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Immer mehr Satelliten umkreisen die Erde
Aus Rendez-vous vom 01.09.2020.
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Weltraumschrott ESA entwickelt einen Satelliten-Einsammel-Roboter

Die Europäer wollen das All von Weltraumschrott befreien. Denn in den nächsten Jahren kommen Tausende Satelliten hinzu.

Bis vor Kurzem kreisten nicht ganz 2000 aktive Satelliten um die Erde. Doch diese Zahl dürfte sich in den nächsten zehn Jahren wegen des boomenden Markts für Kleinsatelliten vervielfachen. So etwa hat das US-Unternehmen «Planet Labs» jüngst mehrere 100 schuhschachtelgrosse Erdbeobachtungssatelliten in den Orbit gebracht.

Auch «Space X» von Elon Musk hat die ersten 600 von mehreren Tausend geplanten tischgrossen Internet-Satelliten hochgeschossen.

53 Satelliten vor dem Start

Europa will nun nachziehen, wie Daniel Neuenschwander, Direktor für Raumtransport bei der Europäischen Weltraumorganisation ESA, erklärt: «Wir wollen mit unseren europäischen Raketen ein neues Angebot auf den Markt bringen, einen Standardservice.»

Diesen Standardservice dürfte es erst in fünf Jahren geben, doch diese Nacht ist der Auftakt dazu geplant: Ein Testflug mit 53 Kleinsatelliten von privaten Kunden und Hochschulen, die damit vor allem Erdbeobachtung betreiben wollen, etwa um das Klima besser zu verstehen und vorherzusagen.

Mit solchen Raketen werden die Satelliten ins All gebracht.
Legende: Die Europäische Weltraumagentur ESA will in den Markt mit Satelliten einsteigen. Diese Nacht startet in einer Testmission eine europäische Rakete mit mehreren Dutzend Kleinsatelliten an Bord ins All. Keystone

Der Test soll zeigen, dass ein neu entwickeltes Gerät funktioniert. Dieses Gerät trägt die unterschiedlich grossen Satelliten und kann je nach Bedarf aus unterschiedlichen Teilen zusammengesetzt werden.

Es sitzt zuoberst in der Rakete, und kann mehrere Kleinsatelliten gleichzeitig ins All spedieren – jeweils in unterschiedlichen Höhen.

Immer mehr billige Transportflüge

Die ESA und das Unternehmen Ariane Espace passen sich so an den neuen Satellitenmarkt an. Die Satelliten werden kleiner und die Technologie wird billiger, so Neuenschwander. Neuenschwander erläutert dies mit einem Vergleich: «Wenn wir für einen Flug nur Economy-Passagiere haben, ergibt es keinen Sinn, nur Business-Sitze anzubieten.»

Immer mehr Economy-Flüge zeichnen sich also auch bei Satellitentransporten ab. Mehr günstige Flüge bedeuten aber auch, dass die Gefahr für Weltraumschrott steigt, wie Astronom Thomas Schildknecht von der Universität Bern sagt.

Aus Satelliten werden Trümmerteile

Die Experten rechnen damit, dass viele der neuen Kleinsatelliten am Lebensende weiter im Erdorbit kreisen, wo sie für immer mehr Kollisionen und Trümmerteile sorgen, so «dass in einigen Jahren Weltraumfahrt nicht mehr vernünftig zu betreiben ist».

Neuenschwander von der ESA betont allerdings, dass sie an einem Konzept arbeiteten: «Wenn wir einen Satelliten hochbringen, nehmen wir auch gleich einen alten wieder runter.»

Für die, die nicht wieder verglühen, entwickelt die ESA zurzeit einen Einfangroboter, der aktiv alte Satelliten zur Erdatmosphäre zum Verglühen bringen wird. Das sei allerdings extrem teuer, sagt Thomas Schildknecht.

Entsorgungsregeln für Satellitenbetreiber

International gesehen sei eine andere Massnahme die wichtigste: «Wir müssen Regeln haben, die die Betreiber schon vor dem Start dazu zwingen, dass sie ihre Satelliten nicht oben lassen. Die Satelliten müssten manövrierfähig sein oder von Anfang an auf so tiefe Umlaufbahnen gebracht werden, dass sie nach der aktiven Phase absinken und verglühen.»

Doch noch ist der Leidensdruck in Sachen Weltraumschrott zu wenig gross, als dass alle Raumfahrtakteure sich auf verbindliche Entsorgungsregeln einigen würden.

Video
Der Satellitenverkehr im Weltall ist kaum geregelt
Aus SRF News vom 17.05.2020.
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Rendez-vous vom 01.09.2020, 12:30 Uhr

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7 Kommentare

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  • Kommentar von Martin Hofer  (MartinSurfeu)
    Um den Weltraum militärisch zu nutzen, muss auch der Schrott da oben entfernt werden. Wenn die Grossmächte ihr Satellitennetzwerk bauen wollen, möchten sie den Zusammenstoss mit Schrott vermeiden. Woher kommen wohl die benötigten Rohstoffe - vom Mond oder doch eher aus Sibirien, Australien, dem ehemaligen Regenwald des Amazonas oder Zentralafrikas ?
  • Kommentar von Andy Gasser  (agasser)
    Alle grossen Raumfahrtnationen sind sich des Problem bewusst und versuchen auch, neuen Weltraumschrott zu vermeiden. Es sind vor allem Altlasten aus den letzen paar Jahrzehnten, die heute Probleme verursachen. Alles was jetzt in den LEO geschossen wird, ist darauf ausgelegt auch wieder zu verglühen. Doch gerade die Altlasten könnten durch Kollisionen eine regelrechte Kettenreaktion auslösen und auch neue Satelliten zu Weltraumschrott werden lassen.
    1. Antwort von Max Wyss  (Pdfguru)
      @agasser: Weltraumschrott vermeiden??? und dann lässt man diesen Musk Schrott zu hunderten hochschiessen…
  • Kommentar von Philipp Schmitter  (PS2000)
    Spannend, genau diese unternehmen sind wahrscheinlich steuerbefreit. Nun zahlts der normalo mit seinen steuern.