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Legende: Audio Den Berufsfischern schwimmen die Fische davon abspielen. Laufzeit 06:16 Minuten.
06:16 min, aus SRF 4 News aktuell vom 31.01.2019.
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Zu wenig Sauerstoff in Seen Die Berufsfischer bangen um ihre Zukunft

Die Hälfte der grössten Schweizer Seen erfüllt die Gewässerschutzverordnung punkto Sauerstoffkonzentration nicht. Grund sind Pestizide und Düngemittel aus der Landwirtschaft, Gewässerkorrekturen und zunehmend steigende Wassertemperaturen. Die aktuelle Situation gefährdet die Existenz mancher Berufsfischer, wie der Geschäftsführer des Schweizerischen Fischereiverbands erklärt.

Philip Sicher

Philip Sicher

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SRF News: Wieso leiden die Fische in den Schweizer Gewässern?

Philip Sicher: Wenn die Sauerstoffkonzentration zu gering ist, wird das für die Fische zum Problem. Das betrifft auch die Fischeier, die sich nur mit genügend Sauerstoff im Wasser zu Fischen entwickeln können. Zu wenig Sauerstoff wirkt sich in den Fischbeständen sofort negativ aus.

Am Boden der Seen hat es zu viele organische Nährstoffe, die bei ihrem Zerfall dem Wasser Sauerstoff entziehen. Was kann man dagegen tun?

Da gibt es nur ein Mittel dagegen: Die in die Seen eingebrachten Düngemittel müssen verringert werden. Ein Grossteil stammt aus der Landwirtschaft, aber auch Siedlungsabwässer, die vor dem Rückfluss in Flüsse und Seen zu wenig gut gereinigt werden, sind dafür verantwortlich.

Es ist schwierig, etwas gegen die zu warmen Gewässer zu tun.

Ein weiteres Problem ist die zu hohe Wassertemperatur: In warmem Wasser löst sich weniger Sauerstoff als in kaltem Wasser. Als Folge davon kriegen die Fische Probleme. Was kann man dagegen tun?

Manche Fischarten wie der Karpfen oder der Hecht lieben warmes Wasser. Doch andere Fische, wie etwa die forellenartigen – zu ihnen gehören auch die von den Berufsfischern in den Seen stark genutzten Felchen –, haben mit warmem Wasser ein Problem. Da der Klimawandel für die steigenden Gewässertemperaturen verantwortlich ist, ist es schwierig, dagegen etwas zu unternehmen. Wichtig wäre etwa, die Flüsse und Ufer durch geeignete Vegetation zu beschatten.

Für manche Berufsfischer wird es in Zukunft schwierig, sich ein Einkommen zu sichern.

Was bedeutet die aktuelle Gewässersituation für den Berufsstand der Fischer?

Wenn es weniger Fische in den Gewässern gibt, fangen auch die Berufsfischer weniger, was sich negativ auf ihr Einkommen auswirkt. Wenn die Entwicklung so weitergeht, wird es für manche Berufsfischer in Zukunft schwierig, sich ein Einkommen zu sichern. Allerdings ist die Situation je nach Gewässer unterschiedlich. Während die Probleme etwa im Bodensee schon heute akut sind, verzeichnen die Fischer in anderen Seen immer noch gute oder sogar sehr gute Erträge.

Gefangene Egli hängen in einem Netz.
Legende: Ein guter Egli-Fang: Davon träumen manche Berufsfischer – während andernorts der See immer noch solche Fänge hergibt. Keystone

Können die Fischer etwas gegen die Probleme unternehmen?

Viel mehr als zu versuchen, die Fische aus heimischen Gewässern besser zu vermarkten, bleibt den traditionellen Berufsfischern kaum. Denn sie können nicht mehr Fische fangen, als der See hergibt. Danach müssen sie sich richten. Daneben gibt es neue Möglichkeiten – etwa, Fische in Aquakulturen mit frischem Seewasser zu produzieren. Teilweise wird das in der Schweiz bereits gemacht.

Die Probleme müssen an der Quelle angegangen werden – das ist sehr langwierig.

Gibt es etwas, das die Politik machen kann, um die Bedingungen für Fische und Fischer zu verbessern?

Um den Lebensraum für die Fische zu verbessern, muss die Politik mehr Geld in die Umsetzung und in die Forschung zu stecken. Wir stehen erst am Anfang davon, überhaupt zu verstehen, wo die Probleme liegen. Diese müssen an der Quelle angegangen werden, beispielsweise bei der Düngemittel-Einbringung durch die Landwirtschaft. Hier Änderungen zu erreichen ist allerdings langwierig. Auch die Probleme infolge zu wenig gut geklärter Abwässer oder wegen Wasserkraftwerken lassen sich nicht einfach und rasch lösen.

Das Gespräch führte Marc Allemann.

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25 Kommentare

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  • Kommentar von Sascha Freitag  (SF)
    Es gab schon Berichte in der Vergangenheit, wo das Wasser aus den Kläranlagen zu sauber war für die Fische. Jetzt soll es schlecht sein. Das soll einer verstehen?!
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  • Kommentar von Maurus Räss  (MRaess)
    @Beppie
    Es mag sein, dass das Fleisch schwach ist. Das ist aber kein Grund, um es nicht zu versuchen. Reden alleine bringt nichts. Taten zählen und jeder, der will, kann nach seinem Ermessen dazu beitragen. Nur weil es andere nicht machen, heisst das nicht, dass ich auch nicht muss. Wie auch umgekehrt. Den Kopf in den Sand zu stecken, bringt nichts. Aus wenig wird mehr und aus mehr kann viel werden. So entsteht Veränderung. Das Wunder gibt es nicht.
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    1. Antwort von Beppie Hermann  (Eine rechte Grüne)
      MRaess, gebe Ihnen ja vollauf recht, jeder sollte sich bemühen, seinen Ökofussabdruck zu verringern. Die Realität ist aber, die meisten reden nur endlos davon u.das seit Mio Jahren. Mit "Kopf in den Sand stecken" hat das nichts zu tun, vielmehr müssten wir uns doch endlich eingestehen, dass wir zu keiner Besserung fähig sind. Unsere Geschichte beweist es, die grosse Masse der Menschheit ist naturinkompatibel. Und diese Natur wird uns alle unsanft dezimieren, wenn wir es nicht endlich selber tun.
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  • Kommentar von Erich Bucher  (Farbenfroh)
    Gehören die Bauernbetriebe vorwiegend Migranten? Oder meinen Sie die ausländische Pestizide, welche Schweizer Bauern hemungslod versprühen?
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