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Ein Rundgang durch Bern mit der Stiftung Cooperaxion
Aus Regionaljournal Bern Freiburg Wallis vom 23.06.2020.
abspielen. Laufzeit 08:43 Minuten.
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Rundgang in Bern Wo der Sklavenhandel seine Spuren hinterliess

Die Schweiz hatte keine Kolonien? Mag sein, trotzdem war die Stadt Bern auch an der Ausbeutung beteiligt. Ein Rundgang.

Die Spuren der Kolonialzeit sind auch heute noch sichtbar, man muss nur wissen, wo. Die Stiftung Cooperaxion bietet seit Jahren in Bern Führungen an, bei der man die Kolonialgeschichte Berns entdeckt. Karl Rechsteiner zeigt uns mehrere Schauplätze in der Stadt und erklärt die Geschichte dahinter.

Der Holländerturm

Der Holländerturm steht auf dem Waisenhausplatz in der Berner Altstadt.
Legende: Der Holländerturm steht auf dem Waisenhausplatz in der Berner Altstadt. Hier konnten Berner früher heimlich rauchen. Andrea Abbühl/SRF

Der Turm am Waisenhausplatz ist Teil einer alten Befestigungsanlage und gehörte lange Holländern. Die Niederlande waren besonders im 17. Jahrhundert eine der bedeutendsten Kolonialmächte der Welt. Übersee lernten sie auch das Tabaktrinken, so sagte man dem Rauchen damals. In Bern war das Rauchen verboten, deshalb trafen sich die reichen Berner damals bei den Holländern im Turm um heimlich dennoch zu paffen.

Die Berner waren offensichtlich sehr gut mit den Holländern vernetzt. Beim gemeinsamen Rauchen blieb es nicht. Reihenweise schickten die Berner Truppen von Schweizer Söldnern in die Kolonien Hollands, in Zentral- oder Südamerika beispielsweise. Dort halfen die Söldner mit, Sklavenaufstände niederzuschlagen, erklärt Rechsteiner. Das Söldnerwesen hat also entscheidend mitgeholfen, das Kolonialwesen am Leben zu erhalten. Und die Berner Auftraggeber machten derweil ein gutes Geschäft.

Die Colonial Bar

Die Buchstaben der Bar wurden kürzlich abmontiert.
Legende: Früher war hier ein Kolonialwarenladen, heute die «Colonial Bar». Die Buchstaben wurden kürzlich abmontiert. Keystone

Früher war in diesem Gebäude ein Kolonialwaren-Laden. Verkauft wurden neben Kaffee auch andere koloniale Produkte: Zucker, Mais, Kartoffeln, Kakao und mehr, was das Kochen im 19. Jahrhundert zu einem ganz neuen Erlebnis machte.

Was Geranien mit den Kolonien zu tun haben

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Geranien an einem Haus.
Legende:Keystone

Berner Söldner standen oft im Dienste der Holländer. Diese brachten sie auch nach Südafrika ans Kap der Guten Hoffnung. Dort sahen die Berner erstmals die schönen, roten Geranien und fragten, ob sie diese nach Hause schicken konnten.

In Bern waren dann nicht die Patrizierherren für die Anpflanzung zuständig, sondern Frauen, viele davon aus dem Emmental. Geschickt wie sie waren, zweigten sie sich einige Wurzeln ab und sääten diese bei sich zu Hause ebenfalls an. So wurde das Emmental im Nu zum «Land der Geranien».

Wer diese Produkte aus den Kolonialläden angebaut hat? Versklavte Menschen, verschleppt aus Afrika. Zum Beispiel in Surinam, einem Staat im Norden Südamerikas. Dort hatten auch Schweizer eigene Plantagen, waren also selbst auch Sklavenhalter, so Rechsteiner.

Das sieht man zwar heute nicht mehr, wenn man die Bar anschaut. Auch der Kaffee wird mittlerweile mit fairem Label hergestellt. «Colonial» als Namen könne aber problematisch sein, insbesondere, weil man in der Werbung früher immer mit dem «Charme» der Kolonie gespielt habe und dabei verdrängt habe, dass ganz viele Menschen verschleppt und versklavt wurden.

Die Zunft zum Mohren

Das Wappen der Zunft sorgt für viel Kritik.
Legende: Das Wappen der Zunft sorgt für viel Kritik. Die Zunft hat bisher weder Namen noch Logo gewechselt. Andrea Abbühl/SRF

In der Kramgasse steht ein Haus mit der Aufschrift «Zunft zum Mohren». Beim einen Eingang prangt das Logo, auf der anderen Seite steht eine Statue. Die Zunft zum Mohren war einst die Zunft der Handwerker. Das Logo sei deshalb problematisch, weil es einen Mann afrikanischer Herkunft stereotypisch zeigt als «wilden Mann», erklärt Karl Rechsteiner. Es gab einen eigenen wissenschaftlichen Zweig, der versuchte, Rassismus wissenschaftlich zu begründen, zum Beispiel, dass Weisse schlauer seien als Schwarze.

Die Statue eines kriegerischen schwarzen Königs wurde mittlerweile verhüllt.
Legende: Die Statue eines kriegerischen schwarzen Königs wurde mittlerweile verhüllt. Keystone

Seit Jahren wird die Zunft für ihren visuellen Auftritt immer wieder kritisiert. Das umstrittene Logo ist auch heute noch zu sehen, die Statue hingegen wurde vor Kurzem verhüllt.

Nicht vergessen, aber auch nicht diskriminieren

Das Interesse an der Kolonialgeschichte der Schweiz sei so gross wie noch nie, so Karl Rechsteiner von der Stiftung Cooperaxion, die Stadtführungen anbietet.

Er wünscht sich, Lösungen zu finden für das heutige Zusammenleben. Einerseits dürfe man die Geschichte nicht vernichten und somit vergesse, was hier früher geschah, andererseits müsse man Menschen mit dunkler Haut unbedingt Respekt entgegenbringen und somit störende Symbole kontextualisieren.

Regionaljournal Bern Freiburg Wallis, 12:03 Uhr ;

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22 Kommentare

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  • Kommentar von Franz NANNI  (igwena ndlovu)
    ..............zum Beispiel, dass Weisse schlauer seien als Schwarze..............Meine Frau, schwarz (und schoen) hat einen IQ von 164.. also wie einst Einstein (161)....... Intelligenz und Wissen sind zwei paar Schuhe... Es gibt viele Menschen die Zugang zu Bildung hatten und deshalb glauben sie seien viel intelligenter als Andere.. mit weniger Bildung.. und das zu glauben ist eben richtigerweise..Dumm...
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  • Kommentar von Sivakaran Kanesan  (karan)
    Die Ausbeutung ist immer noch aktuell, unsere Kleider vom Bangladesh
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    1. Antwort von Konrad Schläpfer  (Koni)
      Dann kauft doch keine Kleider mehr aus Bangladesh, dann haben diese Leute gar nichts mehr.
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    2. Antwort von Henriette Rub  (Sylou)
      Das stimmt teilweise, ist aber keine Lösung.
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  • Kommentar von Matthias Schönenberger  (matthisch)
    Die Statue des stigmatisierten Afrikaners empfinde ich echt nicht als diskriminierend. Ich finde sie eher anmutend. Es ist nicht die klassische Stigmatisierung, sondern eher ein afrikanischer Krieger in traditioneller Kluft. Genau so müsste man dann ja auch alle Statuen in hiesigen traditionellen Bekleidungen entfernen, weil diese als "stigmatisierend" gelten. Das Logo der Zunft zum Beispiel, ist hingegen wieder fragwürdiger, weil es wirklich dern stigmatisierten Kopf eines "Mohren" abbildet.
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    1. Antwort von Raphael Urweider  (Raphael Urweider)
      Lieber Matthias Schönenberger
      ohne ihnen etwas unterstellen zu wollen, gehe ich davon aus, dass sie ein weisser Mann sind. Deshalb ist ihr empfinden dieser Statue gegenüber sekundär, da es bei dieser Frage nicht um sie und ihr Empfinden geht. People of Colour haben gegenüber solchen Darstellungen andere Empfindungen und sie sollten entscheiden, was diese Statue auslöst. Nicht wir beiden...
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    2. Antwort von Jonas Sanddorn  (Sanddorn)
      @Entschuldigung Herr Urweider aber jede Person darf fühlen, wie sie fühlt. Auch Herr Schönenberger hat dieses Recht.
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    3. Antwort von Pascal Odermatt  (PDOdermatt)
      Ich stimme Herr Urweiider zu, es kommt nicht wirklich darauf an wer es nicht diskriminierend findet, sondern ob es jemand diskriminierend findet. Nur weil eine Gruppe etwas (nicht ganz überraschend) nicht diskriminierend findet, heisst das ja nicht, dass eine andere Gruppe (vlt auch nicht ganz überraschend) es diskriminierend finden. Und Diskriminierung gehört aus der Welt geschafft.
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