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Wegen Umgang mit Bodypackern Kritik an Oberwalliser Grenzwächtern

Die Grenzwacht ordnete im Verdachtsfall grosszügig Computertomographien an – auch bei Schwangeren. Meist unnötig.

Röntgenaufnahme eines Bodypackers.
Legende: Oberwalliser Grenzwächter hätten beinahe systematisch Verdächtige zum Röntgen ins Spital geschickt, so der Vorwurf. Darunter sogar schwangere Frauen. Keystone/Salvatore Di Nolfi

Bei den sogenannten Bodypackern handelt es sich um Drogenschmuggler mit einem ungewöhnlichen Versteck. In kleinen Päckchen (auch Fingerlinge genannt) verschlucken die Schmuggler ihre Ware, um sie über die Grenze zu bringen. So werden die Drogen nicht nur unsichtbar für Grenzwächter, sondern auch geruchsresistent gegenüber schnüffelnden Hunden.

In der Regel werden die Schmuggler in der Personenkontrolle vom Grenzwachtkorps angehalten und bei erhärtetem Verdacht für eine Röntgenuntersuchung ins Spital geschickt.

Systematische Kontrollen?

Wie jedoch ein kürzlich publizierter Bericht der Nationalen Kommission zur Verhütung von Folter zeigt, haben die Oberwalliser Grenzwächter beinahe systematisch Verdächtige zu einer Computertomographie ins Spital geschickt.

9 von 10 sind unschuldig

  • Zwischen Anfang 2016 und Herbst 2017 wurden 226 mutmassliche Bodypacker in die Röhre geschickt.
  • Lediglich 21 stellten sich tatsächlich als Bodypacker heraus. Dies zeigen Zahlen der Eidgenössischen Zollverwaltung, welche «watson.ch» veröffentlichte und die dem Regionaljournal vorliegen.

Angesichts dieser neunprozentigen Erfolgsquote ist die Kommission der Auffassung, dass es beim Grenzwachposten Oberwallis zu Fehleinschätzungen gekommen ist und damit zu unnötigen Verletzungen der körperlichen Integrität.

Auch bei der Eidgenössischen Zollverwaltung ist man der Ansicht, dass die Trefferquote im Oberwallis zu tief ist. «Wir haben aber bereits Optimierungsmassnahmen getroffen», hält Sprecher David Marquis fest.

Und zwar gleich schweizweit und nicht nur im Oberwallis. Es werde ein Controlling eingeführt und die Überweisung ins Spital müsse ab jetzt schriftlich durch einen Kaderpikett angeordnet werden.

Röntgen auch bei Schwangeren

Die Kommission zur Verhütung von Folter kritisiert weiter, dass auch bei mehreren Schwangeren Computertomographien angeordnet worden sein sollen – ein Risiko für das ungeborene Kind. Die Grenzwacht hält fest, es gehöre zur Sorgfaltspflicht des Arztes, zuerst den Gesundheitszustand des Patienten abzuklären.

Das Spitalzentrum Oberwallis gibt seinerseits zu, dass es zumindest in einem Fall zu einer Computertomographie bei einer Schwangeren kam. «Es wurde schlicht und einfach vergessen, vor dem CT einen Schwangerschaftstest durchzuführen», sagt Andreas Frasnelli, Chefarzt der Notfallstation im Spitalzentrum Oberwallis. Nun habe man jedoch Massnahmen getroffen.

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13 Kommentare

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  • Kommentar von Tom Duran (Tom Duran)
    Würde man Drogen anstatt zu verteufeln erlauben und die Bevölkerung mittels Aufklärung über deren Gefahren schützen, könnte man Millionen sparen. Das ist aber nicht gewollt, man muss ja zeigen, dass der Staat die Menschen kontrolliert. Und offensichtlich, dass ist äusserst erschreckend, wollen die Schweizer auch massiv kontrolliert werden.
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  • Kommentar von Jürg Brauchli (Rondra)
    Ich vermute stark, dass die bestens informierten Hintermänner genau aus dem Grund Schwangere anwerben. Ob den Frauen, die sich allenfalls dazu hergeben, das Kindswohl auch so am Herzen liegt?
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    1. Antwort von Hanspeter Müller (HPMüller)
      Wer sagt denn, dass die Schwangeren überhaupt geschmuggelt haben und nicht zu den über 200 Unschuldigen gehörten?
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  • Kommentar von M. Roe (M. Roe)
    Man sollte diese Leute einfach 2 bis 3 Tage in Haft nehmen, bei gutem gratis Essen. Dann würden die Schwangeren nicht gefährdet. Diejenigen mit dem Kokain im Bauch schon, und das sollte uns egal sein. Wenn wir diese Leute auch noch schützen, gibt es immer mehr davon. Sobald wir sie nicht mehr schützen, gibt es von einem Tag zum andern keine "Kokain im Bauch" Transporteure mehr. Warum sind wir eigentlich so dumm, und unterstützen den ganzen Drogenmarkt?
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    1. Antwort von Hanspeter Müller (HPMüller)
      Frau Roe, Kokainschmuggler mit geplatzten Paketen im Bauch sterben regelmässig weltweit. Das hat noch nie jemanden gestoppt. Viele der Schmuggler sind Frauen, die gezwungen werden. Und jenen, die sie zwingen ist es reichlich egal, ob die Frauen dabei überleben oder nicht. Hauptsache der Stoff kommt an. Und Sie wissen schon, wie viel es uns Steuerzahler kostet, 200 Unschuldige für 3 Tage ohne rechtliche Grundlage in Untersuchungshaft zu nehmen und dann zu entschädigen?
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