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Niederlande öffnen Schleusen Der Lachs kommt zurück in den Rhein

Gute Nachricht für Fischfreunde: Mit der Schleusenöffnung kehrt der Lachs auch zu uns zurück – nach 50 Jahren Abstinenz.

Legende: Audio Der Lachs kommt zurück in den Rhein abspielen. Laufzeit 08:18 Minuten.
08:18 min, aus Rendez-vous vom 05.09.2018.

Der Lachs kommt zurück in unsere Gewässer. Fast 50 Jahre lang war der Zugang von der Nordsee in Richtung Rhein praktisch hermetisch abgeriegelt. Das soll sich nun ändern. Dank dem Lobbying von Umweltorganisationen werden die Tore des Schleusenkomplexes Haringvliet südlich von Rotterdam um ein paar Zentimeter geöffnet.

Dort beobachtet Ted Sluijter mit seinem Feldstecher ein paar Seeschwalben, die hoch über dem Schleusenkomplex ihre Kreise ziehen. In ein paar Jahren werde diese längliche Bucht vor der Schleuse ein internationaler Vogelkreuzpunkt, freut sich der Förster im Dienst der niederländischen Umweltschutzorganisation «Naturmonumente».

Weg (fast) frei für Rückkehr in die Schweiz

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Auch in der Schweiz ist man seit einigen Jahren daran, den Lachs wieder in den Rhein und andere Gewässer zurückzuholen. Stark engagiert sich hier – zusammen mit dem Bund und den Kantonen – der WWF. Dort ist für das Projekt Lachs-Comeback der Biologe Christian Hossli zuständig. «Wir begrüssen die Öffnung der Schleuse in den Niederlanden sehr. Damit wird auch die Eingangspforte in den Rhein geöffnet», sagt Hossli.

Doch der Weg in die Schweiz ist weit für den Lachs – zu weit? Tatsächlich stünden ihm Hindernisse von der Nordsee bis zu uns im Weg, sagt Hossli: «Glücklicherweise wurden die meisten Kraftwerke auf dem Weg in den letzten Jahren mit Fischaufstiegsanlagen ausgerüstet.»

Aktuell würden den Lachs nur noch drei Kraftwerke zwischen Strassburg und Basel an der Rückkehr in die Schweiz hindern. Dieses letzte Stück solle aber bis 2020 passierbar für Wanderfische sein.

Mit dem Lachs kehre ein «äusserst faszinierender Fisch» zurück in Schweizer Gewässer, freut sich der WWF-Experte: «Er ist ein majestätischer Fisch mit einem faszinierenden Lebenszyklus.» Aber es gehe den Umweltschützern grundsätzlich darum, den Rhein als Ganzes wieder natürlich und lebendiger zu gestalten: «Davon profitieren alle Tiere und Pflanzen im und entlang des Rheins.»

Die Haringvliet-Schleuse ist ganze fünf Kilometer lang. Der graue Komplex mit den 17 imposanten Schleusentoren schliesst das Rotterdamer Hinterland hermetisch von der Nordsee ab. Er ist Unterbau der «Deltawerke». Damit werden jene gigantischen Schleusen und Wehre bezeichnet, die dafür sorgen, dass der Südwesten der Niederlande trocken bleibt.

Bewegliche Barrieren am Oosterscheldekering am Hoek van Holland bei Rotterdam.
Legende: Um eine weitere Katastrophe zu verhindern, wurden die Deltawerke erbaut. Im Bild: bewegliche Barrieren am Oosterscheldekering am Hoek van Holland bei Rotterdam. Keystone

«Die Vögel, die hier haltmachen, brüten in Sibirien und überwintern in Afrika. Das ist die Nord-Süd-Route», erklärt Vogelkenner Ted Sluijter. Aber die Ost-West-Route, diese Verbindung für die Fische habe es nicht mehr gegeben: «Und die stellen wir mit dem Öffnen der Schleuse wieder her, damit ein internationaler Kreuzpunkt entsteht. Denn mehr Fische ziehen automatisch mehr fischfressende Vögel an.»

Wenn Ted Sluijter von «wir» spricht, meint er die fünf Umweltorganisationen sowie die staatliche Forstverwaltung, die sich seit 18 Jahren für eine kleine Öffnung der Schleusentore stark machen. Denn damals, bei der Eröffnung der Deltawerke, spielte die Umwelt keine Rolle. Die weltweit einzigartigen Bauten waren die Antwort der niederländischen Wasserbau-Ingenieure auf die verheerende Flutkatastrophe von 1953, bei der mehr als 1800 Menschen ertranken und mehr als 100'000 Personen Haus und Hof verloren.

Umdenken nach der Katastrophe

Die 1800 Toten hätten eine tiefe Narbe hinterlassen, sagt der 62-jährige Umweltschützer: «So etwas sollte nie wieder passieren können.» Deshalb habe damals einzig die Sicherheit im Vordergrund gestanden. Sicherheit steht noch immer an oberster Stelle, aber Umweltaspekte spielen heute auch eine Rolle.

Inzwischen gibt es ein Gesetz, das die Öffnung der Haringvliet-Schleuse ermöglicht. Die Trinkwasserentnahme wurde flussaufwärts verlegt, und fast alle Bauern sind mittlerweile überzeugt, dass ihre Felder keinen Schaden nehmen werden, wenn demnächst salziges Wasser durch die kleine Öffnung der Schleusentore, rund sechs Kilometer flussaufwärts, strömt.

Lachs im Rhein
Legende: Weil in den Niederlanden die Schleusen geöffnet werden, dürfte der Lachs auch bei uns ein Comeback geben. Keystone

So ist auch diese Hürde genommen, damit Lachse, Störe und andere Zugfische in Schweizer Bergbächen laichen können. Für Ted Sluijter ist es ein historischer Moment. Der genaue Zeitpunkt der Öffnung hängt mit dem Wasserstand des Rheins zusammen.

Durch die sommerliche Trockenheit ist dieser noch sehr tief. Sobald er einen normalen Pegelstand erreicht hat, werden die Schleusentore ein paar Zentimeter weit geöffnet – voraussichtlich Ende Oktober oder Anfang November dürfte dies der Fall sein.

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3 Kommentare

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  • Kommentar von Rolf Künzi (Unbestimmt)
    Ich habe mich immer gefragt warum der Lachs gegen den Fluss schwimmt um zu Laichen und warum die Bären nur ein Teil des Fisches essen. Ist die Natur so blöd. Nein die Natur macht nichts vergebens. Erst wenn die Flüsse wieder mehr Altholz und Verwirbelungen haben bleibt der Lachs und dann kommt der LACHSDÜNGER. Und dann lachen die Bäume.
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  • Kommentar von Roger Stahn (jazz)
    Auf dem langen Weg von Niederlande, Deutschland, Frankreich bis in unsere Gewässer, benötigt der Lachs jedoch genügend Nahrung, Weichtiere, Fische und Insektenlarven. Einfach die Schleusen zu öffnen wird nicht ausreichen, dass der Lachs stabil in der Schweiz wieder zu Hause ist. Ohne Renaturierung in der modernen Landwirtschaft, Verbauungen und ohne Stopp beim Insektensterben und der nachfolgenden Nahrungskette, kommen die betreffenden Länder also nicht drum herum, wenn es nachhaltig sein soll.
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  • Kommentar von Nils Huber (Nils Huber)
    geschah das u.A. dank des Artikels über die Lachse, den die "Zeit" verfasste?
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