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Der Klimawandel bedroht das Wasserschloss Schweiz
Aus Tagesschau vom 16.03.2021.
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Studie des Bundes Wissenschaftsredaktor: «Gewässer könnten um 9 Grad wärmer werden»

Über die Auswirkungen, welche die Erwärmung der Atmosphäre auf die Binnengewässer in der Schweiz hat, weiss man noch nicht so viel. Klima-Expertinnen und -Experten des Bundes haben dies darum untersucht.

Die Studie des Bundes kommt zum Schluss: Im Sommer droht Wasserknappheit, im Winter ist dafür immer öfter mit Überschwemmungen zu rechnen. Wissenschaftsredaktor Thomas Häusler hat sich die Studie im Detail angeschaut.

Thomas Häusler

Thomas Häusler

Wissenschaftsredaktor

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Thomas Häusler ist Wissenschaftsredaktor bei SRF. Er hat in Biochemie doktoriert und eine Weiterbildung in Wassermanagement an der Uni Genf absolviert. Seit 2013 ist er Leiter der Wissenschaftsredaktion.

SRF News: Wasser ist ein wichtiges Gut. Droht ein Verteilkampf?

Thomas Häusler: In manchen Regionen wird es Konflikte zwischen Bauern, der Trinkwasserversorgung und Naturschutzanliegen geben, wenn Fische im Bach kein Wasser mehr haben. Eine gute Vorbereitung kann aber diese Konflikte vermindern. Bauern können zum Beispiel künstliche Speicherseen anlegen, aber sie müssen sich trotzdem von durstigen Anbaufrüchten verabschieden.

Grossflächig bewässern wird nicht funktionieren, weil mit den höheren Temperaturen die Verdunstung und der Durst der Pflanzen steigen wird. Man wird nur kleinere Kulturen bewässern können, die viel Geld einbringen: Gemüse, Obst, Beeren. Manche Speicherseen und Wasserleitungen sind bereits jetzt in Planung. Die Forscher schreiben in ihrer Studie, dass man sich genau überlegen müsse, was davon sinnvoll ist oder nicht.

Wenn mit dem Klimawandel die Lufttemperatur steigt, erwärmen sich die Gewässer automatisch weiter.

Wie reagiert das Grundwasser auf den Klimawandel?

Nicht so empfindlich wie die Flüsse. Grundwasser wird im Sommer zwar weniger von den niedrigeren Flüssen gespeist. Im Winter aber gibt es einen Ausgleich, wenn es mehr regnet. Mögliche negative Einflüsse gibt es aber durchaus: Wenn die Landwirtschaft zu viel Wasser aus dem Untergrund holt, schrumpfen die Grundwasservorräte. Lokal können Trinkwasserbrunnen trocken fallen. Und so würden Ökosysteme wie Auenwälder und Feuchtgebiete leiden, welche auf einen hohen Grundwasserspiegel angewiesen sind.

Das Wasser in den Bächen, Flüssen und Seen werde gemäss der Studie deutlich wärmer, und zwar um durchschnittlich fünfeinhalb Prozent. Warum diese Erwärmung?

Wenn mit dem Klimawandel die Lufttemperatur steigt, erwärmen sich die Gewässer automatisch weiter. Zudem fliesst ihnen im Oberlauf weniger kaltes Wasser zu, weil die Gletscher zurückgehen. In heissen Sommern, wenn der Wasserstand in den Flüssen tief ist, erwärmt sich dieses wenige Wasser noch mehr. Je nach Gewässer und Klimazone können die Temperaturen im Sommer um 3 bis 9 Grad zunehmen.

Wir haben noch Zeit und wir haben es in der Hand, vieles davon noch zu verhindern.

Und das ist vermutlich für Fische zu warm?

Ja, für solche, die auf kühles Wasser angewiesen sind. Bachforellen beispielsweise gibt es heute bereits weniger, und sie benötigen je nach Saison eine Wassertemperatur zwischen acht und 19 Grad. Bei über 25 Grad sterben sie. Bei höheren Temperaturen können sich auch manche invasiven Arten besser verbreiten und den einheimischen Spezies das Leben noch schwerer machen. Auch gewisse Krankheiten werden leichter übertragen.

Das ist alles eine Prognose der Klimaforschung des Bundes. Von welchem Zeithorizont sprechen wir?

Diese Szenarien betreffen einen Zeitraum in 60 bis 70 Jahren und eine Welt, in der weiterhin nur sehr wenig gemacht wird, um den CO2-Ausstoss zu reduzieren. Wir haben also noch Zeit und wir haben es in der Hand, vieles davon noch zu verhindern.

Das Gespräch führte Roger Brändlin.

Echo der Zeit, 16.3.2021, 18:00 Uhr;

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19 Kommentare

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  • Kommentar von Alois Keller  (eyko)
    Wasser wird kostbarer als Gold. Der Wasserverbrauch hat sich in den letzten 50 Jahren weltweit verdreifacht und steigt zurzeit doppelt so schnell wie die Weltbevölkerung. Ohne nachhaltigen Umgang mit dem Wasser sind Wasserkriege, Wasserkatastrophen und Massensterben von Menschen, Tieren und Pflanzen programmiert. Die Landwirtschaft verseucht Grund- und Oberflächenwasser mit Gülle, Düngemitteln, Herbizide und Insektiziden. Nitrate und Ammoniak werden vom Wind in die Wälder und aufs Meer getragen.
  • Kommentar von Uwe Blumenthal  (BluBlu)
    Diesem Bericht fehlt der Link auf die erwähnte Studie
    1. Antwort von SRF News (SRF)
      @Uwe Blumenthal
      Guten Tag Herr Blumenthal. Gerne verlinken wir Ihnen die zugehörige Studie. Freundliche Grüsse, SRF News

      www.meteoschweiz.admin.ch/home/aktuell/meteoschweiz-blog.subpage.html/de/data/blogs/2021/3/schweizer-gewaesser-im-klimawandel-.html
  • Kommentar von Urs Dupont  (udupont)
    Mit der Klimaerwärmung kommt auch deutlich mehr Wasser vom Himmel und wir lassen heute gegen ca. 95% des Wassers ungenutzt die Bäche und Flüsse runter, ausser dass es teilweise noch durch Turbinen fliesst.
    Jedenfalls mal wieder so eine typische "Könnte"-Aussage, so wie "das Meer könnte 2m ansteigen", "ein grosser Meteorit könnte die Erde treffen", etc.. Aber was schreibt man nicht alles, um Panik und Hysterie zu schüren und morgen werden dann einige Medien aus dem "Könnte" ein "Wird" machen.
    1. Antwort von Adrian Meyer  (Sapient)
      Natürlich regnet es mehr wenn mehr Wasser verdunstet - aber nicht unbedingt am gleichen Ort. Wenn sie mit den gleichen Speicherkapazitäten viel grössere Schwankungen auffangen müssen kommt es häufiger vor, dass die Speicher überfliessen bzw. leer sind.
    2. Antwort von Urs Dupont  (udupont)
      Stimmt, Hr Meyer, aber so sehr verändert hat sich die Niederschlagsmenge nicht, nur ein wenig mehr im Winter und da kommt's mehrheitlich (noch) als Schnee runter. Zudem, wenn z.B. auch der Bodensee, endlich reguliert werden würde, hätten wir fast unerschöpfliche Speicherkapazität und anstelle der schmelzenden Gletscher Stauseen zu bauen, käme auch der ökologischen Stromversorgung zu gute. Und zugegeben, es braucht eine bessere Verteilung des Wassers; einfacher als versuchen, das Klima zu ändern
    3. Antwort von Thomas Hanhart  (Thomas63)
      Herr Dupont, wir müssen nicht das Klima verändern, sondern im Gegenteil damit aufhören. Und das ist nicht schwierig sondern nur eine Frage des Willens. Es geht, wenn man als Erstes einfach mal aufhört so verkrampft und aus Angst vor der Veränderung am Bisherigen festhalten zu wollen. Hätte die Menschheit das immer gemacht, sässen wir jetzt noch in Höhlen.