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20 Jahre Swissair-Grounding: In der Corona-Krise wurden böse Erinnerungen an damals wach.
Aus Regionaljournal Zürich Schaffhausen vom 29.09.2021.
abspielen. Laufzeit 09:35 Minuten.
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20 Jahre Swissair-Grounding Wenn die Krise den Traum vom Fliegen zerstört

Ob Grounding oder Corona – beiden Krisen ist gemein, dass sie jungen Menschen den Berufstraum abrupt zerstörten.

Stolz steht er mit seinen blond-braunen Locken und seiner runden Brille vor dem Simulator. Auf die Ausbildung schaut er immer wieder gern zurück. Mit anderen aufstrebenden Pilotinnen und Piloten diese Faszination zu teilen – für Florian den Hollander war das stets ein grosses Privileg. Der 24-jährige Thuner wusste schon immer – er will fliegen. Am liebsten mit dem Steuerknüppel in der Hand vorne im Cockpit.

Unnachgiebig den grossen Traum verfolgt

Nach der Matura war er aber noch zu jung, um die Ausbildung als Pilot bei der Swiss zu machen, denn die war erst mit 20 möglich. So arbeitete er zuerst als Flugbegleiter, wofür er von seiner Heimat Thun nach Zürich zügelte.

Legende: Florian den Hollander will trotz der gegenwärtigen Krise einmal Captain werden. SRF

Später hat er sich für die Pilotenausbildung beworben: ein langer und harter Bewerbungsprozess. Sei es Kopfrechnen oder Fliegen im Simulator – in sechs verschiedenen Etappen musste er beweisen, ob er die grosse Verantwortung im Cockpit übernehmen kann. Bei jeder Etappe hätte der Traum platzen können, wie bei so vielen anderen. Doch für Florian den Hollander wurde dieser Traum Wirklichkeit – vorerst.

Die Pilotenausbildung

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Zuerst muss man viel Theorie büffeln, erst dann darf man in die Luft. Und auch dies erst mit kleinen Propeller-Flugzeugen. Später trainieren die jungen Pilotinnen und Piloten das Fliegen mit grösseren Flugzeugen im Simulator. Im Ausbildungszentrum der Lufthansa in Opfikon stehen Attrappen von richtigen Flugzeugen, sogenannte «Fixed-Based Simulatoren».

Die Swiss verfügt über Simulatoren aller Flugzeugtypen, die Teil der eigenen Flotte sind. Es geht um die Abläufe im Cockpit-Alltag, beispielsweise, wie man im Notfall Passagiere evakuiert. Später im Prozess wird man auf einen bestimmten Flugzeugtypen geschult und es folgt eine Streckeneinführung.

Eine Pilotenausbildung bei Swiss dauert zwischen 18 und 23 Monaten. Zuerst ist man Co-Pilotin oder Co-Pilot, bevor man Captain wird.

Aber dann kam bei Florian den Hollander plötzlich alles anders. Kurz bevor er sein Diplom endlich in den Fingern gehalten hätte, platzte der Traum. Wegen des sich rasant ausbreitenden Coronavirus blieben die allermeisten Flugzeuge am Boden. Die grösste Krise der Geschichte ereilte die gesamte Flugbranche – quasi von einem Tag auf den anderen. Und somit war die Lizenz zum Fliegen plötzlich ganz weit weg. Und er musste seine Ausbildung für unbestimmte Zeit abbrechen.

Ein Déjà-vu vor langer Zeit

Ganz ähnlich erging es Thomas Steffen vor 20 Jahren, beim Grounding der Swissair. Die Swissair, der Stolz der aviatischen Schweiz, war plötzlich pleite. Alle Flugzeuge blieben am Boden.

Zwar konnte er seine Ausbildung zum Piloten noch abschliessen, ehe die Krise zuschlug. Jedoch war ihm nicht mehr als ein Jahr als Co-Pilot vergönnt. So war der Traum vom Fliegen vorerst wieder ausgeträumt.

Aber Thomas Steffen nahm sein Schicksal in die eigene Hand. Genau gleich wie Florian den Hollander wusste auch er nicht, wie es weitergeht und ob und wann er jemals wieder zurück ins geliebte Cockpit kann.

Aus der Not eine Tugend machen

Nach ein paar Überbrückungsjobs heuerte er in Deutschland bei einer Billigfluggesellschaft an, während er gleichzeitig auf einer Warteliste der Swiss stand. Dass sein Traum jemals wieder in Erfüllung gehen sollte, ahnte er damals nicht. Heute arbeitet er bei der Swiss – als Captain eines Airbus A320.

Legende: Thomas Steffen fand nach dem Grounding der Swissair zurück ins Cockpit bei der Swiss. SRF

Er lebt heute das, wovon Florian den Hollander immer noch träumt. Inzwischen konnte der 24-Jährige zwar auch seine Ausbildung abschliessen. Bloss gibt es derzeit keine Stellen als Pilot. Darum hat er ein Studium der Verkehrssysteme an der ZHAW begonnen. Für junge Piloten ist es heute normal, auf ein zweites Standbein zu setzen. Das sei eine grosse Veränderung in der Luftfahrtbranche, sagt Thomas Steffen.

Vor 30, 40 Jahren, wenn jemand mal Swissair-Pilot war, dann konnte der sich nicht vorstellen, noch etwas Anderes zu machen. Dann war die Karriere eigentlich vorgegeben und man blieb bis zur Pensionierung. Das ist heute anders.
Autor: Thomas Steffen Pilot

Doch für ihn bleibt Pilot ein Traumjob. Die Bedingungen hätten sich zwar markant verändert, doch die Fliegerei an sich sei immer noch genau gleich aufregend. Er ist überzeugt, dass sich die Branche erholt und die Fluggesellschaften bald wieder mehr Pilotinnen und Piloten brauchen.

Das würde auch für Florian den Hollander die grosse Chance bedeuten. Er sei zwar zufrieden mit seinem Studium und das wolle er jetzt auch gerne abschliessen. Aber den Traum vom Fliegen hat er nie aufgegeben. Sollte dereinst das Telefon klingeln mit einem Jobangebot – er wäre sofort bereit.  

Regionaljournal Zürich Schaffhausen, 29.09.2021, 17:30 Uhr;

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9 Kommentare

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  • Kommentar von Heinz Michel  (Joshuatree)
    Das war schön due besste Werbung für die Schweiz Swissair, schade dass das unfähige Management und die damalige Verwalungsrätin Frau Spörry versagt haben.
    1. Antwort von Felix Meyer  (gegen unwahre Wahrheit)
      Herr Michel, Im damaligen Verwaltungsrat sass Frau Spoerry nicht alleine. Und die Herren im Management hatten auch Namen, also bitte schreiben Sie nicht so, als ob Frau Spoerry alleine zuständig für das Geschehene gewesen sei.
  • Kommentar von Herbert Menzi  (hmenzi)
    Warum immer nur Mitleid mit den Jungen, obwohl es ältere viel härter trifft, denn sie haben vielleicht bereits sehr viel investiert oder sind in einem Alter, wo sie kaum mehr etwas äquivalentes finden. Junge können wenigstens rechtzeitig erkennen (wenn sie wollen), welche Berufe mittel- bis langfristig Zukunft haben und können entsprechend handeln, statt verbissen zu denken, es gebe für sie nur einen einzigen sinnvollen Traumberuf.
    1. Antwort von Sebastian Wijnroks  (sebwij)
      Herr Menzi, ich bin 20 Jahre alt und ich möchte Pilot werden. Sie müssen wissen, dass vielen flugbegeisterten Jugendlichen wie mir bewusst ist, dass Pilot nicht der zukunftsorientierteste Beruf ist. Das stellt für uns aber nicht ein Problem dar, da wir für die Fliegerei eine solche Leidenschaft haben, dass es uns den Beruf nicht unattraktiv macht. Deshalb finde ich das Wort „verbissen“ etwas falsch. Ihrer Aussage, dass die älteren Piloten es öfters noch schwerer haben, stimme ich jedoch zu.
  • Kommentar von Telemach Hatziisaak  (THI)
    Es ist m.E. ein Systemfehler der von Shareholder-Value getriebenen Lufttransport-Industrie, dass junge, motivierte Menschen, in diesem Fall Piloten, verheizt werden. Die Luftfahrt gehört aus sozio-okonomischen und ökologischen Gründen als öffentlich-rechtliche Anstalt mehrheitlich in die Hand des Regulators, also des Bunds.