Für viele Kinder ist der Sandkasten ein Highlight auf dem Spielplatz. Mit Schaufeln, Bagger oder den blossen Händen graben sie sich durch den Sand. Eine Mutter aus Rapperswil (SG) hat sich den Sand mal genauer angeschaut und fragt sich: «Gibt’s diesen Sand so in der Schweiz? Ich hoffe schon!»
Die Antwort lautet: ja. Und ein klein wenig: nein. Ja, weil die Komponenten für den Spielsand mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit aus der Schweiz kommen. Nein, weil es den Sand so – genau so – nicht in der Natur gibt. Er wird in einem Kieswerk extra für den Spielplatz zusammengemischt.
Sand aus Zeiten der Gletscher
Vor etwa 20'000 Jahren haben Gletscher Sand und Kies von den Alpen ins Mittelland gebracht. Heute bauen Dutzende Unternehmen in etwa 600 Kiesgruben dieses Gletschergeschiebe wieder ab. Das Meiste wird für den Strassenbau und die Herstellung von Beton gebraucht. Die Schweiz deckt ihren Bedarf an Kies und Sand zu gut 90 Prozent aus inländischem Abbau.
Erst trennen, dann mischen
Im Kieswerk werden grössere Steine, Kies und Sand mit Sieben voneinander getrennt. Zusätzlich wird das Material gewaschen, um Lehm und Silt – ein pulverförmiger Anteil – loszuwerden, die man in der Betonproduktion nicht brauchen kann.
Diese klebrigen, bei Nässe teigigen Anteile sind aber für den Spielsand wichtig: «Um schöne Sandförmchen zu machen, die auch stehen, braucht es natürlichen Klebstoff. Also Ton und Silt», sagt Jürg Wyss, Geschäftsleiter der Firma Baustoffzentrum in Gunzgen (SO). Zu viel davon dürfe es aber auch nicht sein. «Am Schluss klebt alles und wird teigig. Da können Sie direkt Dreck nehmen.» Im Kieswerk werde deshalb nach Rezept der Spielsand zusammengemischt.
Gelb wie am Strand
Bleibt noch die Frage nach der Farbe. Das sei abhängig davon, in welcher Region der Sand abgebaut wird, erklärt Jörg Wyss: «In manchen Gegenden ist der Sand eher grau. In unserer Gegend haben wir Kalkeinfluss. Kalk ist gelb und in der ganzen Mischung erscheint der Spielsand dann hellbraun.» Und je nachdem, wie nass oder trocken der Sand ist, ändert die Farbe. Und natürlich auch seine Formbarkeit, wie jedes Sandkastenkind weiss.