefachkräften bisher selbst an Corona erkrankt sind, erfasst der Bund nicht.

Einen ersten Hinweis geben neue Zahlen der Suva, auch wenn hier nur ein kleiner Teil der Betriebe des Schweizer Gesundheitswesens versichert ist: In den vergangenen zehn Jahren erhielt die Versicherung im Schnitt 300 Meldungen über Berufskrankeitsfälle im Jahr. 2020 stiegen sie auf über 1300 an – eine Steigerung um mehr als das Vierfache. Die Suva geht davon aus, dass diese massive Steigerung auf die Corona-Pandemie zurückzuführen ist.

Ebenfalls nicht bekannt: Wie viele infizierte Pflegefachpersonen an Long Covid leiden. «Kassensturz» liegen mehrere Fälle vor, die zeigen: Manche Betroffene sind monatelang schwer krank. Erschwerend kommt hinzu, dass sie in dieser Situation vom Arbeitgeber nicht selten im Stich gelassen werden.

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M.L., Pflegefachfrau: «Fakt ist, ich bin krank. Und da bräuchte man Schutz und Unterstützung, nicht eine Kündigung.»
Aus Kassensturz vom 27.09.2021.
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Mangelhafte Schutzmassnahmen

Ein Beispiel: Die erfahrene Pflegefachfrau M.L. arbeitete im Spital Interlaken auf der stationären Psychiatrie. Laut M.L. wurden während dieser Zeit weder Personal noch Patienten auf Corona getestet, es gab keine FFP2-Masken, sondern nur eine Hygienemaske pro Tag. Impfungen standen noch nicht zur Verfügung. Der Geschäftsbericht des Spitals legt offen, dass das Virus auch vor dem Personal nicht Halt machte:«Allein vom 31. Oktober bis zum 7. Dezember 2020 musste die krankheitsbedingte Abwesenheit von 67 Mitarbeitenden kompensiert werden.» Laut dem Spital wegen Corona, Krankheit und Erschöpfung.

Ich hatte unaushaltbare Schmerzen und bettelte nur noch, man solle mich betäuben.
Autor: M.L. Long-Covid-Betroffene

 Letzten Dezember traf es auch M.L. In ihrem Privatleben isolierte sie sich so gut wie möglich, die Vermutung liegt nahe, dass sie sich bei der Arbeit ansteckte. Covid-19 griff ihre Hirnnerven an. Und es wurde immer schlimmer – typisch für Long Covid. «Ich hatte unaushaltbare Schmerzen und bettelte nur noch, man solle mich betäuben», erinnert sich die Pflegefachfrau.

Gekündigt, damit Stelle neu besetzt werden kann

 Ein halbes Jahr später – nach zwei Gesprächen mit den Vorgesetzten – folgte die Kündigung. Das Spital Interlaken schrieb ihr, man müsse ihre Stelle neu besetzen, um die Personalplanung dauerhaft sicherstellen zu können. Für M.L. ein Schlag ins Gesicht: «In einer solchen Situation bräuchte man Unterstützung; nicht die Kündigung.»

Diese Entlastung der Teammitglieder war Frau L. wichtig; die Vertragsauflösung hat Frau L. von diesem selbst auferlegten Druck befreit.
Autor: Spital Interlaken

Das Spital Interlaken will vor der Kamera keine Stellung beziehen. Es schreibt «Kassensturz», Frau L. sei als «Mitarbeiterin und Mensch sehr geschätzt» worden. Und: «Mit der Vertragsauflösung konnte die Stelle nun neu besetzt werden; diese Entlastung der Teammitglieder war Frau L. wichtig; die Vertragsauflösung hat Frau L. von diesem selbst auferlegten Druck befreit.» Zudem habe man einen Wiedereinstieg angeboten.

M.L. sagt: «Ich weiss nicht, wie viele im Betrieb an Long Covid erkrankt sind. Vielleicht sind es Einzelne. Sollte man denen nicht speziellen Schutz zukommen lassen und sagen: Gerade jene, die sich vermutlich im Betrieb angesteckt haben, unterstützen wir?»

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Von BMW entlassen wegen Long Covid
Aus Kassensturz vom 28.09.2021.
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Heute geht es der Pflegefachfrau deutlich besser, und sie möchte für ihre Kolleginnen einstehen. Denn Kündigungen nach Krankheit gebe es gerade im Pflegeberuf viel zu oft. «Ich wünsche mir, dass die Arbeitgeber zu ihrem Personal stehen und ihnen Zeit geben, sich zu erholen. Und dass die Stellenpläne in dieser Situation mal beiseitegelegt werden.»

 Brauchen Long-Covid-Betroffene mehr Schutz? Darüber spricht «Kassensturz» mit Pierre-André Wagner, Arbeitsrechts-Experte des Schweizer Berufsverband der Pflegefachfrauen und Pflegefachmänner SBK:

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Studiogespräch mit Pierre-André Wagner, Leiter Rechtsdienst SBK
Aus Kassensturz vom 28.09.2021.
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Kassensturz, 28.09.21, 21:05 Uhr

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96 Kommentare

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  • Kommentar von Ernst von Allmen  (MEVA)
    Da wurden Milliarden von so genannten Corona Krediten ausbezahlt, von denen die meisten nie zurück bezahlt werden, und dem Spital Personal wurde mur mit Applaus gedankt. Das ist eine Schande!!!
    Antworten anwählen um auf den Kommentar zu antworten
  • Kommentar von Toth Jules  (Jules Toth)
    Als langjährigen HR-Leiter sind die Kündigungen für mich nicht nachvollziehbar. Es sei denn, man will sich vorsätzlich das Image schädigen. Mit einer Taggeldversicherung, die 720 Tage 80% des Lohnes deckt, gibt es für den Arbeitgeber keinen Grund unüberlegt zu handeln. Leider haben heutzutage viele HR-Dienste zu wenig Gewicht und dadurch zu wenig Einfluss auf die Personalpolitik...
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    1. Antwort von Angela Nussbaumer  (Angela N.)
      Danke für Ihren Kommentar; Herr Toth.
      Dem gibt es für mich nichts mehr beizufügen.
  • Kommentar von Bruno Oertli  (Bcaapm)
    Das war unseriös, lieber Kassensturz. Im ersten Fall war ersichtlich, dass das behandelnde Spital von Diagnosen sprach und man nur die erste (Post Covid) zu sehen bekam. Im abgedeckten Teil des Attestes scheinen noch mehrere Befunde aufgeführt zu sein und das stützt die Aussage von BMW, dass die Angestellte schon länger krank war. Wieso unterschlägt man dem Zuschauer die Komplexität eines solchen Falles?
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    1. Antwort von SRF News (SRF)
      @Bruno Oertli
      Guten Tag Herr Oertli
      Danke für Ihre kritischen Zeilen. Long respektive Post Covid ist noch immer eine Ausschlussdiagnose, das heisst, es wird immer zuerst alles andere ausgeschlossen, darum wird für eine Diagnose alles Mögliche abgeklärt und entsprechend im Attest aufgeführt.

      Tatsächlich fiel unsere Protagonistin 2019 wegen eines Infekts mit schwerem Verlauf insgesamt rund 9 Wochen aus. Zuvor und danach gibt bis zur Corona- und folgenden Long-Covid-Erkrankung keine aussergewöhnlichen Abwesenheiten. Fakt ist: Zum Zeitpunkt der Kündigung war unsere Protagonistin seit vier Monaten an Long Covid erkrankt und deswegen 50 Prozent krankgeschrieben.

      Liebe Grüsse, SRF News