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Corona-Kredit: Credit Suisse zahlte dubioser Firma zu viel aus
Aus Kassensturz vom 22.12.2020.
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Terraoil Swiss AG Corona-Kredit: Credit Suisse zahlte dubioser Firma zu viel aus

Die CS zahlte einem guten Kunden einen viel zu hohen Covid-Kredit – offenbar kein Versehen und laut Insidern auch kein Einzelfall.

Die Mitteilung ist kurz, hat aber Zündstoff: «Die Staatsanwaltschaft des Kantons Zug führt gegen die von Ihnen erwähnte Person ein Strafverfahren wegen des Verdachts auf Betrug.» Die «erwähnte Person» heisst Peter Krempin. Er ist Chef und selber Grossaktionär der Terraoil Swiss AG. Die Zuger Staatsanwaltschaft ermittelt wegen des dringenden Verdachts, dass Peter Krempin ein Covid-19-Kredit-Formular falsch ausgefüllt und so eine halbe Million Franken ertrogen habe.

«Kassensturz» hatte Mitte Oktober aufgedeckt, dass Krempin überhöhte Umsatzzahlen ins Antragsformular geschrieben hatte. Beim mit Bundesgeldern abgesicherten Kredit wird maximal zehn Prozent vom letztjährigen Umsatz ausbezahlt. Gemäss Krempins Angaben, habe die Terraoil satte 21 Millionen Franken erwirtschaftet. Tatsächlich waren es 370'000 Franken.

Zehn Prozent davon, also 37'000Franken, hätte die CS gemäss Covid-Verordnung auszahlen dürfen. Überwiesen aber hat sie 500'000 Franken. Weshalb die CS 463'000 Franken zu viel bezahlt hat, will sie nicht sagen. «Zu möglichen Kundenbeziehungen können wir uns nicht äussern.»

«Bei Konkurs verliert auch die Bank Geld»

Nun zeigen weitere Recherchen: Laut Insidern aus der Bankenszene sei dies kein Einzelfall. Die CS habe bei Kunden bewusst zu viel Geld nachgeschossen. Aus Eigeninteresse, sagt einer: «Viele kleine Unternehmen haben bei der Bank einen Kredit. Wenn ein KMU Konkurs geht, verliert auch die Bank Geld. Was macht die Bank also? Sie stützt ihre Kunden grosszügig mit Bundesgeldern, steht damit in der Öffentlichkeit gut da und senkt erst noch ihr eigenes Risiko, dass sie Geld verliert, falls ihr Kunde wegen Corona Konkurs anmelden muss.»

Peter V. Kunz, Wirtschaftsrechtler an der Universität Bern, kennt den konkreten Fall nicht, sieht aber durchaus einen gewissen Interessenkonflikt bei der Kreditvergabe: «Wenn man quasi gratis, weil der Bund das gesamte Risiko trägt, dem KMU neue Gelder zur Verfügung stellen kann, verbessert dies deren Bonität und reduziert zugleich das Bankenrisiko.»

Die CS ist die Hausbank der Terraoil

Problematisch ist für den Professor für Wirtschaftsrecht aber, wenn eine Bank einen Kredit ungeprüft auszahlt, wenn sie den Kreditnehmer schon länger kennt: «Wenn eine Bank zum Beispiel weiss, welchen Umsatz der Kunde gehabt hat in den letzten paar Jahren. Oder ob er finanziell vor dem Konkurs steht, dann kann sie nicht einfach auszahlen.»

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Peter V. Kunz, Professor für Wirtschaftsrecht: «Merkt die Bank, dass bei der Selbstdeklaration etwas nicht stimmen kann, darf sie den Corona-Kredit nicht ausbezahlen.»
Aus Kassensturz vom 22.12.2020.
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Genau dies war aber bei der Terraoil und der Credit Suisse der Fall: Die CS ist seit Jahren die Hausbank der Terraoil. Sie kennt die Umsätze und deren Geldflüsse. Für 2020 und 2021 ist die CS an einer grösseren Geldbeschaffungsaktion als Partnerin der Terraoil beteiligt.

Stellungnahmen

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  • Credit Suisse

«Die Credit Suisse äussert sich nicht zu möglichen Kundenbeziehungen. Das Ziel des Covid-Kreditprogramms war es, Unternehmen schnell und unbürokratisch Liquidität zur Verfügung zu stellen. Es basiert auf dem Prinzip der Selbstdeklaration. Die Auszahlung der Kredite wurde von unseren Mitarbeitern streng nach den Vorgaben des Bundes und nach bestem Wissen vorgenommen. Bei Verdacht auf Missbrauch arbeiten wir konsequent mit den zuständigen Behörden zusammen. Der Vorwurf einer Gehilfenschaft zum Betrug entbehrt jeder Grundlage und wird von der Bank in aller Form zurückgewiesen.»

  • Terraoil Swiss AG

Die Terraoil schrieb bereits zum «Kassensturz» -Bericht Mitte Oktober: «Sie können davon ausgehen, dass wir uns an die gesetzlichen Vorgaben im Zusammenhang mit dem Covid-19-Kredit gehalten haben und halten werden.» Der Anwalt der Terraoil argumentierte zudem, dass der im Covid-Kreditantrag angegebene Umsatz von 21 Millionen Franken rechtens sei.

Weil die Terraoil beim Covid-Formular einen falschen Umsatz angab, hat die Staatsanwaltschaft Zug eine Strafuntersuchung eingeleitet. Dies könnte auch für die Hausbank Credit Suisse heikel werden: Peter V. Kunz sagt, dass Banken in einem solchen Fall auch Strafbarkeit droht. «Vor allem dann, wenn man aktiv mitgemacht hat oder zumindest gewusst hat, dass beispielsweise falsche Bilanzen vorliegen.» In einem solchen Fall könnte die Bank wegen Gehilfenschaft verantwortlich gemacht werden.

Sowohl Credit Suisse als auch Terraoil Swiss AG weisen sämtliche Vorwürfe des «Kassensturz» zurück (Siehe Stellungnahmen).

Kassensturz, 22.12.2020, 21:05 Uhr

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16 Kommentare

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  • Kommentar von Thomas Nitzsche  (Thomas N)
    Wie wäre es, wenn man einfach mal die übertragene Verantwortung wahrnimmt und das entgegengebrachte Vertrauen nicht missbraucht.
  • Kommentar von Walter Matzler  (wmatz)
    Die grossspurige Ansage unseres Finanzministers konkretisiert sich: Schnell und einfach, bis zu einer halben Million praktisch ohne Kontrolle weil der Bund garantiert. Das war mehr als nur eine Einladung an Betrüger. Wenn ich daran denke, dass ich mich bis zum letzten Franken rechtfertigen musste, weil ich die Hypothek abbezahlt habe, dreht sich in mir mein Magen.
  • Kommentar von Werner Vetterli  (KlingWe)
    Grobfahrlässigkeit, dh Regressrecht auf die Bank und ohne Ausnahme.
    Die Banken seien systemrelevant, also nehmen wir diese auch in die Verantwortung. Mit ihrem Geld hätten sie die Date überprüft.