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Spoofing: Telefon-Terror durch geklaute Nummer
Aus Kassensturz vom 16.02.2021.
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Täglich über 100 Anrufe Spoofing: Telefon-Terror durch geklaute Nummer

Dubiose Callcenter kapern Nummern für Werbeanrufe. Die wahren Benutzer der Nummern erleben einen Terror an Rückrufen.

Ein Bekannter ruft an und fragt: «Warum hast du mich angerufen?». So beginnt für Erwin Stump ein Telefonterror der besonderen Art. «Ich habe nicht angerufen», antwortet Erwin Stump – und denkt sich nichts dabei. Vielleicht hat er sich vertippt, vielleicht hat sich das Telefon in der Hosentasche selbständig gemacht.

Doch das Telefon klingelt immer weiter. Immer sind es Rückrufe – auf Anrufe, die er nie gemacht hat. Manchmal sind es 6 Anrufe pro Tag, manchmal 180.

Ich dachte, ich spinne. Manchmal klingelte das Telefon viermal in der Minute.
Autor: Erwin StumpSpoofing-Betroffener

Eine nervenaufreibende Situation für Erwin Stump. «Ich dachte, ich spinne. Manchmal klingelte das Telefon viermal in der Minute.» Irgendwann wird es ihm zu bunt: Er schaltet sein Mobiltelefon aus. Doch Erwin Stump betreibt ein Lagerhaus im Skigebiet von Elm, eine langfristige Lösung ist das nicht. «Sucht mich jemand wirklich, bin ich nicht erreichbar.»

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Spoofing kurz erklärt
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Algorithmus täuscht Nummer vor

Was Erwin Stump erlebt, nennt sich Spoofing. Und er ist damit nicht allein. «Kassensturz» wurde von mehreren Betroffenen kontaktiert. Sie fragen, was sie gegen die ungewollten Anrufe tun können und haben Angst vor finanziellen Schäden.

Spoofing ist mit der Internet-Telefonie aufgekommen: Der Anrufer nutzt die Möglichkeit, bei Telefonaten einen Computer dazwischen zu schalten. Dieser wählt mit einem Algorithmus zufällig Nummern aus, die beim Angerufenen erscheinen. Zum Beispiel Erwin Stumps Nummer. Deshalb bekommt er Rückrufe, obschon er nie angerufen hat.

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Annina Merk, Swisscom: «Die Herkunft der Anrufe ist kaum nachvollziehbar.»
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Telekom-Anbieter fast machtlos

Bei den Telekommunikations-Anbietern ist Spoofing ein bekanntes Problem. «Es gibt zwei Beweggründe für Spoofing», sagt Annina Merk, Pressesprecherin von Swisscom. Einerseits gehe es um Marketingzwecke und Werbung, anderseits um Betrugsfälle mit vorgetäuschter Nummer.

Für Swisscom, Sunrise und Co. ist es schwierig, etwas gegen die Werbeanrufe mit geklauter Nummer zu unternehmen. Die Drahtzieher sitzen meist in ausländischen Callcentern. «Ihre Anrufe werden über verschiedene Anbieter weitergeleitet. So ist ihre Herkunft fast nicht nachvollziehbar, die Spuren verlaufen sich immer», sagt Annina Merk. nnina Merk, Swisscom: «Die Herkunft der Anrufe ist kaum nachvollziehbar.»

Zwar hat die Swisscom als erster Telekommunikations-Anbieter einen Callfilter installiert, ähnlich einem Spamfilter bei E-Mails. So verhindert sie rund 200'000 Werbeanrufe pro Tag. Doch gegen Spoofing nützt der Callfilter nicht: Weil die Spoofer bestehende Rufnummern nutzen, können ihre Anrufe nicht als Werbeanrufe ausgemacht werden. Aufgrund der unverdächtigen oder gar bekannten Nummer nehmen Angerufene eher ab oder rufen zurück.

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Annina Merk, Swisscom: «Die Schwierigkeit ist, einen Spoofing-Anruf überhaupt zu erkennen. Es ist ein ewiges Katz-und-Maus-Spiel.»
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Gesetzesrevision soll Spoofing erschweren

Auch auf Gesetzesebene versucht man, das Problem zu lösen: In der Revision des Fernmeldegesetzes bezieht sich ein Abschnitt explizit auf Werbeanrufe und schafft seit Anfang 2021 eine gesamtschweizerische rechtliche Grundlage. Dennoch werde es Spoofing weiterhin geben, erklärt Annina Merk. «Es ist ein Katz-Maus-Spiel: Wir machen etwas und die Spoofer reagieren.»

Bei Erwin Stump ist wieder Ruhe eingekehrt. Sein Telefon klingelt nur noch, wenn jemand auch wirklich ihn erreichen will. Ein Trost für Spoofing-Opfer: Meistens hört der Spuck so schnell auf, wie er begonnen hat.

Kassensturz, 16.02.2021, 21:05 Uhr

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33 Kommentare

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  • Kommentar von Michi Souza  (Michi (8))
    Swisscom macht nämlich ein Geschäft damit, dass sie Nummern an ausländische Callcenter und Telecom Firmen verkaufen, welche diese angeblich brauchen, um ihren Kunden (z.B. die Krankenkassen) "einen guten Kundenservice" in der Schweiz ermöglichen zu können.
    Wenn das Callcenter im Ausland ist, dann will ich das sehen, auch wenn dieses im Auftrag einer Krankenkasse o.ä. unterwegs ist.
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  • Kommentar von Michi Souza  (Michi (8))
    Dass Swisscom machtlos sei, ist falsch. Wenn ich meine Nummer auf das Mobiltelefon umleite und mich dann in Deutschland befinde (Roaming), dann sehe ich bei all den Spam-Anrufen die richtige Absendernummer, z.B. aus Tunesien etc.
    -> Deutschland kann das problemlos bewirken, was in der Schweiz angeblich nicht geht.
    Solange alle Parlamentarier ein gratis Premium Mobilabo von Swisscom erhalten, werden sie auch nie ein griffiges Gesetz beschliessen, das die Verbraucher schützt.
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  • Kommentar von Monika Sennhauser  (Thekaya)
    In letzter Zeit trage ich ständig eine Trillerpfeife bei mir. Bei Spoofing Anrufen setze ich die ein. Resultat: viel weniger Anrufe!
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    1. Antwort von Alex Volkart  (Lex18)
      Eine geniale Idee Frau Sennhauser, die ich sehr gerne übernehme!