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Investementbanker wechseln von «Shit-Business zu Shit-Business»
Aus SRF 4 News aktuell vom 26.02.2021.
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«Wir sind Corona-Gewinner» Zwei Schweizer erobern Thailand mit Toiletten

Viele Unternehmen leiden in der Coronakrise. Nicht so Mister Loo. Das Start-up wurde vor fünf Jahren von zwei Investmentbankern gegründet.

Im Bangkoker Chinatown ist es laut und heiss. Hier preisen Verkäufer lauthals gebratene Enten, getrocknete Pilze und vergoldete Buddhastatuen an. Der Kontrast zu Mister Loos Toilettenanlage, die sich hier in einem Einkaufszentrum befindet, könnte kaum grösser sein.

Bei sanfter Musik und gekühlter Luft schrubbt eine Putzfrau die bereits blitzblanken Böden, Toiletten und Lavabos. Eine Angestellte eines Restaurants hat eben ihr Geschäft verrichtet, sie komme dafür immer zu Mister Loo, obwohl sie hier 10 Baht, rund 30 Rappen, bezahlen müsse. «Zuerst dachte ich, dass es ganz schön teuer ist. Aber dann sah ich, wie unglaublich sauber hier alles ist. Die 10 Baht sind es mir wert», sagt sie.

Frau mit rotem Poloshirt vor Toilettentür
Legende: Der regelmässigen Nutzerin von Mister Loo sind es die umgerechnet 30 Rappen wert. SRF/Karin Wenger

Die beiden Schweizer Dominik Schuler und Andreas Wanner hatten ihre eigenen Erfahrungen mit schmutzigen Toiletten in Asien gemacht. So entstand die Idee für ihr Start-up Mister Loo, professionell geführte Toilettenanlagen in Asien. Denn in Thailand betreiben meist Familien öffentliche Toiletten. Standards und Sauberkeit lassen oft zu wünschen übrig.

Die Mittdreissiger gaben ihre lukrativen Jobs als Investmentbanker auf und wechselten, wie Wanner sagt, «vom Shit-Business to Shit-Business». Auch dieses Geschäft ist ein lukratives. Ihre bislang 40 Toilettenanlagen an Märkten, Bootsanlegestellen, in Einkaufszentren und bei Touristenattraktionen werden täglich von 12'000 Personen aufgesucht.

Schuler und Wanner vor Eingang von Mister-Loo-Anlage
Legende: Schuler (links) und Wanner, einst Investmentbanker, haben ihr eigenes Business aufgezogen. SRF/Karin Wenger

15 Rappen kostet der Besuch in einer normalen Anlage von Mister Loo, 30 Rappen in einer, in der es auch Klimaanlage und Zusatzdienstleistungen wie Gesundheitschecks gibt. Zu Beginn hätten sie noch mit misstrauischen Behörden und gegen private Konkurrenten gekämpft, sagt Wanner.

Das habe sich in Zeiten von Corona geändert. «Wir sind Corona-Gewinner, weil das Bewusstsein generell für Hygiene zugenommen hat. Wir sehen das aber auch an den höheren Besucherzahlen auf unseren Anlagen, und weil uns Behörden und Private proaktiv angehen.» Die Jungunternehmer haben nun begonnen, nach Vietnam, Indonesien und in die Philippinen zu expandieren.

Piktogramme an einer Wand mit dem Angebot der Anlage
Legende: In einigen Anlagen werden auch Gesundheitschecks wie Blutdruckmessen angeboten. SRF/Karin Wenger

Sie wollten eine Art Starbucks oder McDonalds im Toilettengeschäft in Asien werden, sagt Schuler. «Wir sprechen hier in Asien von über vier Milliarden Einwohnern. Das Marktpotenzial gegenüber Europa ist somit natürlich extrem hoch.» Denn die Mittelschicht wächst. Und diese will auch im öffentlichen Raum ein sauberes, klimatisierte Örtchen aufsuchen können.

SRF 4 News, 26.02.2021, 06:10 Uhr

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21 Kommentare

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  • Kommentar von Charles Grossrieder  (View)
    Überraschend keine Kommentare von der dominierenden Seite zu „Mister Loo“. Wohl weil dies eher mit nicht duftendem Material zu tun hat?
    In CH müssten die Toiletten mindestens „Miss/ter Loo“ oder „MissTer Loo“ oder ähnlich heissen. Was aber in Thailand noch eher als Schreibfehler angesehen würde.
  • Kommentar von Barbara Jermann  (BarbaraJ)
    Warum so teuer ? Echt jetzt. Wenn Ihr wirklich was Positives tun wollen würdet und nicht nur eben Shit-BUSINESS betreiben wolltet, dann würdet Ihr den Preis lokal anpassen. Und wieviel verdienen die Angestellten ? Lokal angepasst ? Das hätt ich gerne gewusst.
    1. Antwort von Takeshi Kovacs  (Envoy)
      Ich wurde schon skeptisch als ich las, dass die beiden Investment Banker sind/waren. Wäre doch zu schön gewesen, wenn Investment Banker mal etwas ethisches getan hätten.

      Schlussendlich gehts an erster Stelle wohl doch wieder ums Geld.

      So Sachen machen mich einfach wütend. Reiche Schweizer bauen in Thailand ein Business auf und machen prompt wieder, was reiche Menschen halt tun. Nämlich, einfach noch weiter zu profitieren.
    2. Antwort von Benno Hauser  (Bhousi)
      Das Gym-Abo der beiden Herren muss ja auch irgendwie bezahlt werden...
    3. Antwort von Roger Ebischer  (RO.Ebi)
      Warum so teuer? Lustigerweise bemängeln Sie die teuere Benutzungsgebühr der Toilette, vergessen aber dass die Toiletten auch von Personen gereinigt werden muss, die auch einen guten Lohn bekommen möchten. Was denken Sie, nur weil Sie Ex Banker oder Aussteiger sind, muss man etwas gratis anbieten?
    4. Antwort von Charles Grossrieder  (View)
      15 Rp entspricht +- 5 THB, das ist sehr angemessen vor allen in BKK.
      Wird auch auf allen, nicht ganz so sauberen, privat Toiletten verlangt, auch auf dem Lande. Zudem mühen sich die Tankstellen Anbieter immer modernere und saubere Toiletten einzurichten, welche frei sind. Alle modernen Einkaufszentren haben saubere freie Toiletten mit A/c.
      Man hat also die Wahl.
      Die Niche für Mister Loo ist sicher auch da in einigen städtischen Gegenden.
  • Kommentar von René Lüthi  (Ron)
    Investment Banker. Unsere Gesellschaft hat diesen Beruf erschaffen. Tragen wir es also mit Fassung oder ändern das System.