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Interview mit Michael Kugler, St. Galler Amt für Natur, Jagd und Fischerei
Aus Regionaljournal Ostschweiz vom 20.06.2019.
abspielen. Laufzeit 06:51 Minuten.
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Fischerei Bodensee «Dramatischer» Rückgang bei den Felchen

Die Berufsfischer am Bodensee haben weiter zu kämpfen. 2018 waren die Fangzahlen bei den Felchen auf einem Rekordtief.

So wenig Felchen wie im 2018 haben die Berufsfischer im Bodensee seit Beginn der Statistik im Jahr 1910 noch nie gefangen. Rund 127 Tonnen Felchen wurden aus dem See gezogen, 35 Prozent weniger als im Vorjahr.

Dieser Rückgang sei dramatisch, teilt die Internationale Bevollmächtigtenkonferenz für die Bodenseefischerei IBKF mit. Zumal der Bodenseefelchen der wichtigste Wirtschaftsfisch im Bodensee ist. Insgesamt liege das Fangjahr 2018 mit einer Fangmenge von 263 Tonnen Fisch nur zwei Tonnen unter dem «historisch niedrigen Wert» von 2015.

Nährstoffgehalt, Eindringlinge und Kormorane

Das Problem der Fische im Bodensee sei vielschichtig, sagt Michael Kugler vom St. Galler Amt für Natur, Jagd und Fischerei. Seit einigen Jahren gebe es weitere «Nutzer» im See. So komme beispielsweise der Stichling seit 2013 «in Massen» vor. Der kleine Fisch ist ein Nahrungskonkurrent der Felchen und frisst deren Eier und Larven.

Auch der niedrige Nährstoffgehalt im Bodensee macht den Fischen zu schaffen, aber auch die aus dem Schwarzmeergebiet stammende Quagga-Muschel. Diese Neozoe reduziert durch ihre Filtrationstätigkeit die Planktonverfügbarkeit im Bodensee und damit die Nahrungsgrundlage der Fische.

Ein weiteres Problem der Fische ist der Kormoranbestand am Bodensee. Die Fischentnahme durch die Vögel beziffert die IBKF auf jährlich mindestens 300 Tonnen. Demnach frassen die Kormorane 2018 mehr Fische, als die Berufsfischer fingen.

Keine Besserung in Sicht

Massnahmen um den Fischbestand im Bodensee zu erhöhen, seien kaum möglich, sagt Michael Kugler vom St. Galler Amt für Natur, Jagd und Fischerei. Eindringlinge wie die Quagga-Muschel seien nicht mehr aus dem See zu bekommen. «Man muss präventiv wirken und schauen, dass nicht noch weitere neue Arten in das System gelangen», sagt Kugler.

Beim Problem der Kormorane verweist Kugler auf ein internationales Kormoranmanagement rund um den See. Die Vögel hätten ihre Berechtigung, man müsse aber schauen, welchen Bestand der See verträgt und entsprechende Abmachungen treffen.

Eine Besserung der Situation rund um den Fischbestand im Bodensee sieht Kugler indes nicht. Nicht zuletzt, weil auch der erwartete Klimawandel den Fischen weiter zusetzen dürfte. «Wir gehen in der Fischerei davon aus, dass die hohen Werte wie vor 2010 nicht mehr erreichbar sind», sagt Kugler.

Barsch-Bestand wächst

Während der Bestand vieler Fischarten im Bodensee zurückgeht, wächst die Barsch-Population. 2018 wurde beim Barsch, auch Egli oder Kretzer genannt, mit 70 Tonnen ein deutlich höherer Ertrag erzielt. Offensichtlich habe der Fisch vom heissen Sommer 2018 profitiert, teilt die IBKF mit. Der Barsch sei kannibalistisch, erklärt Michael Kugler. Wenn grosse Jungbestände vorhanden seien, fresse der Barsch seine Artgenossen und werde dadurch schneller gross.

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