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Debakel für Aktionäre: 70 Millionen lösen sich in Luft auf
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Terraoil-Schwindel Debakel für Aktionäre: 70 Millionen lösen sich in Luft auf

Schweizer Anleger verlieren praktisch ihr gesamtes Investment. Banken haben offenbar ihre Sorgfaltspflicht verletzt.

Peter Krempin hat ein lockeres Verhältnis zum Geld. Verkehrsbussen zahlt er mit links, seine Frau lädt er in Luxus-Hotels ein und er übernimmt grosszügig allerlei Spesen von Personen aus seinem Umfeld. Für Krempin kein Problem. Denn der CEO der Erdölförderfirma Terraoil rechnet die Kosten über die Firmenkasse wieder ab.

Terraoil will in Albanien Öl fördern. Der Hauptsitz in Zug finanziert mit dem Verkauf von Aktien das Betriebskapital für die Tochterfirma in Albanien, wo seit 2012 gebohrt werden soll.

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Finanzanalytiker und Investor Christian Dreyer: «Terraoil-Aktien lohnen sich nicht.»
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Zweifel an Geschäftsmodell

Nur: «Kassensturz» deckte schon vor einem Jahr auf, dass Terraoil Einnahmen aus Ölfeldern kalkuliert, die sie nicht besitzt und einen Firmenwert von mehreren 100 Millionen Franken vorgaukelt, obwohl der tatsächliche Wert nahe Null liegt.

Inzwischen gibt es gar Zweifel, ob in Albanien wirklich Öl gefördert wird: Zwar sind im Werbefilm Bilder von der Ölfförderung in Albanien zu sehen. Doch vom eigentlichen Terraoil-Ölfeld gibt es keine einzige Aufnahme, welche die Förderung zeigt. Auch auf Nachfrage von «Kassensturz» hat Peter Krempin keinen solchen Beleg geliefert.

Terraoil beschwindelte ihre Aktionäre von Beginn weg mit einer scheinbar genialen Erfindung: dem Hertel-Motor. Benannt nach dem Terraoil-Verwaltungsrat Wolfgang Hertel. Dank dieses Motors könne man parallel zu den Bohrungen das anfallende heisse Quellwasser nutzen und Strom erzeugen. CO2-neutral.

Verdacht arglistiger Täuschung

Doch die grossartige Innovation gab es nur auf dem Papier. Der Motor wurde nie gebaut. Der vermeintliche Erfinder Hertel sass schon vor seiner Zeit bei Terraoil kurze Zeit im Gefängnis – wegen Betrugs und dubioser Firmengründungen. Trotzdem verkaufte Terraoil weiterhin Aktien und vertröstete Aktionäre mit vermeintlichen Fortschritten.

«Dies könnte als arglistige Täuschung gesehen werden», sagt der auf Wirtschaftsrecht spezialisierte Anwalt Hans Hofstetter: «Wenn die Investorengelder nicht für Ausbau und Erweiterung dieser Produktionsanlagen gebraucht werden, weil sie gar nicht funktionieren, müsste man den Betrugstatbestand prüfen.»

Stellungnahmen

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Trotz mehrfachen Anfragen beantwortet Terraoil-CEO Peter Krempin keine einzige Frage von «Kassensturz».

Die Credit Suisse, Hausbank der Terraoil, schreibt: «Zu möglichen Kundenbeziehungen können wir uns nicht äussern. Geldwäscherei-Verdachtsfälle werden unter Einhaltung der gesetzlichen Vorschriften an die entsprechende Meldestelle des Bundes gemeldet. Hinweise dazu können unter anderem aus Kontotransaktionen oder aus öffentlich verfügbaren Informationen stammen.»

Was ein wenig nach einer Standard-Aussage klingt, hat einen guten Grund. Tatsächlich darf eine Bank keine Informationen ihrer Kunden preisgeben. Denn damit würde sie gegen das Bankengesetz verstossen, was ein Offizialdelikt wäre und automatisch zur Strafverfolgung führen würde.

Aus Terraoil nahen Kreisen weiss «Kassensturz», dass die Liechtensteinische Landesbank und auch die Revisionsstelle EY – früher Ernst & Young - die Kundenbeziehung zur Zuger Erdölförderfirma Terraoil beendet hat.

Banken in der Pflicht

Dann könnten auch die Banken in die Pflicht genommen werden. Denn Terraoil-Kontoauszüge der Credit Suisse und der Liechtensteinischen Landesbank, die «Kassensturz» vorliegen, weisen auffällige Transaktionen auf: Von Aktionären einbezahlte Gelder verschiebt Terraoil oft innert eines Tages zur Tochtergesellschaft nach Tirana oder bezahlt damit hohe Forderungen von albanischen Firmen. Vermutung: Das meiste Geld fliesst nicht in die Ölförderung, sondern verschwindet in undurchsichtigen Firmengeflechten in Albanien.

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Wirtschaftsprofessor Peter V. Kunz: «Banken müssen auch Medienberichterstattung beachten.»
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«Die kurze Verweildauer von Geld auf einem Konto ist problematisch», sagt Peter V. Kunz, Professor für Wirtschaftsrecht und Geldwäscherei-Experte. Dies sei zulässig, aber unüblich. «Wenn hunderttausende Franken auf ein Konto bezahlt werden und das Geld innert 24 Stunden wieder weggeht, muss die Bank nach dem Grund fragen.» Heisst: Eine Bank muss ihren Kunden auf die Finger schauen.

Gemäss Jahresbericht 2019 hat Terraoil von den einbezahlten 70 Millionen Franken bereits 40 Millionen verloren. Die Aktien sind praktisch wertlos geworden, der Totalausfall steht bevor. Hätten Banken eins und eins zusammengezählt und seltsame Überweisungen der Polizei gemeldet, wären Anleger vor dem sich abzeichnenden Totalverlust bewahrt worden.

Kassensturz, 15.06.2021, 21:05 Uhr

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