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Social-Media-Boykott gegen Rassismus
Aus Tagesschau vom 30.04.2021.
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Keine Posts übers Wochenende Fussball boykottiert die sozialen Medien

Spieler und Spielerinnen des englischen Profi-Fussballs, der Rugby- und Cricket-League werden bis Montag keine Bilder oder Videos teilen. Damit setzen sie ein Zeichen gegen Rassismus im Internet.

Fussball bedeutet seit je her Emotionen. Jubel oder Buh-Rufe. Doch seitdem die Stadien wegen der Pandemie leer sind, verlagern sich die negativen Emotionen noch mehr ins Netz und werden dort zu rassistischen Anfeindungen.

Immer mehr Spielerinnen und Spieler wehren sich und thematisieren, was sie lesen müssen. Tyrone Mings macht kürzlich publik, was er erhielt. Zu lesen war das N-Wort gefolgt von «verlass Fussball, Du verdammtes Schwein.»

Der Linksverteidiger Tyrone Mings mit Corona-Maske im Training
Legende: Der Linksverteidiger Tyrone Mings ist seit 2019 bei Aston Villa unter Vertrag. Reuters/Archiv

Der ehemalige Weltklasse-Spieler Thierry Henry wollte nicht mehr länger untätig bleiben. Ende März sagte er «enough is enough», also «genug ist genug», und verabschiedete sich ganz aus den sozialen Medien, er hat alle seine Accounts gelöscht: «Ich verabschiede mich, ich habe genug und hoffentlich löse ich damit etwas aus und andere folgen mir.»

Thierry Henry als Trainer
Legende: Zuletzt war Thierry Henry zwischen Januar 2020 und Februar 2021 Cheftrainer des kanadischen Vereins CF Montréal. Das Team spielt in der nordamerikanischen «Major League Soccer»-Liga. Reuters/Archiv

Fussballclubs fordern personalisierte Accounts

Tatsächlich sagten am 24. April die englischen Profi-Fussballclubs ebenfalls «enough is enough», sie schrieben einen offenen Brief und kündigten einen fast viertägigen Boykott der sozialen Medien an.

Ab Freitagnachmittag 30. April bis Montagabend soll nichts auf den sozialen Medien gepostet werden. Eine Forderung der Clubs geht direkt an Facebook, Instagram, Twitter und Co, die Plattformen sollen keine anonymen Accounts mehr zulassen.

Einzelne Personen können sich hinter einem anonymen Konto verstecken und schreiben, was sie wollen. Das muss sich ändern.
Autor: Jürgen KloppTrainer von Liverpool

An einer Pressekonferenz erklärte Jürgen Klopp, der Trainer des FC Liverpools: «Einzelne Personen können sich hinter einem anonymen Konto verstecken und schreiben, was immer sie wollen. Das ist ein Problem und das muss sich ändern.»

Schweizerin Lia Wälti unterstützt den Boykott

Auch die englischen Frauenteams sind beim Boykott dabei. Lia Wälti lebt in England, spielt für den FC Arsenal und ist Captain der Schweizer Frauennationalmannschaft.

Am schlimmsten finde ich die rassistischen Anfeindungen, das muss aufhören.
Autor: Lia WältiKapitänin der Schweizer Nationalmannschaft

Selber hat sie keine schlimmeren Anfeindungen erlebt, aber sie weiss, ihre Team-Kolleginnen müssen das ertragen: «Am schlimmsten finde ich die rassistischen Anfeindungen, das muss einfach aufhören. Deshalb finde ich diesen Boykott absolut richtig.» Auch sie ist überzeugt, personalisierte Konten auf den sozialen Plattformen wären eine gute Lösungsstrategie, «denn erst, wenn man die Identität kennt, kann man einzelne Täter herauspicken und ahnden.»

Lia Wälti im roten Arsenal-Trikot
Legende: Lia Wälti steht seit der Saison 2018/19 beim englischen Verein Arsenal Women FC unter Vertrag. Reuters/Archiv

Dem Boykott haben sich die letzten Tage auch die englischen Cricket und Rugby-Teams angeschlossen. Immer mehr fordern: Emotionen braucht der Sport, aber Hass hat keinen Platz.

Tagesschau, 30.04.2021, 19:30 Uhr

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9 Kommentare

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  • Kommentar von Stefano Simeone  (SteSi)
    Glauben die Sportler wirklich, dass auch nur ein Fan seine Gesinnung wegen des Boykotts ändert?
    Für mich ist es eher eine Reputationsaktion - gut gemeint, keine Frage.
    Man kann aber den Leuten nicht vorschreiben, wie sie zu denken und fühlen haben.
  • Kommentar von Maciek Luczynski  (Steine)
    So ein Boykott würde mich überzeugen, wenn die Sportorganisationen dauerhaft ihre Accounts bei den amarikanischen Sozialmedia-Unternehmen löschen würden.

    DAS würde wirklich ein Zeichen setzen, und nicht eine Pause von ein paar Tagen.
  • Kommentar von Maciek Luczynski  (Steine)
    Ich finde jede private soziale Plattform sollte ihr "Hausrecht" selber druchsetzen dürfen.
    Ich finde aber auch, dass die europäischen Institutionen den (amerikanischen) Plattformen zu viel Gewicht geben, wenn sie diese für die Publikationen nutzen.

    Besser wäre es, für Publikationen einzig und alleine (lokale) Plattformen zu nutzen, die man selber kontroliert.
    So ein Vorgehen würde der Monopolstellung entgegenwirken, und die Vielfalt stärken