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Nach mehr als 30 Jahren Hollywood zieht in Saudi-Arabien ein

  • Am 18. April wird in Saudi-Arabien das erste Kino seit mehr als drei Jahrzehnten eröffnet.
  • Die Eröffnung des Kinos ist Teil eines umfassenden Modernisierungsprogramms des saudischen Kronprinzen.
  • Der Staat liess anfangs der 1980er-Jahre alle Kinos aus religiösen Gründen schliessen.
Kulturzentrum in Saudi-Arabien
Legende: Im Kulturzentrum von Dschidda fand im Januar die erste öffentliche Kinovorführung seit mehr als drei Jahrzehnten statt. Reuters

Den Zuschlag hat AMC erhalten, der grösste Kinobetreiber der USA. AMC gehört zur chinesischen Wanda Group. Das erste Kino eröffnet AMC in der Hauptstadt Riad, in den nächsten fünf Jahren sollen insgesamt 40 Kinos in 15 Städten folgen.

Weitere internationale Anbieter buhlen nun um das Recht, eigene Kinos im Land zu eröffnen. Bis 2030 sollen in Saudi-Arabien laut Plänen der Regierung gut 300 Kinos mit insgesamt rund 2000 Sälen stehen.

Kein Ende der Zensur

Noch ist unklar, welche Filme in Saudi-Arabien gezeigt werden dürfen, denn die Zensurvorgaben im islamischen Königreich sind sehr strikt. Zudem steht noch aus, ob Filmvorführungen nach Geschlechtern getrennt werden sollen. Ein Pilotversuch fand im Januar statt: Ein Kulturzentrum in Dschidda zeigte zwei amerikanische Kinderfilme, Frauen und Männer teilten sich den Kinosaal.

Saudi-Arabien hatte eine lebendige Kinokultur in den 1970er Jahren. Anfang der 1980er Jahre wurden Kinos auf Druck der geistlichen Eliten verboten. Kinos seien «harām», also nicht mit der Scharia vereinbar. Seither reisen tausende Saudi-Arabier jedes Jahr in Nachbarländer wie Bahrain und die Vereinigten Arabischen Emirate, um sich lokale Produktionen und Hollywood-Filme anzusehen.

Das Kino als Wirtschaftsmotor?

Die neuen Kinos sind Teil der «Saudi Vision 2030», dem ambitionierten Reformpaket von Kronprinz Mohammed bin Salman. Salman verfolgt wirtschaftliche Ziele: Saudi-Arabien solle sich weniger stark von seinen Erdöl-Vorkommnissen abhängig machen. Denn Kino ist nicht nur Unterhaltung, sondern auch Geschäft: Die neue Industrie soll 30'000 neue Stellen schaffen und gut 90 Milliarden Riyal (etwa 23 Milliarden Franken) zur Volkswirtschaft beisteuern.

Neben den neu erlaubten Kinos hat Kronprinz Mohammed bin Salman bereits weitere Liberalisierungen angekündigt. So möchte die Regierung des konservativen Staates das Autofahrverbot für Frauen im Juni aufheben. Unterdessen dürfen Frauen auch Fussballspiele in Stadien besuchen.

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3 Kommentare

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  • Kommentar von antigone kunz (antigonekunz)
    Spätestends bei solchen'guten Nachrichten' sollte klar werden, für die 0,1%er gibt es keine Trennung von Nationen, Religionen, Gruppierungen, das ist was fürs gemeine Volk. Denn sie sind die einzige soziale Klasse, die es gibt. Geschlossen, einig, dem einzigen wahren Gott dienend dem Profit. Alles, was da an Uneinigkeiten inszeniert wird, dient dem einen Zwecke nur, dass die ‚unten‘ sich nie zusammentun und die erkennen, wo die wahre Macht liegt ...
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  • Kommentar von A. Keller (eyko)
    Der Prinz will sein Land modernisieren. Schön und gut. Warum nicht Gleichberechtigung für Mann und Frau. Keine Kleidervorschriften mehr. Keine geschlechtliche Trennungen bei Events. Bildung für Frauen. Einfach Richtung Westen. Das nenne ich Fortschritte. Die Volkswirtschaft würde sich auch verbessern. Alles andere ist konservatives Verhalten.
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  • Kommentar von D. Thrum (Thrum)
    Wow, kein Kino seit 30 Jahren und einer der ersten Filme, den die dann im Kino wieder sehen dürfen, ist der Emoji-Movie? Mein Beileid.
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