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London-Gatwick lahmgelegt «Das Abschiessen ist gar nicht so einfach»

Legende: Audio Eine Drohne abzuschiessen, sei gar nicht so einfach, sagt Matthias Heim abspielen. Laufzeit 08:26 Minuten.
08:26 min, aus SRF 4 News aktuell vom 21.12.2018.

Seit Mittwoch stören von Unbekannten ferngesteuerte Drohnen den Flugverkehr in London-Gatwick – zehntausende Passagiere sind betroffen.

Dutzende Polizisten und Soldaten haben es bis Freitagmorgen nicht geschafft, die unidentifizierten Flugobjekte vom Himmel zu holen oder die Urheber der Störung ausfindig zu machen. Wieso das so schwierig ist und ob Ähnliches auch in der Schweiz passieren könnte, weiss Matthias Heim.

Matthias Heim

Matthias Heim

Wirtschaftsredaktor, SRF

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Matthias Heim hat Wirtschaftsgeschichte studiert. Seit 2007 arbeitet er für Radio SRF, seit 2016 ist er Wirtschaftsredaktor. Seine Spezialgebiete sind Aviatik, Tourismus, Verkehr, Detailhandel und Energie.

SRF News: Wieso führen Drohnen über dem Flughafengelände zum vollkommenen Erliegen des Flugverkehrs?

Matthias Heim: Handelsübliche Freizeit-Drohnen mit einem Gewicht von 100 oder 200 Gramm sind für die Flugzeuge kein sehr grosses Problem, auch wenn sie eine Maschine durchaus leicht beschädigen können. Problematischer sind professionell eingesetzte, grössere Flugdrohnen, die mehrere Kilogramm schwer sind. Im Fall von Gatwick soll es sich laut Polizei um ein solch grösseres ferngesteuertes Fluggerät handeln, das womöglich im Eigenbau entstanden ist. Eine solche Drohne kann bei einer Kollision mit einem startenden oder landenden Flugzeug durchaus grössere Schäden verursachen. So könnte sie etwa ein Cockpit-Fenster oder ein Triebwerk beschädigen.

Was können Flughäfen oder die Behörden überhaupt gegen Vorfälle wie jene in Gatwick präventiv unternehmen?

Es gibt technische Möglichkeiten wie etwa Störsender. Solche werden etwa in Gefängnissen eingesetzt, um zu verhindern, dass die Gefangenen mit eingeschmuggelten Handys unerlaubterweise nach draussen telefonieren. Solche Störsender vermögen die Radiosignale im Fall einer Drohnensteuerung allerdings nur in einem gewissen Umkreis zu stören.

Störsender können ein Drohnensignal nur in einem gewissen Umkreis stören.

Weil ein Vorfall wie jener in Gatwick, bei dem offensichtlich jemand mit grossem Aufwand und gezielt versucht, den Flugbetrieb über einen längeren Zeitraum hinweg zu stören, bislang nie vorgekommen ist, haben die Flughäfen bislang auf ein solches, womöglich teures System verzichtet. Manche Drohnenhersteller bauen ab Fabrik ausserdem ein so genanntes Geofencing-System in ihr Fluggerät ein. Damit kann eine Drohne gar nicht starten, wenn sie sich innerhalb einer ausgewiesenen Flugverbotszone – wie dies etwa für ein Flughafengelände gilt – befindet.

Wieso wird die Drohne in Gatwick nicht einfach von Scharfschützen abgeschossen?

Das Abschiessen eines solchen Geräts ist gar nicht so einfach – vor allem wegen möglicher Querschläger. Das Fluggerät bewegt sich sehr schnell und in alle Richtungen. So eine Drohne auf einen oder zwei Kilometer Distanz abzuschiessen ist auch für einen Scharfschützen sehr schwierig – zumal ein bewegliches Ziel getroffen werden muss, ohne dass etwas oder jemand Unbeteiligtes in Mitleidenschaft gezogen wird.

Wer mit schädlicher Absicht in eine Flugverbotszone hineinfliegen will, kann das auch in der Schweiz tun.

Wäre eine Störung des Flugverkehrs durch eine Drohne auch in der Schweiz möglich?

Grundsätzlich schon. Zwar gilt in der Schweiz eine grössere Flugverbotszone für Drohnen rund um Flughäfen von 5 km – in Gatwick beträgt diese bloss 1 km. Wer aber mit schädlicher Absicht mit einer ferngesteuerten Drohne in diese Flugverbotszone hineinfliegen will, kann das auch in der Schweiz tun.

Auch in Zukunft wird man nicht verhindern können, dass jemand mit krimineller Energie selber ein Fluggerät baut, um Schaden anzurichten.

Schon bald aber sollen in ganz Europa neue Regeln gelten, was die Identifikation der Drohnenbesitzer angeht. So soll jedes Fluggerät bald eine eigene Identifikationsnummer erhalten, die auf den Besitzer registriert ist. Auch sollen die Drohnen dann ein Signal aussenden, das von der Flugüberwachung vefolgt und dem Besitzer zugeordnet werden kann. So dürfte es den Behörden in Zukunft leichter fallen, bei Missbräuchen die Urheber zu belangen. Allerdings kann das alles nicht verhindern, dass auch in Zukunft jemand mit krimineller Energie selber ein Fluggerät baut, um Schaden anzurichten.

Das Gespräch führte Roger Aebli

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34 Kommentare

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  • Kommentar von Max Wyss (Pdfguru)
    Bestätigt von verschiedenen Zeitungsberichten (online): Eine Unterhaus-Abgeordnete der Tories namens Liz Truss empfiehlt bellende Hunde gegen die Drohne(n) in Gatwick.
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  • Kommentar von Martin Kobel (Tinu2017)
    Guten Abend Herr Bärtschi So wie es aussieht haben Sie noch nie mit mit Schrot geschossen. Da ist nach 30 - 40 Meter schon fertig. Wenn Sie Glück haben trift vielleicht ein Kügelchen noch nach 100 Metern, aber das tut nicht mehr weh...auch der Drohne nicht. Mit den geübten Jägern ist das so eine Sache. Mit den Menschen am Bosen ist das auch so eine Sache... die Kügelchen kommen irgend einmal wieder auf die Erde! Un wehe Sie sehen am falschen Ort.....
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  • Kommentar von Oskar Bärtschi (Pluto)
    um unliebsame Drohnen vom Himmel zu holen braucht es keine Scharfschützen, sich selber gefährdende Raubvögel oder Laserkanonen: geübte Jäger mit Schrotflinten scheinen mir da geeigneter - die Schrotladungen bilden auch keine Gefährdung für weiter entfernte Objekte oder Menschen am Boden...
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    1. Antwort von Stephan Roos (SR)
      Abgerichtete Greifvögel vielleicht realistisch. Schrotflinte, auf 1-2Km?
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    2. Antwort von Charles Morgenthaler (ChM)
      @Pluto: haben Sie schon mal den Flug einer professionellen Drohne beobachten können? Wohl eher nicht. Die fliegen locker 1Km. hoch oder mehr, eben in Bereiche wo sich Flugzeuge befinden, sie sind sehr schnell und überaus wendig. Da wollen Sie mit Schrotflinten darauf schiessen??? Damit treffen Sie auf diese Distanz nicht mal ein Scheunentor. Wenn denn die Kugeln überhaupt soweit fliegen.
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